Ausgabe 
(28.9.1894) 79
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Die letzten Erzfeinde Spaniens nnd desChristenthums auf den Philippinen.

(Schluß.)

Das Blut der Glaubensboten war nicht vergebensgeflossen; doch hatten sie immer mit heimtückischen Ge-fahren zu kämpfen, und mehr denn ein Mal mußten dieJesuiten auf Mindanao ihre blühenden Missionen vonNeuem aus Schutt und Trümmern wieder aufbauen.Noch im Jahre 1721 wurde Zamboanga (an derKüste) von der Flotte der mohammedanisch-malayischenSeeräuber angegriffen und nur durch das schwere Ge-schütz der Spanier gerettet.

Die Insel Mindanao die südlichste bietetin Bezug auf die außerordentliche Fruchtbarkeit undseltene Schönheit dasselbe Bild, das wir vom ganzenArchipel gegeben, und hat namentlich in Hinsicht aufWasserfülle (auch herrliche Binnen-Seen) und Wald-reichthum von den andern Inseln den Vorzug.

Der Flächeninhalt wird bis auf 94400 glrm.angegeben, und schätzt man Mindanao fast gerade so großwie die Königreiche Bayernfund Württemberg zusammen.*)Das stimmt jedoch nicht mit dem Größenverhältnissedes ganzen Archipels von 170,585 glrm. Denn dadie Insel Luzon (Manila) noch größer als Mindanao ist, so würde der Eesammtflächenraum dieser zwei Inselnallein schon die Größe des ganzen Archipels überragen,selbst wenn sie gleichgroß, und dazu kommen noch10größere" (von den 1200!) Inseln, darunter 3 be-deutende. (!) Vielleicht ist die Größe des ganzenArchipels zu gering angegeben (es fehlt überhauptnoch an statistischen Erhebungen). Wie dem nun seinmag, immerhin ist Mindanao bei feiner Größe, wenndiese auch nur 84,000 beträgt, sehr gering be-

völkert, da nach der, wie es scheint, auch problematischen,statistischen Angabe diese große Insel nur 600,000 Ein-wohner hat, während sie mehr als 6 Millionen habenkönnte. (?) Es sind jedoch der Einwohner mehr, wenndie Specialangaben richtig; denn es sollten auf Mindanao im Jahre 1890 wohnen: 216,000 Katholiken, 125,000mohammedanische Malayen, 300,000 Heiden, etwa4000 heidnische Negritos, 3000 Spanier, Militär,Beamte, Missionäre, Kaufleute rc., wohl auch einigeHundert anderer, europäischer und amerikanischer Ge-schäftsleute und an 2000 Chinesen (wo dieseJudenOstasiens " sind, muß es auch etwas zu gewinnen geben). Die Insel Mindanao ist es also, wo noch die Erz-feinde Spaniens nnd der christlichen Civilisation Hausen:die Moros mohammedanische Malayen mit ihrenSultanen und den besonders gefährliche Da tos zuVasallen herabgesunkene, frühere kleine Könige und dieuncultivirtesten der Heidenstämme.

Seeräuberei und Sklavenfang ist das Handwerk derMoros und der wilden Heidenstämme. Auf der Anzahl derSklaven beruht das Ansehen und die Macht der Datosund auch der Häuptlinge der wilden Malayen-Stämme;ganze Dörfer werden entvölkert.

Was die Seeräuberei betrifft, so haben die Spanierden schwersten Standpunkt; denn sie besitzen weder dieGeschicklichkeit, noch die Tollkühnheit der Piraten, undauch nicht die geeigneten Fahrzeuge. Auf ihren leichten,seichtgehenden Booten gleiten die Moros blitzschnell auf den

*) Bayern umfaßt 75853 gkm., Württemberg 19,503; zu-sammen 95,366.

Wogen dahin und können von den Spaniernselbst auf leichten Kanonenbooten, nicht eingeholt werden.Und kommen sie je in eine gefährliche Klemme, dann stürmensie über Klippen und Wasserfälle hinab und dieSpanier haben das Nachsehen.

Erst jüngst haben die Moros wieder eine blutigeGreuelthat verübt. Unter Anführung eines Dato, NamensAli, haben sie die Militärstation Lepanto überfallen, allesniedergemacht, was ihnen in den Weg gekommen, Kirchenund Altäre zerstört, den Commandanten, den Hauptmannder Besatzung und 12 Mann fortgeschleppt. Sie er-mordeten auf dem Marsche die beiden obersten Militär-führer und drei Frauen, die, ermüdet nicht weiter folgenkonnten. Der Befehlshaber der Station Valenzia, derMissions-Pater von Neu-Sevilla und der Fähnrich einerPolizeitruppe eilten an der Spitze von 400 Mann denMoros nach. Erst nach unbeschreiblichen Strapatzenhatten sie den Feind eingeholt, auch überfallen; und esglückte ihnen, denselben in die Flucht zu schlagen. Diegrausamsten der Heiden sind die wilden Stämme derBaganis und ihrer Verwandten, der Bagobos. Nachdem Berichte eines Missionärs fallen unter den Mord-waffen der Baganis auf Mindanao jährlich weit über200 Personen, und ndch beträchtlicher ist die Zahl derWeiber und Kinder, die als Sklaven fortgeschlepptwerden. In der Mission des Paters allein werdenjährlich an 60 Personenumgebracht" und an 100 zuSklave» gemacht. Nicht besser, wohl aber nochgrausamer sind die Bagobos. Beider Genuß ist es,ihre Wuth im Christenblut zu stillen. Sie graben ihrOpfer bis zum Lendengürtel in die Erde, tanzen wildsingend längere Zeit um den Unglücklichen, dann endlichtödten sie ihn langsam im Lanzenwerfen, reißen dernoch warmen Leiche die Eingeweide heraus und ver-zehren sie.

Ein friedfertiges und schön gestaltetes Heiden«Volk sind die Mandaya's. Sie sind gelehrig und dienst-fertig, offen und gastfreundlich. Dem rohen Natur-zustände sind sie schon weit entrückt. Sie lieben undpflegen streng sociale Ordnung, haben einen Gouverneur,einen Kapitän und einen Lieutenant für Aufrechter-haltung der Ordnung und für den Kriegsfall; sie habenferner Richter, und über Allen steht der Aelteste desVolkes als König. Auch besitzen sie eine große Sammlungüberlieferter Gesetze. Uebrigcns ist auch unter diesemVolke, je nach den Stammzweigen, die Verfassung ver-schieden.

Die Mandayas glauben an zwei gute Götter nnd an zwei böse Götter oder Geister. Dieguten Götter sind Mansilatan, der Vater undBadla, der Sohn.Gott " der Vater wohnt imHimmel,Gott " der Sohn regiert die Erde. Von Bei-den komnit alles Gute, und sie helfen aus den schwerstenKrankheiten, Gefahren und schützen vor Unglück. DiebösenGötter" sind Pondaugnon (Ponda-ugnon) undsein Weib Malimbong; von ihnen kommt alles Unglücknnd Unheil, die Krankheit, sowie das Erdbeben (das aufdem vulkanischen Boden der Philippinen so häufig ein-tritt). Die Mandayas haben Prieste rinnen miteiner Oberpriesterin. Wenn diese Heiden in schwerenNöthen zu ihren guten Göttern beten, so rufen sie in-brünstig auch den Vater an, von seinem Himmel herabzur Hülfe zu kommen; nnd dabei werden die hölzernenBilder der beiden bösen Götter tüchtig durch ge-