596
verhindern, und eS auf den Arm nehmend, eilte er mitihm so schnell wie möglich aus dem Schlosse. Noch inderselben Nacht verließ das saubere Paar England , nach-dem zuvor das verrätherifche Kleidungsstück des Kindesin ein Gestrüpp am Mühlenbach geworfen war, um dieNachforschungen auf eine falsche Spur zu leiten.
„Die gestohlenen Kostbarkeiten brachten den Elendenkeinen Segen. Auf dem Schiffe nach Canada wurdendieselben von einem Mitreisenden geraubt, und vonheftigen Gewissensbissen gefoltert, landete der unglück-liche Mann im fremden Lande. Er konnte den Anblickdes Kindes nicht mehr ertragen; es war ihm eine uner-trägliche Last und erinnerte ihn stündlich an seine großeSchuld. Um sich seiner zu entledigen, setzte er es inWtnnipeg aus in der Hoffnung, daß edle Menschen sichdes hülflosen Kleinen erbarmen würden. Er hatte sichnicht getäuscht. Ein reicher Farmer, Herr Nock, nahmihn auf, ließ ihm eine vorzügliche Erziehung geben undvermachte ihm schließlich nach seinem Tode die Hälfteseines bedeutenden Vermögens."
Alle diese Einzelheiten hatte Herr Schellenberg voneinem Geschäftsfreunde aus Canada erfahren, dessen red-lichen Bemühungen es gelungen war, den Elenden auf-zufinden und ihm das Geständnis; abzuzwingen.
Während dieses ausführlichen Berichtes hatte FrauWillford häufig die Farbe gewechselt; jetzt erhob sie sichhastig und verlangte ihren Sohn zu sehen. Helene hattesie schon langsam auf diese unerwartete Freude vorbe-reitet und von der Aehnlichkeit des jungen Fremden ge-sprochen, aber die Mutter hatte ein solches Glück nichtzu fassen vermocht.
Bald darauf drückte sie ihren einzigen, langverlorenenSohn wieder an ihr stürmisch pochendes Herz; ihr Augekonnte sich nicht satt sehen an den wohlbekannten, theurenZügen, und sie wollte ihren Liebling nicht wieder ausden Armen lassen, den sie schon seit sechzehn Jahren be-weint hatte.-
Es war eine glänzende Hochzeit, die nach einigen Mo-naten in England gefeiert wurde. Glück und Zufrieden-heit leuchteten aus Hclcnens Augen, als sie am Armihres Gatten nach der feierlichen Handlung das Gottes-haus verließ. Unter den Gästen befanden sich auchLord und Lady Merlin, die jetzt ein glückliches Leben inEngland führten, auch Edmund Normann, der Vetterdes Ex-Organistcn, der mit Oswald Willford engeFreundschaft geschlossen hatte.
Jda hatte an der kirchlichen Feier keinen Antheilnehmen können. Sie lag mit gefalteten Händen aufihrem Ruhebette uud weinte Thränen des Glückes undder Freude, als sie an das Loos ihrer Schwester dachte,mit der sie treulich alles Leid und alle Freude getheilthatte.
Dr. Härtung lebte in dem Glücke seiner Kindervon Neuem auf. Er verkehrt jetzt gern und häufig mitseinem alten Freund, dem Agenten Schellenberg, der,nachdem ihn sein Sohn verlassen, das Geschäft alleinweiter führen muß. Er arbeitet emsiger und sorgsamerwie früher, so daß er es bald zu einer gewissen Blütheemporbringt.
Der alte Pfarrer Härtung versicherte oft im Ver-trauen seinem Bruder, er müsse fortan mit der Wahlseiner Organisten vorsichtig sein, da die beiden letztenihn doch arg betrogen hätten. Er engagirte einen alten,
grauhaarigen Mann, von dem er nichts mehr zu fürchtenhatte.
Die strenge, finstere Marie hatte noch eine stürmischeUnterredung mit ihrer Schwester Hedwig, in der ein ge-wisser unterschlagener Brief das Hauptthema bildete. Sieverlieb bald darauf das Haus ihres Vaters und fandin einem Asyl für weibliche Gefangene als AufseherinBeschäftigung, wo ihr scharfes Auge und ihre finsternBlicke besser am Platze waren.
Hedwig Härtung und Elsa Laube fanden bald ihrGlück in einer eigenen Häuslichkeit; Erstere heirathetebald einen alten Wittwer, dem sie die letzten Lebens-jahre erheiterte; Elsa einen jungen Arzt, dessen Reizefür die junge Gattin hauptsächlich in der Aehnlichkeitbestanden, die er mit dem Agenten Schellenberg hatte,den sie einst liebte.
Frau Willford lebte noch lange Jahre heiter undglücklich im Glück ihrer Kinder. Gerne nahm sie ihreEnkel, zwei prächtige, rothwangige Buben, auf ihrenSchooß und erzählte ihnen von dem Organisten in derNosenvilla — eine Geschichte, welche die Kleinen nichtoft genug hören konnten.
-.-S2-U-SS-«-
Die letzten Erzfeinde Spaniens und desChristenthums anf den Philippinen.
^Nachdruck verboten.; -
Wir laden unsern geneigten Leserkreis ein, unsheute im Geiste nach dem fernsten Osten der Welt zufolgen, nämlich nach dem spanischen Jnselreiche derPhilippinen; da diese Inselwelt bei weitem nicht sobekannt ist, als sie es aus verschiedenen Gründen ver-dient. Die Philippinnen sind ein Perlenkranz derindischen Jnselflur. Was für uns aber einen noch vielhöheren Werth hat, das ist die Thatsache, daß diesergroßeArchipel, mit Ausnahme der größeren Hälfte der InselMindanao, schon seit 200 Jahren fast dem Christentum
— der katholischen Kirche gewonnen. Das ist einesvon den größten und schönsten Werken der christlichenCivilisation!
Die Insel Mindanao nun ist es, wo nochdie „letztenErzfeinde Spaniens und des Christenthums"Hansen, — und zwar schon dreihundert Jahre lang
— zu blutigem Leidwesen Spaniens und der.Glaubens-boten; und erst in allerneuester Zeit haben diese Erz-feinde wieder blutige Greuelthaten verübt, — wovonwir später hören werden. Eben diese Unthat hat unsden Archipel der Philippinen und insbesondere die InselMindanao wieder in Erinnerung gebracht, und diesergilt der Haupttheil unserer gegenwärtigen Darstellung(welche nach verschiedenen Berichten älterer und neuerReisewerke und besonders nach den sachlichen Berichtender Zeitschrift „Die kathol. Missionen" in ihren Jahr-gängen 1889, 1890 und 1894 mit kritischer Richtung,verfaßt ist).
Der edle Fernando de Magelhaens — ausPortugal — ein zweiter Kolumbus — war es, der inspanischen Diensten unter König Philipp II. im Jahre1521 nach einer langen und lebensvollen Seefahrtden Archipel entdeckte, welcher nach dem Namen desspanischen Königs „Philipp" den Namen „Philippinen"erhielt. Magelhaens landete zuerst eben an der großenInsel Mindanao , die im Süden des Archipels