Ausgabe 
(2.10.1894) 80
Seite
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Autenried.

(Mit Illustrationen.)

Da, wo sich die westlich von Jchenhausen gelegeneFeldebene zu den nördlichen Ausläufern des großenNoggenburger Waldes etwas hinabsenkt, liegt am Wald-rande einsam das Dorf Autenried mit seinem stattlichenfreiherrlich v. Reck'schen Schlosse. In den Tagen desMittelalters war es nicht so einsam hier wie heute. Diegroße Landstraße von Augsburg über Agawang, Jettingen,Jchenhausen führte durch Autenried nach Ulm , und diealten Ortsherren, die Ritter von Bühl , besaßen hier denStraßenzoll. Der lebhafte Straßenverkehr ließ den Ortschon frühe entstehen.

Der alte NameUten-ried" sagt uns, daß eraus der Waldausrodungeines Uto (Otto) entstan-den sei. Wie so vieleOrte der Gegend, gehörteauch Utenried den Bi-schöfen von Augsburg ,von welchen es ritterlicheDienstleute zu Lehen trugen, die sich von Uten-ried schrieben und biszum Anfang des fünf-zehnten JahrhundertsBurg und Dorf besaßen.

Als diese alten Rittervon Utenried starben oderverdarben, kamen dieRitter von Noth, die aufBühl saßen und deßhalbauch den ZunamendieBühler" führten, in denBesitz von Utenried. ImJahre 1430 besaßen dieRitter Heinrich und HansVon Bühl den Ort, undzwar jeder dieHälfte des-selbensammt aller Zu-gehör mitdemZoll".Unterdiesen Rittern erhieltAutenried, bisher eineFiliale der großenPfarreiGünzburg , einen eigenenPfarrer. Im Jahre 1464stifteten die Ritter vonBühl in der Kirche zuAutenried mit 6 JmmiRoggen, 6 Jmmi Haberund einem Garten einen eigenen Jahrtag, der nochim Jahre 1631 mit mehreren hl. Messen gehalten wurde.Ihre Nachkommen,die Gebrüder Wolf und Konrad vonBühl", verkauften im Jahre 1509 Autenried an den reich-begüterten Ritter Veit von Rechberg. Mit dem TodeAlbert Hermann von Nechberg's, der noch im Jahre 1570den Johann Hueber als Pfarrer von Autenried präsen-tirte, fiel im Jahre 1599 Autenried mit Schloß und Zollals bischöfl. Lehen dem Bischof anheim. Von da an unddurch die ganze Zeit deS Schwedenkrieges behielt BischofHeinrich V. von Augsburg das Rittergut Autenried mitAnhosen im unmittelbaren Besitz und setzte einen Pfleger

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Autenried.

Original-Ausnahme von G.Baader, Photograph

hin. Nach dem Schwedenkrieg im Jahre 1649 erhielt derkaiserliche Generalwachtmeister Johann Heinrich de Lapiöredas bischöfl. Lehengut Autenried. Daß die Schweden hierarg gehaust haben, zeigt ein noch im Original vorhan-dener Revers vom Jahre 1666, in welchem PfarrerMangart den Bezug des ganzen Zehent dem Gutsherrnde Lapiöre überließ, wogegen Letzterer sich verbindlichmachte, dem Pfarrer jährlich 30 Gulden Geld, freie Kostam herrschaftlichen Tische, dazu eineehrbare priesterlicheKutte" und ein Paar neue Schuhe zu geben. Heinrichde Lapiöre präsentirte sofort den Feldpater Gg. Koffnervon Jngolstadt als Pfarrer von Autenried, der jedochauf der in Folge des Krieges sehr mager gewordenen

Pfarrei nur zwei Jahreaushielt. Philipp Leopoldde Lopiöre, ein Sohn desJoh. Heinrich deLapiöre,wurde 1677 auf demWege nach Jchenhausenvon seinem BedientenNamens Krug ermordet.Die an der Unglücksflätteerbaute Kapelle heißtheute noch im Volksmundedie Lapiers-Kapelle. Joh.Heinrichs Enkel, PhilippFriedrich de Lapiere, ver-machte im Jahre 1685die Herrschaft Autenriedseiner Gattin Cäcilia vonVolmar, welche sich anJoseph Anton EusebtusFreiherrn von Haldenwieder verheirathete undihm so Autenried undAnhosen zubrachte.

JmJahre 1771 folgtedem Joseph Anton vonHalden im Besitz desGutes sein AdoptivsohnLeopold Freiherr v. Lasierv. Halden und da dieser1798 kinderlos starb, fielAutenried an Seitenver-wandie aus dem Ge-schlechte derer von Laß-berg, von welchen eS imJahre 1805 die BrüderJohann Michael undSebastian Freiherren vonNeck erkauften, derenNachkommen heute noch

im Besitze des Schloßgutes sind.

Die Pfarrkirche des Ortes ist dem hl. Stephanusgeweiht. Vom alten baufälligen Küchlein wurde 1708das Langhaus, 1709 der Chor abgebrochen und in denfolgenden Jahren ein Neubau vom Grunde aus aufge-führt. Bald nachdem der Bau vollendet war, wurde dieneue Kirche eine vielbesuchte Wallfahrtsstätte. In einemBerichte des Dekans Franz Böll von Neuburg an denbischöflichen Generalvikar am 22. September 1721 wirdüber die Entstehung der Wallfahrt u. A. berichtet, daßin einem bei Autenried gelegenen Wäldchen von einerFrau aus Weissenhorn ein hölzernes Kruzifix in der

(Pfarrkirche.)

in Krumbach . )BervieIfältigungSrecht vorbehalten.)