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liegt. Nachdem er vom Schiffe aus mit den BeherrschernMindanao's mehrere Tage friedliche Verhandlungen ge-pflogen, stieg er ans Land: das geschah am erstenOstertage 1521, am 31. März.
Damals wohnte an der Südküste Mindanao's , woMagelhaens landete, noch ein zumeist friedliches Heiden-volk, oder ein solches hatte noch die Herrschaft inne; und sofand der angestaunte fremde Seefahrer eine gar freund-liche Aufnahme. Magelhaens pflanzte auf das Zeichendes Christenthums und wurde der erste Glaubensbote aufMindanao .
Die Heiden bezeigten einen swarmen religiösen Sinn,kamen rasch den christlichen Lehren entgegen, und Magel-haens und sein Schiffskaplan durften die größte Hoffnunghegen. Doch, man tritt aus finsterer Mitternacht nichtin den hellen Tag hinein. DaS Unglück kam ganz un-vermuthet und im Niesenschritt. Nur wenige Tage nachder Besitznahme der Insel Mindanao begab sich Magel-haens auf die kleine benachbarte Insel Maktan (oderMatan). Dort aber wollten die Bewohner den fremdenSeefahrer nicht landen lassen. Es kam zu einem Kampfe,und in demselben fand Magelhaens seinen Tod,seine Leute aber mußten flüchten. Das geschah am 2 6.April 1521. Das war wohl eiu trauriges, kläglichesEnde des großen Seefahrers, aber es besiegelte ein un-vergängliches Verdienst. Zur Zeit, als Magelhaens diePhilippinen entdeckte, hatte eben die Einwanderung dermalayischen Mohammedaner von den Molukken her nach denPhilippinen begonnen, und ohne die Entdeckung desSeefahrers Magelhaens und ohne die Eroberung Spaniens wäre dieser ganze Archipel eine Beute der Mohammedanergeworden und für das Christenthum verloren gewesen!
Fernando de Magelhaens, der Entdecker derPhilippinen selbst, war also der erste Blutzeuge desEvangeliums auf diesem Archipel. Es sind ihrer nochmehrere gefolgt. So friedlich auch auf den meisten derInseln das Bekehrnngswerk verlaufen, so leicht und glattwie die Sache von Manchen dargestellt worden) ging esdenn doch nicht. Noch in dem Zeitraume von 1625 bis1684 kostete das Christianistrungswerk, abgesehen vonMindanao , manches kostbare Leben; wir nennen nur dieBlutzeugen k. Alphons Garcia, k. DamianiPeres und den Laienbruder Onuphrius .
Die spanische Regierung konnte nicht sofort die Ent-deckung des - Jnselreiches in, dem Grade sich zu Nutzenmachen, als sie es wünschte, weil sie mit Portugal inKrieg verwickelt ward. Auch fehlte es an geschickterLeitung der Unternehmungen. Bis das EroberungS- unddas Missionswerk mit Energie und glücklichem Erfolgebetrieben werden konnte, waren bereits die sechziger Jahredes Jahrhunderts angebrochen. Im Missionswerk ar-beiteten mit heiligem Eifer und reichem Erfolge dieAugustiner, Dominikaner , Franziskaner und die VäterJesu. — Bevor .wir nun den weiter» Verlauf des christ-lichen CivilisationSwerkes und der politischen Situationbesprechen, wird es geboten sein, das Wissenswerthesteüber Land und Leute vorzuführen.
Der Archipel Philippinen bildet mit Japan gleichsamdie äußerste Vormauer des asiatischen Festlandes gegenden stillen Ocean. In einem Doppelbogen, der sich fastin der Mitte der Hauptinsel Luzon (oder Manila ) ver-einigt, schließen die Philippinen mit Formosa daschinesische Meer nach Osten hin ab.
