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2)die Moros, mohammedanische Malayen; 3)Jnfi8les,noch heidnische Malayen, darunter noch fast ganz wildeStämme; endlich 4) daS Urvolk, die Mamaua's,Schwarze, von kleiner Gestalt; daher von den SpaniernNegrilloS geheißen, sonst Negritos benannt. Es sindein Zweig der Papua. Von den Malayen zurück in dieGebirge gedrängt, sind sie noch heute ohne alle Kultur.Es sind ihrer nur noch wenige Tausend.
Die Gesammtzahl der Einwohner ist verschieden an-gegeben, von 6*/z Millionen bis auf 7*/g Millionen.Immerhin ist dieser Archipel bei seiner Raumgröße undseiner mächtigen Fruchtbarkeit zu gering bevölkert, wennman bedenkt, daß jener deutsche Staatenkomplex, der diegleiche Größe wie dieser Archipel hat, mehr als nocheinmal so viel Einwohner zählt. Die Gesammtzahl derKatholiken betrug im Jahre 1880 5^/z Millionen, heutewohl 6 Millionen. Somit hat dieses Jnselreich mehrKatholiken als ganz China, Vorder- und Hinterindien und Japan zusammen. Ja, das ist ein großartigesMissionswerk.
Der Charakter dieses Jnselvolkes ist seiner großenMehrheit nach ein friedlicher und gutmüthiger, sonstwäre dieses christliche Civilisationswerk, wie es heutedasteht, nicht möglich gewesen. Nur auf der InselMindanao fand die Predigt des Evangeliums unddas Kultnrwerk der Spanier einen hartnäckigen undblutigen Widerstand, und heute noch lebt ein großer Theilfeiner trotzigen und gefährlichen Erzfeinde; es sind ebendie Moros und einige noch wilde Heidenstämme. Diesealle waren von jeher Piraten, und sind es noch, undhaben als solche den Spaniern und den eingeborenenChristen, sowie den Missionären unendlich viel Leid gebracht.Trotz ihres Widerstandes aber und trotz aller Gefahr habendie wüthigen Glaubensboten endlich auch festen Fuß aufMindanao gefaßt. Es waren die Vater Jesu, die1581 nach Mindanao kamen. Ihre heldenmüthige Stand-haftigkeit hat auch reichlich Martyrerblut gekostet. Esfielen unter Andern als Opfer des heiligen Glaubensdie Patres: Del Caprio, Zamora, Mendoza,SancheS, AresiuS, Paliol, Ronek, Damiani,Lopez und Mantiel.
(Schluß folgt.)
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Der Gerichtsvollzieher.
Eine Erzählung aus der Residenz von Robert von Hageyj
lNachdruS vervolm.1
Ich trank mein Glas Bier; an demselben Tischesaß der Gerichtsvollzieher Meißel, dessen werthe Bekannt-schaft ich glücklicherweise nicht in meiner Wohnung, sondernseinerzeit zufällig in meiner Stammkneipe gemacht hatte.
„Nun, das will ich Ihnen gern glauben," bestätigteich seine diesbezügliche Aeußerung, „daß das Amt einesGerichtsvollziehers wohl auch recht viele Schattenseitenauszuweisen haben dürfte. Ich für meine Person zumBeispiel, ich taugte wahrlich nicht dazu; mich würde dasimmerwährende Schauen des immensen Elendes, welchessich täglich vor Ihren Augen entrollt, weich stimmen, undich würde meines Amtes wohl so nachsichtig walten, daßmöglicherweise schnell ein Kollege kommen müßte, bei mirselbst die gewissen ominösen „blauen Dingerchen" anzu-kleben."
