Ausgabe 
(25.9.1894) 78
Seite
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Prinzen unseres Königshauses, Mitglieder unserer großen ade-ligen Familien, insbesondere Bischöfe unserer einstigen reichs-unmittelbaren Bisthümer. Aber äußerst selten werden wir finden,daß ein Sprosse einer bürgerlichen Familie des Landes diesehohe Würde der katholischen Hierarchie erreicht hätte; insbeson-dere in den früheren Jahrhunderten, während wir in der Ge-genwart den verstorbenen Kardinal Hergenröther zu nennen hätten.

In dem jetzt vorliegenden Falle bat der Kreis Niederbayern die Freude, den neuen Kirchenfürsten seinen Landsmann nennenzu dürfen. Der vor Kurzem durch Leo XIII . zum Kardinal er-hobene D. Andreas Steinhuber wurde geboren am 11. Novbr.1825 als Sohn des Raumoserbauern Chrysant Steinhuber undseiner Frau Maria geb. Hölzl aus der Pfarrei Birnbach zuUnteruttlau, Pfarrei Uttlau, Bezirksamts Griesbach . Es wareine mit acht Kindern gesegnete Familie, nämlich fünf Brüderund drei Schwestern, wovon Kardinal Steinhuber der jüngsteist; zwei Brüder davon find seit einigen Jahren gestorben, ebensozwei Schwestern, wovon sich eine dem Klosterleben widmete undin Nymphenburg starb. Es leben gegenwärtig außer dem Kar-dinal noch zwei Brüder, nämlich Chrysant Steinhuber, Privatierin Griesbach , und Engelbert Steinbuber, Oekonom in Unter-uttlau, sowie eine Schwester, Anna Propsteder, geb. Steinhuber,Oekonomenwittwe in Endbam bei St Salvator. An der großenFreude nehmen Theil 19 Enkel und Enkelinnen, nicht minderdie Geschwister des hohen Würdenträgers, auch alle Verwandte,welche diesem Stamme angehören, die gesammte Diözese Passau und der Kreis Niederbayern .

1836 kam Steinhuber an die kgl. Studienanstalt Passau ,welche damals der als Pädagoge und Schulmann heute nochberühmte Rektor Peter Brunner leitete. Steinhuber absolvirtedas Gymnasium 1844. Die alten Kataloge der Anstalt lassenihn jedes Jahr unter den Preisträgern erscheinen, fast in allenJahren auf dem dritten Platze im allgemeinen Fortgange. ImDeutschen und in der Geschichte erhielt er wiederholt den erstenPreis. 1844/45 machte er noch den I. philosophischen Kurs amkönigl. Lyceum in Passau durch, dann kam er in das Ger-manium nach Rom. In der Lateran -Basilika wurde er am19. April 1851 zum Priester geweiht; am Ostersonntag (20. April)feierte er sein erstes hl. Meßopfer. Der spätere Kardinal Hergen-röther, der berühmte Apologet Hettinger, die Brüder Hurter,der jetzige Bischof Battaglie von Chur waren dort seine Mit-schüler. Als Dr. xbil. et tdsol. kehrte er im Juni 1853 ausRom zurück. Nach damals bestehenden staatlichen Bestimmungenwidmete er sich im Schuljahre 1853/54 an der Universität Mün-chen dem Studium der in's Verwaltungs- und Rechtsfach ein-schlägigen theologischen Gegenstände. Vom 27. Mai bis 12. Aug.1854 versah er die Stelle eines Hofkaplans bei Ihrer Königl.Hoheit Herzogin Louise von Bayern und ertheilte dem PrinzenKarl Theodor Unterricht im Italienischen, den PrinzessinnenMarie, Mathilde und Charlotte in der Religionslehre. EndeSeptember desselben Jahres kehrte er nach Passau zurück. VonOktober 1854 bis Oktober 1857 wirkte er als Stadtpfarr-Kooperator in Jnnstadr-Passau . Ende Oktober desselben Jahrestrat er in St. Andrä (Kärnten) in das Noviziat der Gesell-schaft Jesu ein. Nach überstandener Probezeit wurde er Pro-fessor, zuerst der Philosophie, dann der Theologie, an der Uni-versität Innsbruck . Im Jahre 1867 kehrte er als Rektor in dasdeutsch -ungarische Kollegium zurück, dessen Leitung er bis Herbst1880 behielt. Während er dieses Amt bekleidete, wurde er(1873) gleichzeitig zum Theologen der apostolischen Pönitentiarieernannt, was er bis jetzt geblieben ist. Außerdem hat er bislangbei den Kongregationen der Inquisition , der Propaganda undder außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten gewirkt. Am16. Januar 1893 verlieh ihm Leo XIII . im geeimen Konsistoriumden Purpur, behielt ihn aber in xotto. Die Publikation er-folgte im Konsistorium des 18. Mai 1894. Wir sind in derangenehmen Lage, den werthen Lesern desUnterhaltungsblattes"das Porträt Seiner Eminenz des Herrn Kardinals nach derjüngsten Photographischen Aufnahme von F. de Federicis in Rom bieten zu können. _

