Ausgabe 
(28.9.1894) 79
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oder Attou bekannt sind. Die Oase erstreckt sich bisnach Onplin, woselbst es viele schöne Gärten hat.

Am 23. Djoumad el Abdul (23. Dezember 1661)langte der von Gourara kommende Reisende El-Aichi zuEl-Golea an. In seinen Reiseberichten drückte sich derkühne Forscher über die Lage und Beschaffenheit der Oasefolgendermaßen aus: ^

Wir reisten von Gourara ab; kaum hatten wirjedoch einige Wegstunden zurückgelegt, als sich uns derSamoum in seiner ganzen schrecklichen Gestalt zeigte.Die Leute der Karawane litten auf die schrecklichste Weise,denn wenn man nur einen Augenblick die Augen öffnete,so waren sie mit Sand gefüllt; trotz all dieser Unannehm-lichkeiten verloren wir nicht unsern Muth und erreichtenendlich, obwohl zu Tode ermattet, die uns rettende OaseEl-Golea. Dir Burg gleichen Namens ist auf einemGranitfelsen erbaut und bildet einen isolirtcn Hügel, des-gleichen hat es dortselbst viele Cisternen, deren Wasser sehrfrisch und gut ist. Auch fehlt es nicht an Dattelbäumenund Palmen, welche durch ihre schattenspendenden Aestewohlthuend bei der Hitze auf die Menschen einwirken undderen Früchte äußerst schmackhaft sind.

Die Stadt steht unter der Herrschaft des Sultansvon Ouargla , der dortselbst einen Amel (Gouverneur)eingesetzt hat. Letzterer ist ein Beduine, ohne Schuheund ooiüuro, angethan mit schmutziger Kleidung, ab-stoßende Umstände, die aber nicht verhindern, daß er sichtrotzdem von seinen Unterthanen Respekt zu verschaffenweiß."

El-Golea war bewohnt von dem Cheikh El HadjSid Abou Hass ben el Ouali es Salah Sid Abdel-Kader ben Mohamed ben Seliman ben Bon-Smahu,Marabout (geheiligter Araberpriester), der in diesem Land-striche unter dem abgekürzten Namen Sid Esch-Cheikhbekannt war und von seinen Unterthanen sehr respektirtwurde. Seine Nachkommen sind heute unter dem NamenBen-esch-Che!kh sowohl in den Gegenden des Tells, sowiein der Sahara bekannt.

Seit jenen Tagen nahm das Gedeihen der Oaseden Krebsschritt an. Die Chaamba-Mouadhi, welche diegegenwärtigen Schloß- und Gärtenbesitzer sind, wohnenbeinahe immer in ihren Zelten auf den großen Steppen,die sie als Nomaden durchstreifen, und nur in den heißestenSommermonaten, sowie gegen Beginn Oktobers haltensie sich in den kühlen Schloßräumcn vorübergehend auf,um gleich darauf wieder ihr uustätes Leben weiterzuführen.Die nur in geringer Zahl existirende dauerhaft ansässigeBevölkerung besteht aus einigen Familien der Zenata,Abkömmlinge von Gourara und weniger vom Sklaven-joche befreiter Neger, deren Zustand äußerst miserabel ist.Am Fuße des Schloßhügcls befinden sich einige vonden dauerhaft niedergelassenen Arabern bewohnte Stein-baracken und mehrere Gubbas (Art Kapelle mit 4 regel-recht aufgeführten Mauern und einer Kuppel, deren Spitzeein Halbmond ziert; die Außenseiten sind mit Kalkgetüncht, und die kleine Eingangspforte befindet sich gegenSonnenaufgang), die zur Erinnerung der Ouled SidiCheikhs errichtet wurden.

