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ihren Beichtzetlel brachte, denn er forderte sie auf, läng-stens an Jakobi die evangelische Herrschaft zu verlassen.Die Magd kehrte sich jedoch nicht daran, nachdem ihr derHelfer Schnaderbeck am Dom, dessen Rath sie einholte,gesagt hatte, sie solle auf sein Wort hin nur bleiben. Da-bei beruhigte sich der chuifürstliche Neligionsagent nicht,er trat mit dem Landrichter Mändl in Landrberg überden hochbedenklichen oaous in Correspondcnz und muhtesich der Unterstützung des Amtsbürgermeisters Jakob Wilh.Benedikt von Langenmantel-Westheim zu versichern.
Am Annatag (26. Juli) spät Abends lud der Amts-diener Felix Seyfried auf anderen Morgen 7 Uhr dieJordan auf das Bürgermeisteramt, und da sie sich durchdie Samstags-Arbeiten etwas verspätete, kam um halb8 Uhr der Diener abermals und nahm sie „Knall undFall, ohne daß sie das weiße Brusttüchlein noch umbinden
Herren Stndipfleger, Bürgermeister und Räthe, Gnädigund Hochgebietende, Großgünstig und Hochgeehrteste Herren"eine de- und wehmüthige Schutzklage ein, worin sie un-verhohlen den Verdacht ausspricht, hinter der Geschichtestecke nur der Burggraf von Behr, obwohl die Jordan„ein getreuer, gottesfürchtiger und nützlicher Ehehalt, so-wie eine eifrige katholische Christin von jeher gewesen,was hundert Personen bezeugen können", und wenn sienicht bald zurückkehre, so erleide ihre Buchdruckersprofes-sion einen schweren Schaden. „denn das Mensch habedurch Collationiren, Richten der Bogen und Anderes mit-geholfen, was eine fremde Magd nicht so leicht lerne".Außerdem gelang den Bemühungen der rührigen Frau,daß Helfer Schnaderbeck bei dem Pfarrer in Landsberg für Jordan sich verwendete, doch lautete die Antwort nichtgünstig. Er schrieb: „Der Landrichter rnalirv sich nicht
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Aulenried. (Schloß.)
Original-Aufnahme von Gustav Baader, Photograph in Krumbach. fVervielsäliigungsrecht vorbehalten.)
durfte", mit sich fort. Stunde auf Stunde verrann, undFrau Lotter, welche nicht früher den Laden verlassenkonnte, schickte sich eben an, einen Nachbar zu ersuchen,nach dem Verbleiben der Magd zu schauen, da trat dieSchlossersfrau Volk mit der seltsamen Nachricht in dieStube, es sei ihr vor dem Vogelthor eine Kutsche be-gegnet, aus welcher sie den Hülferuf der Katharin deut-lich gehört habe; zu sehen sei aber nichts gewesen, weilder Wagen schnell gegen das rothe Thor davonfuhr. Dieganze Vorstadt gerieth über diesen gchcimnißvollen Vor-gang in Aufregung, denn bei der allgemein bekanntentadellosen Ausführung der Jordan dachte Niemand aneine Verschuldung ihrerseits.
Rasch entschlossen reichte die Wittwe Lotter mit ihrenbeiden Beiständen schon am 29. „an die Wohlgeborene,Hoch- und Wohledelgeborene, Hochedle, Gestrenge, Edle,Beste, Wohlehienveste, Fürsichtige, Hoch- und Wahlweise
in die Sache, habe der Magistrat viel angefangen, somöge er auch viel ausmachen, und auf dem Rathhausesei er hart angelassen worden, „man könne das Menschnicht losgeben, bis die Beschuldigung, als ob sie unterzwölf Weibspersonen, so evangelisch werden wollten, dieRäthelsführerin gewesen, bewießen sei"." Diese Anklagebezeichnete Frau Lotter als „grundfalsch".
Während der Monate August und September warteteman auf dem oberen Graben vergeblich auf eine Raths-Entschließung und auf die Rückkehr der Entführten, daherum so freudiger Frau Lotter überrascht wurde, als am1. Oktober die Katharin sie begrüßte. Sogleich am nächstenTage ging sie mit ihr zu dem Amtsbürgermeister JohannElias Leopold Herwart, der zur Hülfe sich erbötig erklärthatte, und die Magd mußte ihm das Erlebte erzählen,was er zu Protokoll nahm. (Schluß folgt.)
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