Nor dem Amisvorsteher.

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis erbricht! Dasmußte auch heute der alte Sepp erfahren. Schon längst hatte derHerr Förster bemerkt, daß im Gemetndewalde ein Holzfrevlersein Spiel treibe, nur konnte der Dieb nicht eruirt werden. Ver-dacht hatte er freilich schon immer auf den Sepp, allein der ver-stand es eben, sich nicht erwischen zu lassen. Ein Dieb war derAlte, wie er meinte, eigentlich nicht. Er war ein armer Teufel,was man sagt, und glaubte eben, auf etliche Stämme Holz

könne es dem Herrn Wald-Besitzer unmöglich ankommen.Allein das Gesetz ist strenge und der Herr Förster auch. Heutewurde der Seppl auf frischer That ertappt und muß nun mit-sammt dem oorxns äslioti, dem Holzhündel, vor den Amts-vorsteher. Da steht er als Angeklagter vor der hohen Behördemit geballten Fäusten und wildrollenden Augen, als hätte ihmder Förster, der ihn mitgenommen, ganz und gar Unrecht ge-than. Wie wird die Sache wohl enden, Sepp? Wir befürchten,nicht gut.

--SÄ8SLS--

Allerlei.

Militärische Reminiscenz. Theaterdirectorsam 15. des Monats den Gang zur Kasse durch eineSchaar Schauspieler und Schauspielerinnen versperrtfindendj:Bitte, zurück da, meine Herrschaften, aus derVorschußlinie I"

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Selbsterkenntniß. sAus dem medicinischenExamens Professor:Können Sie mir ein besondersmarkantes Beispiel von den verderblichen Wirkungen desAlkoholismus anführen?" Student stief aufseufzend^:Mein Schweigen!"

Eine gute Freundin. Emma:Hast Du ge-hört, daß sich unsere Freundin, die Paula, verlobt hat?Wollen wir sie nicht 'mal besuchen?" Marie:Wozudenn? Da läßt sich doch nichts mehr dagegen machen!"

Umschreibung. A.:Nun, wie war denn dasdiesjährige Manöver?" Major:O, drei Generaleblieben als Civilisten auf dem Platze."

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Himmelsschau im Monat Oktober.

/. Merkur wird Abendstern, aber kaum sicht-bar, da er höchstens 40 Min. länger am Westhimmelbleibt, als die Sonne.

Venus Z ist als Morgenstern kaum noch sichtbar,da sie zuletzt erst 6 U. morgs. aufgeht.

Mars F wird der hellste Stern am Himmel, leuchtetdie ganze Nacht und bewegt sich vom Widder gegen dieFische. Am 15. befindet er sich in der Nähe des Mondes.

Jupiter R geht anfangs um 9 U. 30 M., zu-letzt 7 U. 30 M. abds. auf.

Am 18. Sternschnuppen östlich vom Orion, besondersin später Nacht.

--S-8ÜS-S-

ZLi der-Aäthsel.

Auflösung der räthselhaften Inschrift in Nr. 77:Damen-Coups.