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wurden von den Laienbrüdern, die gegenwärtig schon20 Gewerbe betreiben, selbst hergestellt, wobei die Be-wohner der Umgegend in liebevoller Weise freiwilligeAushilfe mit Gratisfuhrwerken leisteten. Die Umgebungdes Klosters ist bereits auf einem Komplex von 20 Tag-werk mit einer Mauer umfriedigt und in Gemüsegärtenverwandelt. — Zwei Jahre zuvor legte man den Grund-stein zu einem Mutterhaus der Missionsschwestern.
Unermüdete Arbeit und kräftiges Zusammenwirkenaller Kräfte gepaart mit weiser Sparsamkeit haben auchhier gezeigt, wie mit geringen Mitteln Großes undZweckmäßiges geschafft werden kann.
Im letzten Sommer hat der Herr Generalsuperiorendlich auch das Wirtsanwesen erworben, dessen Ent-eignung sowohl im Interesse der Arrondirung als auchdes stetig wachsenden Fremdenverkehrs dringend gebotenwar. Die Besucher St. Ottiliens finden jetzt an Stelleder ehemaligen Wirtschaft ein einfaches, sauberes Hospiz,wo den zahlreichen, meist priesterlichen Gästen ein an-genehmes Plätzchen zu einigen Tagen geistiger Ruhegeboten werden kann.
Wollen wir noch kurz der Thätigkeit der St. Bene-diktus-Missions-Genossenschaft in Afrika gedenken, sodürfte es nicht überflüssig sein vorauszuschicken, daß derGründer besonders in den ersten Jahren mit großenSchwierigkeiten zu kämpfen hatte, deren größte die war,daß er Jahre lang fast allein stand, ohne priesterlichenMitarbeiter, ohne Gründungsfond, außer den alleinsicheren der göttlichen Vorsehung. Seine zwei ersten,im Geiste des Hauses erfahrenen Priester ?. BonifazFleschutz und I'. Franziskus Mayr, raffte ein tückischesFieber dahin. Fünf Jahre nach der Gründung konnteer dann die Erstlinge des Nachwuchses dem H. H. Bischofzur Weihe prüsentiren. Von da an steigerte sich aberdie Zahl der Weihekandidaten; im Monat Juli habenwieder vier Fratres die hl. Priesterweihe empfangen,während im kommenden Jahre 6 Kleriker ihre theo-logischen Studien beendigen werden. .Die Letzterenfrequentieren die Vorlesungen des Kgl. Lyceums zuDillingen.
Am 1. Juni dieses Jahres entsandte ?. Amrheindie siebente Expedition nach Afrika . Führer derselbenist k. Maurus Hartmann, ein geborener Oberndorferund Augsburger Diözesan, der in Dillingen seine Studienmachte. Er war bisher die vorzüglichste Stütze seinesObern, ein energischer, umsichtiger Mann von unver-wüstlicher Thatkraft. Seine Aufgabe wird zunächst sein,das Männerkloster in Dar-es-Salaam mit seinen An-stalten in das außerhalb genannter Stadt gelegeneMisstonsgut Kolozani zu verlegen, wo auch der geeignetstePlatz zur Anlage eines eigenen Christenviertels ist. Diedadurch frei werdenden Gebäude des bisherigen Klosterswerden in ein katholisches Spital verwandelt und denMissionsschwestern übergeben, deren Erziehungsanstaltenin nächster Nähe liegen. Gegen Ende dieses Jahres sollsodann die achte Expedition St. Ottilien verlassen undmit ihr wird Maurus tiefer im Innern unserer
ostafrikanischen Kolonie ein Kloster mit Musteranstaltenals Centralstation gründen.
Möge das Werk, auf dem so augenscheinlich GottesSegen ruht und das der Kirche schon 3 Märtyrer ge-geben hat, blühen und gedeihen und sich allseitiger Unter-stützung erfreuen.
--SSSWiS— —
Zu unseren Bildern.
Albert Graf de Man.
Graf de Mun, der unter den Vertretern der französischen Katholiken im Parlament unbestritten den ersten Platz ein-nimmt, ist geboren am 28. Februar 184 t zu Lünigny. Ertrat nach Vollendung seiner Studien bei den Kürassieren einund nahm im Jahre 1876 seinen Abschied, um ungehindertund ohne Rücksicht nehmen zu müssen, für die Rechte der katho-lischen Kirche eintreten zu können. Er wurde im selben JahreMitglied der Kammer der Abgeordneten, wo er durch seineEnergie und einzig dastebende Beredsamkeit sofort zu einem derhervorragendsten Parteiführer sich aufschwang. Der sozialenFrage wandte er seine besondere Aufmerksamkeit zu und schufdie wichtigen Oorolss oatdoliguss L'ouvrisrs, die einflußreich zuwerden versprechen. Graf de Mun steht in voller Mannes-kraft; es ist ihin wahrscheinlich vorbehalten, bei der Wieder-geburt Frankreichs aus den jetzigen chaotischen Zuständen nocheine Rolle zu spielen. _
Kauft NeilchrnI
„Kauft Veilchens" flehen leis und zaghaft die beiden Kleinen,die selbst wie ein paar schüchterne, sinnige Frühlingsblümleindraußen vor dem Thore im frostigen Winde stehen. Ach, ihnenschadet er nichts, aber Papa desto mehr. Er sollte nach demSüden, hat der Arzt erklärkt, wenigstens stärkende Weine trinkenund nickt die halben Nächte am Reißbrett sitzen über den lei-digen Fabrikzeichnungen, zu denen die Sorge um die Seinenden begabten Künstler zwingt. Die Mutter seufzt und schütteltden Kopf, als man auch ihr mehr Ruhe und Erholung ver-ordnen will. Es reicht ja nicht einmal zu einer Flasche gutenWeins für den Kranken. Betty und klein Evchen aber wissenRath. Hinter der Hecke im Schloßgarten sind die Veilchen schonaufgesproßt und gewiß wehrt es ihnen Niemand, sie zu pflücken.Ohne den Eltern ein Wort zu verrathen, halten sie nun ihreSträußchen feil und wenn Papa von dem Erlös nicht die Reisemacht, kann er doch wohl Wein trinken, so viel er will. Jeden-falls — mag die Rechnung der kleinen Rechenmeisterinnen stim-men oder nicht — haben sie dem Vater unsäglich wohl gethanund vielleicht würde das erträumte Geld die wehmüthige Freudenicht aufwiegen, die ihre Liebe ihm bereitet.
Goldkörner.
Ob auch die Kunst stets wechselnd sich erweist,
So bleibt dock eines fest in Kunst und Leben:
Es ist die Seele, der lebend'ge Geist,
Der, Gott entstammt, das Göttliche will geben.
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Schachaufgabe.
Schwarz.
Weiß.
Weiß zieht an und setzt mit dem 5. Zuge matt.
Auflösung des Räthsels in Nr. 75:
Moloch, Molch.