Die Chaamba gehören der Araber-Nasse ver-schiedener Abstammung an. Sie bilden drei unterden Nomaden verschiedene Gruppen mit diversen Namens-bezeichuungen, die auf ihre Abstammung zurückführen.Nämlich: 1. die Chaamba Bon Nouba oder Chaambavon Ouargla ; 2. die Chaamba Berezga oder Chaamba

von Metlili; 3. die Chaamba von El-Golea oderChaamba Mouadhi, von den Touareg auch Cherenbaouan Taorit genannt. Die Letzteren stammen von denOuled Madi von Bouzadi und von den Ouled Zidvon Biskra ab und zertheilen sich wieder in fünf Tradi-tionen von ziemlich gleicher Stärke: die Ouled Nrcho,Zweiglinie, zu welcher die begütertsten und einflußreich-sten Familien zählen; die Ouled Zid, Mouadhi, OuledFeredj und Ouled Sidi El Hadj Uahia, welch letztereim Wege der Adoptirung zu Lehen erhobene Maraboutder Ouled Sidi Cheiks und Abkömmlinge der OuledUahia wurden und gegenwärtig Beria bewohnen; sowiedie dauerhaften Wohnsitz habenden, genannt Zenata, imGanzen mit einer Anzahl von 1500 Einwohnern. DieMouadhi, ein von den anderen Arabern sich isolirendesTribü, bewahren heute noch sehr primitive Sitten undsind sehr intim mit den Gourara, den Touat und denTidikclt. Den Kindern derselben wird schon in derfrühesten Jugend eingeschärft, alle Koumi (Christen) zuhassen und für den Erhalt ihrer Freiheit zu jederStunde bereit sich zu halten, ihr Leben zu lassen. DiesesTribü, wie schon bereits bemerkt, nimmt jedoch nur beider heißesten Saison Besitz von Schloß El-Golea. Nachdem Pflücken der Datteln, von denen die Oase ungefähr6000 Palmen besitzt, und Abführung der noch anderendiversen Früchte in die Schloßkeller, zerstreuen sie sichin der ungeheuren Wüste Sahara , woselbst sie von derGazellen- und Mouflon- (Art Hirschkuh) Jagd, sowievon Kameel-Milch sich ernähren. Dieses zwar rauhe,jedoch unabhängige Leben würden die Mouadhi unterkeinem Umstände, selbst mit den noch so gut situirtcnBürgern oder anderen Nomaden Nord-Algeriens , ver-tauschen.

Von frühester Kindheit an alle Mäugel, Ent-behrungen und Strapazen gewöhnt, nahm, im be-ständigen Kampfe mit den Elementen, der Mouadhi-Araber einen unabhängigen, harten, wilden Charakteran, der beim Zusammentreffen mit ihm einen gewissenbeängstigenden Eindruck hervorbringt. Als unermüdlicheReiter besitzen sie bewundernswerthe Mahara (Drome-dare), mit welchen sie Proben von unübertreffbarerSchnelligkeit und Ausdauer ablegen. Hievon nur einBeispiel von Chaamba Bou Haus ben Haodh. Der-selbe befand sich auf Besuch bei einem seiner Freundezu KSar-El-Arab (in Salah), als er erfuhr, daß sichein Wüstcnprediger vorbeigehend zu Fares Oum El-Lil,75 Kilometer von Ksar-El-Arab, aufhielt. Nach dieservernommenen Nachricht sattelte er sofort seinen Mahariund ritt an einem Freitag gegen 10 Uhr vormittagsab; noch am selben Abende stieß er auf die ihm alsWüstensohn nur zu bekannten Spuren eines als Schnell-läufer dressirten Kameels, das kein anderes als das desPredigers sein konnte; allein die Fußspuren wichenvon der erst angegebenen Richtung ab und dirigirtcnsick gegen El-Golea, woselbst er Dinstag morgensankam.

Somit legte er in 96 Stunden eine Strecke von475 Kilometern mit ein und demselben Dromedar zurück.Ich glaube, daß bis heute nicht viele derartige Ritteunter den angeführten Umständen ausgeführt wurdenund dieser wohl der einzige in seinem Genre gewesensein mag. Als vorzüglicher Schütze ernährt der Mouadhiseine Familie von Gazellen- und Mouflon-Flcisch. AlsFührer leistet er Staunenswerthes, denn er kennt alle