Ausgabe 
(28.9.1894) 79
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prügelt. Die Mandayas glauben an ein Fortlebennach dem Tode; wie sich aber dasselbe denken, ob siean ein Leben im Jenseits und an einen Himmel undeine Hölle glauben, darüber können wir nichts berichten.Immerhin finden bei den Mandayas die Missionäreeinen fruchtbaren Boden.

Von den christlichen Malayen sind es vor allenandern dieVisayas, " welche besonderes Interesse ver-dienen. Sie werden diealten Christen" genannt, sindtreue, fromme Gläubige und gehorsame Bürger und sindgeistig sehr begabt. Die VisayaS, oder Bissaya's, wiesie in den Berichten der alten Missionäre heißen, warenschon vor Ankunft der Spanier ein ziemlich civilisirtcs Volkund waren mit den Tagalen die ersten, welche das Christen-thum annahmen. Durch ihre Tapferkeit leisteten sie denSpaniern von jeher große Dienste, namentlich im Kampfegegen die Moros (auch gegen die Holländer im 17.Jahrhundert). Aus ihnen setzt sich fast die ganze Milizder Spanier auf Mindanao zusammen. In den Ge-werben besitzen sie eine überraschende Geschicklichkeit, undihre Industrie erreicht den Höhepunkt in Anfertigungeines Gewebes, dessen Fäden so fein sind, daß sie einLuftzug zerreißen könnte. Es ist das Pinja-Ge-webe, aus Ananasfasern, dessen Ausfuhr jährlich indem einzigen Hafen Jlo ilo auf über 16 Millionen Mark(nach deutschem Geld) geschätzt wird und namentlich nachPeking und London wandert. Dieses merkwürdige Ge-webe hat auf europäischen und amerikanischen großenAusstellungen allgemein Bewunderung erregt.

So haben wir denn im fernsten Osten ein ka-tholisches Jnselreich. Ja, es ist daS eine der schönstenund großartigsten geistigen Eroberungen, welche auch dieleibliche Wohlfahrt von Millionen von Menschenzur Folge hatte. Denn diese Völker sind nicht nur ausdem finstersten, unheilvollsten Aberglauben, sondern auchvor dem gänzlichen Untergang gerettet worden.Diese armen Völker haben sich nicht, wie es leider beiden Länder-Eroberungen gewöhnlich geschehen und nochda und dort der Fall ist, vermindert, oder sind etwagar bis zum Absterben herabgesunken; sondern habensich im Gegentheile vermehrt und zwar um Millionen!Mit der weisen religiösen Eroberung hat sich eben aucheine weise politische Eroberung von Seite derspanischen Regierung vereint, welche den Rathschlägender kundigen und edelsinnigen Missionäre gefolgt.Man trachtete darnach, Sitten, Sprache, Freiheit undBesitzthum der Eingeborenen, in soweit es immermöglich, zu erhalten und nicht zu zerstören. Behut-samen Schrittes führte man sie der Veredlung entgegen; eine Kolonialpolitik, die mancher Staat sich.zurLehre nehmen kann!

Nun fehlt nur noch die völlige Doppeleroberungder Insel Mindanao . Die religiöse Eroberung ist, seit-dem die Väter Jesu, durch endliche Zulassung seitensder spanischen Regierung vom Jahre 1863 ab, wiederauf Mindanao wirken, bereits bis zur Hälfte vorge-schritten. Die politische Eroberung dagegen hat nocheine größere und schwere Arbeit zu vollbringen. Vonihren 5 Provinzen an der Küste, ist sie indeß in denjüngsten 15 Jahren in'S Innere etwas vorgedrungen; undauf die obengemeldeten grauenhaften Unthaten hin habendie Spanier, wie es scheint, sich entschlossen, energischervorzugehen. General Blanco aus Manila ist mit drei-tausend Mann an Ort und Stelle gerückt, während

an der Küste die Flotte operirt. Wir dürfen hoffen,daß unter Gottes Hilfe in nicht zu ferner Zeit auch aufMindanao der heilsame Doppelsieg errungen seinwerde. I. G. Fußcnecker.

--»-IWI---

Vedrmrenschloß El-Golea m der Sahara .

Von Theodor Habicher.

iNachdruck verboten.)

SchloßEl-Golea", von den BerbernLa Taori"und von seinen Bewohnern auchEl-Menia" genannt,liegt unter 30° 21V 12" nördlicher Breite und 0°47' 40" östlicher Länge, also beinahe am Meridianvon Algier. Die zahlreichen Stadtruinen, sowie dieChronik der Vergangenheit berichten von einer einstigenEinwohnerzahl von 6000 Seelen. Die Stadt ist aufeiner Plattform eines der drei die Oase beherrschendenHügel erbaut. Der erste, auf dessen Gipfel ein großerkegelförmiger Steinhaufen zum Andenken an eine vonSid Abou Hass gemachte Pilgerreise errichtet wurde,wird Megrunet Sidi Chciker-Hügcl genannt; der zweite,dessen Ausdehnung etwas kleiner und der an Höhe denersteren überragt, diente als auserschener Bauort für dasBeduinenschloß, welches seinem Aussehen gemäß derin strategischer Hinsicht bedeutendste Punkt ist; der drittebesteht aus einem riesigen Haufen röthlicher Töpfererde,auf dessen Gipfel einige große Felsblöcke ruhen, die inspäterer Zeit, durch die Einflüsse des Regens beeinträchtigt,zur Erdabrutschung beitragen werden. Von den Arabernwird dieser HügelTin Bon Zid" genannt. Die amFuße desselben befindliche Grabstätte wurde von einemhochverehrten Marabout (Priester des Islams) errichtet,und zur frommen Erinnerung an ihn erhielt der dritteHügel seinen Namen. Das Castell ist von einer dreiMeter hohen Mauer umgeben und befindet sich in nochhalbwegs gutem Zustande. Ein Theil seiner Ruinenbildet ein undurchdringbares Labyrinth, in welchem eseinem, in Folge der vielen unterirdischen Gänge undGewölbe, äußerst schwer fällt, sich zu orientiren. Dieseletzteren dienen gegenwärtig den Nomaden als Magazine.Der dort wohnende Schloßhütcr ist die einzige lebendePerson in diesen verödeten Hallen, und ihm ist derSchlüssel zu dem Schloßthore in Verwahrung übergeben.An der Hinterfront der Beste erhebt sich eine steile, vierMeter hohe Böschung, auf deren triangelförmigem Plateaudas von einer Ringmauer umgebene Fort erbaut ist.Der Aufstieg vom Schloß zum Fort besteht in mehreren,in Felsen gehauenen Tritten und befestigten eisernenKlammern, welche zur Sicherheit des Auf- und Abstiegesangebracht wurden. Auf dem Plateau befindet sich einealte, baufällige Moschee, an deren südlicher Mauerseitedie zur Erinnerung an die Expeditionen des GeneralsGallifet und Oberst Velin eingravirten Inschriften zulesen sind. Vom Fort aus genießt man in der Richtungnach West und Süd eine unbegrenzte Fernsicht. DieStadtEl-Golea" hatte, wie Ouargla , eine Glanzperiode.Riesige Datteln- und Palmen-Haine bedeckten das ganzeThal, bewässert von den vielen Cisternen und künstlichangelegten Wasserleitungen; es existirt noch eine davon,die Eigenthum des Si-el-Ala ist. Vier andere könntenohne besonders große Kosten hergestellt werden. In derNachbarschaft zu Hasst El-Bckai und zu Hasst Musesexistiren noch drei, die unter den Namen Fegaguir Ali