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Pfade und Saumwege und weiß sich gut zurechtzufindenin dem immensen Labyrinthe des Erg. Als abenteuer-lustiger Plünderer wird er von seinen Nachbarn stetsmit Argus-Augen beobachtet.
Das ungeheuer große, von den Mouadhi in Kreuzund Quer durchzogene Terrain hat als seine Grenzen:im Süd und im Südostcn die Contreforts des Tad-mit gegen Maader, im Südwester! und Westen deninneren Theil jenes Plateaus, welches in seiner Er-hebung gegen Süden die von den Arabern so genannteGebirgskette Bas-Tadmit bildet, den oberen Lauf desOued (Fluß) Mcguiden, gegen Erg Sedra, und dennördlichen Theil gegen Hasst bou Zid des großen Erg,im Norden und Nordwcsteu endlich den Theil derChcbka, im Süden Hassi Tscmed, den Oued Zergounzu Onm el Hadaj, und von diesem Punkt in geraderRichtung folgend gegen den Oued Segguer, indem mandiesem in einem Drittel seines Laufes folgt bis Koridel Thahal, woselbst der Scgguercr Fluß in den unge-heueren Sand-Dünen des großen Erg spurlos versiegt.Dieses sind die Grenzen, welche die Nettesten des Tribüsbezeichnen. Ein Blick auf eine gute Karte kann einem dieleichtere Orientirung verschaffen, daß das kleine Tribüder Chaamba Mouadhi ganz abgeschlossen von derAußenwelt in diesem ungeheueren, wenig bewohntenWüstendistricte ist. Obwohl von vielen täglichen Ge-fahren umstellt, entsetzt sich der Mouadhi doch dieserEventualität halber nicht und läßt zur größeren Sicher-heit in den Magazinen des Beduinen-Schlosses El-Goleaalle seine Reichthümer, in Datteln, Getreide, Wolle,Fellen u. s. w. bestehend, zurück. Er führt nur die zuseinem Unterhalte nothwendigsten Gegenstände mit sichund bleibt in der Wüste des Erg während voller 8 Monate.
Vergangenen Jahres wurden von französischerSeite eifrige Nachforschungen in Betreff der Bodenver-hältnisse in El-Golea angestellt. Von den Bewohnerndes Landes erhielt man die sich als wahr bestätigendeNachricht, daß vor circa 100 Jahren artesische Quellenexistirten. Die angestellten Versuche ergaben das Re-sultat, daß an drei verschiedenen Stellen bei einerGrabung zwischen 17 bis 45 Metern Tiefe man aufein Wasserbecken stößt. Allerdings ist es nöthig, eineFelsenschicht in der Dicke von zwei Metern Durchmesserzu sprengen, wodurch dann das größte Hinderniß be-seitigt wäre. In strategischer Hinsicht wäre El-Goleafür die französische Colonie Algerien^von großer militä-rischer Wichtigkeit, da es gleichsam der Communications-Mittelpunkt zwischen Algerien und dem Senegal ist.In hygienischer Beziehung ist El-Golea bedeutend ge-sünder als die Oase Ouargla , woselbst voriges Jahrein starkes Fort erbaut wurde, deren Klimaaber einem Europäer den Aufenthalt nicht länger alssechs Monate gestattet, in Folge des dort grassirendenFiebers und anderer epidemischer Krankheiten. Selbstder als Nomade lebende Araber flieht in den MonatenMai, Juni und Oktober diesen Fieber-Ort.
Sollte der von Seite des General-Gouverneursvon Algerien gemachte Vorschlag bei der Regierung An-klang finden, so wird in Bälde ein kleines Detachemcntvon eingeborenen Tirailleurs (Schützen) und Spahis(Cavallcrie) in El-Golea Garnison beziehen, und derVerfall des Beduinen-Schlosses El-Golea wird dannentweder beschleunigt oder aufgehalten werden.
Allerlei.
Elementarereignisse zur Zeit Heinrichs deSLöwen und Kaiser Barbarossa's . Darüber sagt AbelSChronik von Halberstadt : „Der Theuerung und Pest nichtzu gedenken, die schon 1150/51 g'rasfirte, so hat 1157/58Sturm und Ungewitter sammt Platzregen großen Schadengethan. 1163/64 sind die Flüsse und Seen übergelaufenund haben Vieh, Menschen, Häuser und Kirchen wegge-führt, der Hagel hat an vielen Orten die Früchte sehrbeschädiget. Anno 1166 ist wieder ein sehr nasser Sommergewesen, wodurch Theuerung und Sterben bei Menschenund Vieh verursacht wurde, ja 1167/68 soll die Pest inWelsch- und Deutschland gewüthet haben. Anno 1170war eine solche Hitze, daß die Erde gleichsam in Staubverwandelt wurde, der eine Seuche folgte, die 1172 nochanhielt; 1173 war die Hitze wieder so groß, daß fetteTorferde sich entzündete und man kaum den Samen ern-tete, worauf ein stinkender Nebel viele Krankheiten her-vorbrachte. Anno 1174 war der Sommer kalt undstürmisch, der Herbst allzu naß. 1177 war der Wintersehr kalt, der Sommer heiß, der Herbst naß. 1179war der Winter sehr hart und langwierig, so daß dieBäume erst im Juni zu blühen anfingen. Den 22.Juli ist ein gräulicher Hagelschlag mit gewaltigem Sturmgewesen, wobei Feld- und Eartcnfrüchte viel gelittenhaben."
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Mana-<Lomdes.
„Leos mster iaa!"
»Siehe da deine Muitcrl*
Sei mir gegrüßt, du heil'ge Guadenstätte!
Wo einst dem armen Kind der Pyrenäen Die Reinste sich gezeigt im StvrmeZweben,
Nun schaarcn Völker da sich um die Wette!
Mit jedem Tage wächst der Heilen Kette!
Wir schau'» erstaunt des Evangeliums Wunder,
Für Manchen wohl der Gnade letzten Zunder,
Daß er in sich geh' und die Seele rette!
Die Mutter, die noch nie ein Kind verstoßen,
Hier hat sie, wandelnd Eva's Fluch in Segen,
Ihr Füllhorn der Erbarmung ausgegasten.
O Frankreich! Hör' sie Buße dir verkündenUnd kehr' zurück von gottvcrlor'nen Wegen:
Die Liebe*) deckt die Große deiner Sünden!
Traunstein (Overbayern), 22. Sept. 1894.
K. Wasucr» Bft.
*1 In werkthätiger christlicher Liebe (earitas) leuchtet be-kanntlich Frankreich allen anderen Ländern voran. D. O.
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BuchstabeurSthsel.
Am höchsten schätzt man mich,
Und auf dem Tisch werd' ichDir stets willkommen sein-Mit einem ZwillingspaarIn rechter Art verbündet,
Bin ich ein König «ar,
Dm dir die Bibel kündet.
Auflösung des Bilder-Räthsels in Nr. 79:
Ein gutes Wort findet eine gute Statt.
--EZS--