Ausgabe 
(2.10.1894) 80
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Höhlung eines Baumes aufgefunden wurde. Ein Gebetzu diesem Bilde bewirkte, daß das mit einem Bruche be-haftete Kind der Frau geheilt wurde. Auch eine Reihevon wunderbaren Heilungen anderer Krankheiten wurdebekannt, so daß alsbald viel gläubiges Volk zusammen-strömte. 1724 wurde das Wallsahrtsbild in die Pfarr-kirche Autenried überbracht, wo es sich heute noch befindet.Die Pfarrkirche selbst ziert heute ein stattlicher Thurm.Es wurde nämlich 1890 der baufällige Dachreiter abge-brochen und ein neuer Thurm nach dem Plane des da-maligen Kreisbau-Assessors Höfl (jetzt k. Bauamtmannin Kempten) mit einem Kostenaufwand von 13,000 M.gebaut, wozu Herr Hamm in Augsburg ein herrlichesGeläute mit den Tönen L, llio, H, Ois lieferte.

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Zu unseren Bildernvr. Morsch,

dessen Bild wir heute bringen, gehört zu den ersten Parlamen-tariern des Deutschen Reiches und Preußens. Rechtsanwalt Dr.Porsch, fürstbtschöflicher Conststorialrath in Breslau, ist geborenam 30. April 1853 zu Ratibor in Oberschlesien. Er besuchtedas katholische Gymnasium zu Glogau, die Universitäten Breslau, Berlin, Tübingen, Leipzig. Im Jahre 1874 wurde er Referendar,1876 ward er von der juristischen Fakultät Breslau zum Dr.zur. utr. auf Grund der Schrift:Die Bedeutung des Beweisesdurch Jndicien im geistlichen Gerichtsverfahren" (Breslau Adler-holz) promovirt. Im Jahre 1878 ward er Gerichisassessor, 1879Anwalt zunächst am Landgericht, dann am OberlandesgerichtBreslau. Seit 1881 ist er Stadtverordneter der Stadt Breslau, seit 1882 Mitglied des fürstbischöfl. Konsistoriums für Ehe- undDisciplinarsachen, seit 1884 Mitglied des preuß. Abg ordneten-hauses für Neurode-Glatz-Habelschwerdt. Im Reichstage vertrater durch mehrere Legislaturperioden hindurch Reickenbach-Neu-rode (Schlesien). Leider hat er für die letzte Militärvorlage ge-stimmt, was wir für einen Fehler halten, vr. Porsch hat deß-halb ein Reichstagsmandat nicht mehr angenommen. Allein daskann und darf nicht immer so bleiben, vr. Porsch wollte, sagenwir es rund heraus, seinen Fürstbischof decken, der für dieMilitärvorlage eingetreten war. Nachdem vr Levd,r und PrinzArenberg, die ebenfalls für die Militärvorlaze gestimmt, wiederin's Centrum eintreten konnten, muß auch vr. Porsch wiederder Weg geebnet werden. Er ist ein lauterer Charakter, eingrundgescheidter Mann, ein ganz ausgezeichneter, feiner, kennt-nißreicher, erfahrener und schlagfertiger Redner, den wir nichtentbehren können. Er gehörte zu Windthorst's tüchtigsten Schülernund ist berufen, im Verein mit Bachern, Fritzen, Gröber, Hitze,Schädler, Spähn und dem hoffentlich wieder in den Reichstagzurückkehrenden vr. Orterer das Centrum ruhmreich vorwärtszu führen zu neuen glänzenden Erfolgen für Kirche, Vaterland,Fürst und Volk.

Uor der Schenke.

Manöverzeit ist's Da ist es für den Soldaten eine Haupt-sache, immer mit dem richtigen Quantum Proviant versehen zusein, denn Hunger und Durst stellen sich zu solchen Zeiten beiihm rechtzeitig ein. Da sehen wir auf unserem Bilde den Pro-viantwagen, der soeben, geleitet von einem strammen Reikers-mann, vor der Schenke Halt gemacht. Die Hitze ist groß und derWeg nicht allzu gut. Da heißt es auch für die Thiere Sorgetragen. Die W rthsleute sind biedere Menschen, die dem Er-suchen, den Pferden Futter und Wasser zu geben, auch bereit-willigst nachkommen. Während der Soldat im Wagen gemüth-lich sein Pfeifchen schmaucht und zusteht, wie der Bauersmannden Pferden Haber in den Barren schüttet, weiß der Reiters-mann die kurze Rast zu benützen, der schmucken Maid, die seinenRappen tränkt, allerlei Schönes vorzuplaudern. Die beidenSöhne des Mars werden sich jedenfalls auch ein Mäßlein zugute thun, meinen wir wenigstens, oder sollte das bereits ge-schehen sein?

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Goldkörner.

Man gab Dir einen Rath! Hab' Acht von wem er kommt;

Oft räth der Eigennutz nur, was ihm selber frommt.

Pas Mägdlein schläft.

Das Mägdlein schläft; ihr Eltern, jammert nicht,Gönnt ihm die süße Ruh';

Aus Blumen blickt ein frtedevoll GesichtUnd spricht euch tröstlich zu:

Ein lieblich Loos ist mir beschicken,

Ich lieg' und schlafe ganz in Frieden;

Das Mägdlein schläft.

Das Mägdlein schläft; es hat sich müd' gespieltUnd hat sich satt gefreut;

Die Puppe, die es stolz im Aermchen hielt,

Sein liebes Sonntagskleid,

Sein Büchlein, d'ran es fromm gesessen,

Sein Reichthum all ist nun vergessen;

Das Mägdlein schläft.

Das Mägdlein schläft; sein Lebenstag war mildUnd leicht sein Erdenloos,

Ein Bächlein, das durch's blumige GefildIn klaren Wellen floß;

Kein Weh bat ihm durch's Herz geschnitten,

Der letzte Kampf war bald gestritten;

Das Mägdlein schläft.

Das Mägdlein schläft; wie selig schlief es einIn seines Hirten Arml

Noch war sein Herz vom G.ft der Sünde rein,

D'rum starb es ohne Harm.

Ein schuldlos Herz, ein gut Gewissen,

Das ist das beste Steibekissen;

Das Mägdlein schläft.

Das Mägdlein schläft; all Erdenweh und NothVerschläft's im sichei'n Zelt;

Weißt, Mutter, du, was Bitt'res ihm gedrohtIn dieser argen Wet?

Jetzt inag der rauhe Winter stürmen,

Der schwüle Sommer Wetter thürmen;

Das Mägdlein schläft.

Das Märdlein schläft; nur eine kurze NachtWrschläft's im Kämmerlein;

O wenn es einst vom Schlummer auserwacht,

Das wird ein Morgen sein!

Der eintrat in Jairus Kammer,

Der stillt dann auch euren Jammer;

Das Mägdlein schläft.

Das Mägdlem schläft; und nun den letzten KußAuf seinen bl ichen Mund;

O Mutterherz, so sei es denn, wcil's muß;

Gott, hilf durch diese Stund'!

Ihr Kinder, folgt im ChorgesangeDem Schwesterlein zum letz en Gange;

Das Mägdlein schläft.

D.s Mägdlein schläft; nun, Hirte, nimm's an's Herz,Es ist ja ewig dein;

Ihr Sterne, blicket freundlich niederwärtsUnd hütet sein Gebein;

Ihr Winde, weht mit leisem FlügelUm diesen blumem eichen Hügel,

Das Mägdlein schläft. Karl Gerok.

-S-88-Se-

Nicder-Rätysek.