„Ja, ja," erwiderte der Gerichtsvollzieher Meißel,„manchmal weiß man thatsächlich nicht, wie man'S recht
thun soll — und die Humanität, die man zeitweilig anden Tag legt, wird oft schlecht gelohnt. Nimmt manRücksicht auf die Leute und kommt, um ihnen das Beredeund Gerede im Hause und der Nachbarschaft zu ersparen,nicht uniformirt, so ist man dem ausgesetzt, wie mirdies bereits vorgekommen ist, daß man grob angegangenwird und es heißt: „Ich habe mit Ihnen nichts zu thun;wenn Sie Gerichtsvollzieher sind, so kommen Sie vor-schriftsmäßig in Uniform l" Und andere jammern wieder,wenn man in Uniform kommt: „Mein Gatt, mein Gott,welche Blamage, welche Schande für uns im ganzenHause! Bei uus hat noch nie ein Gerichtsvollzieheretwas zu thun gehabt, und nun haben alle Leute gesehen,daß ein solcher zu uns kam; unser ganzer Geschäftsrufist verloren!" — Im übrigen," setzte Herr Meißel fort,„sieht uns jeder, gegen den wir einschreiten müssen, alsseinen natürlichen Feind an, obwohl ich Sie versichernkann, daß es mir oft das Herz abpreßt, wenn ein hart-herziger Gläubiger darauf dringt, armen, oft unver-schuldet ins Unglück gerathenen Leuten ihr Letztes abzu-pfünden und hin nach der Pfandkammer schaffen zu lassen.Ja, ja, ich gebe Ihnen mein Wort, oft kämpft Gerichts-vollzieher und Mensch in einer Person vereint einen hartenKampf mit sich selbst."
Obwohl im allgemeinen auch kein besonderer Freundvon Leuten, welche, wenn auch amtliche, so doch immer-hin Unglücks-Boten und -Vollzieher sind und die sich fürihre Unglücksbotschaft noch obendrein gut bezahlen lassen,so machte ich doch bei Meißel eine Ausnahme; kannteich ihn doch bereits längere Zeit und hatte er doch inder ganzen Umgegend den Ruf eines pflichtgetreuen,aber äußerst humanen Mannes.
„Kellner, bringen Sie mir noch einen Schoppen!"rief Herr Meißel, „und dann heißt's den Heimweg an-treten ; ich habe heute ganz außergewöhnliche fünf Sonn-tagsgäste zum Mittagessen geladen, na, und da will ichpünktlich zur Stelle sein, um sie würdig zu empfangen."
„Ei, ei, wohl recht feine Herrschaften d"
„Na, gar so arg ist's nicht, obwohl vor etwa zweiJahren sie noch auf Gummirädern gefahren sind; nun,heute benutzen sie allerdings ihre eigenen Gehvorrich-tungen."
„Sie machen mich neugierig; wenn es nicht unbe-scheiden wäre und keine Geheimnisse zu wahren sind,würde ich Sie bitten, mir etwas über Ihre seltenenGäste mitzutheilen; Sie wissen, mich als Schriftstellerinteressiren stets solche Geschichten aus dem Volks- undgroßstädtischen Leben und Treiben."
„Gut. Ich habe noch so ein Dreiviertelstündchen Zeit,"sagte Herr Meißel, auf die Uhr blickend, «und will Ihnendie Sache kurz erzählen."
Noch zwei „Echte" mußte der Kellner bringen, unddann hörte ich aufmerksam zu.
„Wir waren nur zwei Geschwister," hob Herr Meißelan, „ich und meine Schwester Louise. Unsere Mutterwar zeitig gestorben. Mein Vater, ein kleiner Steuer-beamter mit einem ebenso kleinen Gehalt, wendete aberalles auf, um uns Kindern eine gute Erziehung zutheilwerden zu lassen. Als meine Schwester größer wurde,führte sie die kleine Wirthschaft, indeß ich Kommis in einemEngros-Geschäft war und von meinem Sold tüchtig zurWirthschaft beisteuerte. Da kam das Jahr 1870, undals militärpflichtig wurde ich dem 7. Infanterie-Regimenteinverleibt; ich wurde bald Unteroffizier, und daß ich, in