Zu dem nördlichen Theile dieses Doppelbogens
gehört nur die nördliche Hälfte der Insel Luzon ; zvdem südlichen Theile gehören: das südliche Luzon, dieInseln Samar, Letzte, die Surigao -Gruppe und diegroße Insel Mindanao . Von dem mittleren TheileLuzons aus erstreckt sich bis zur Nordspitzc Borneos eineweitere Reihesvon Inseln: Mindoro , Calamiani und die langeInsel Palawan . Die Inseln Basilian Sulu (oder Jolo)und die Tawi-Tawigruppe schließen den Archipel imSüden von Mindanao nach Borneo hin ab, und derdurch sie abgegrenzte Theil des Meeres wird die Min-dorosee genannt.
Im östlichen Theile der Mindoro -See, zwischenMindoro und Mindanao , sind die Inseln Tablas, Mas-bate, Panay, Guimaras, dos Negros, Cebu und Bajol.Als die bedeutendsten der Inseln sind angeführt: Luzon ,Mindanao, Mindoro, Samar , Letzte, dos Negros undCebu ; doch gehört in diese Reihe wohl auch die InselPanay , deren Bevölkerung schon vor bereits 20 Jahren(1874) auf 1,052,586 Seelen angegeben worden. Mancheder vorgenannten Inseln haben nicht die Hälfte. Sohatte eben im Jahre 1874 die Insel Cebu , die auchzu den 12 großen Inseln gezählt wird, nur 427,356Einwohner.
Der Gesammt-Flächeninhalt der Philippinen umfaßt170 585 glrm. DaS ist schon ein respektabler Raum,und ihn auszufüllen gehört, vergleichsweise, der Flächen-inhalt von ganz Süddeutschland und von König-reich Sachsen dazu, dann noch jener der Großherzog-thümer Mecklenburg-Schwerin und Oldenburg und desHerzogthums Altenburg; und dann hätte immer noch einDuodezfürstenthum in diesem Raume gemächlich Platz.Die Gesammtzahl der Inseln wird auf 1200 geschätzt.
Wir haben schon gesagt, daß die Pilippinen einenPcrlenkranz der indischen Jnsclflur bilden. Alle, welchedieses Jnselreich näher kennen gelernt haben, alte undneue Forscher und Missionäre, sind darüber voll desLobes und nennen es „eine Art Paradies". Nachihren verschiedenen Schilderungen darf ich wohl folgendesBild skizziren: Länder und Ländchen umschlungen vonsmaragdenen Meereswogen, nmwölbt von azurblauemFirmamente voll ganz eigenthümlicher Sternenpracht,Sonne und Mond von unvergleichlichem Silberschein undGoldglanz; Alles immer in herrlicher Grüne,— Wiesen,Bäume und Wälder; Blumen, Schmetterlinge, Vögelvon entzückender Farbenpracht; in immerwährendemBlüthenschmuck die tropischen Fruchtbäume und — zu-gleich doch Früchte tragend; ein Boden — fabelhaftfruchtbar —, zwei, ja nicht selten drei Ernten in einemJahre, dazu noch wildwachsende Nährpflanzen; reicheWälder, voll des seltenen Edelholzes. Berge und Thälervoll Flüsse, Bäche und Seen;, die Wälder voll Wild,die vielen Gewässer voll Fische; überall Leben undLichtglanz, ewiger Frühling und Sommerzugleich, und selbst ein Klima wilder Zone:daSist das Jnselreich Philippinen!
Dock unterm gold'ncn Sternenzelt
Ist keine ütclfreie Welt!
Auf diesem paradiesischen Jnselreich haust das ent-setzliche Erdbeben und der furchtbare Cyklon (Wirbelsturm).
Die Bevölkerung dieses Archipels besteht ausden Nachkommen vor Jahrhunderten bereits eingewanderterMalayen verschiedener Stämme und Zweige. DieSpanier bezeichnen sie als: 1) die Visatza's (Bissatzas)die intelligentesten der Malayen — die „alten Christen";