Ausgabe 
(5.10.1894) 81
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daß seine Begleiterin nur seinen Verdacht erregen undihre eigenen Zwecke verfolgen wollte.

Melitta wollte seinen alten Onkel heirathenl DieserGedanke schien ihm fast lächerlich, unerhört; aber den-noch"

Darf ich wissen," fragte er sarkastisch,ob dieVerlobung zwischen ihm und Fräulein Melitta schoneine öffentliche ist? Sie scheinen doch so gut und genauin die Verhältnisse meines Onkels eingeweiht zu fein."

Oh, denken Sie nicht, daß es nur ein leeres Ge-schwätz ist; ich würde es Ihnen nicht gesagt haben, wennich es nicht mit Bestimmtheit wüßte. Wie konnte ichauch nur ahnen, daß Sie noch nichts davon gehörthatten; Sie sind doch so häufig dort und gehören zuden nächsten Verwandten, dies muß also eine ganz un-erwartete Nachricht sein.

Ganz recht. Die nächsten Verwandten sind oftdie letzten, die Familien-Neuigketten hören. BeantwortenSie mir aber meine erste Frage; ist die Verlobung schonöffentlich?"

Cecilte schlug verwirrt die Augen zu Boden; siewar zu wett gegangen und bereute ihre vorschnellenWorte.

Ich-ich habe noch nicht davon gehört,"

stammelte sie verlegen,wir hörten nur von der Ver-lobung und daß die Hochzeit bald folgen werde."

Ah! nun, es war mir wirklich eine interessanteNeuigkeit. Mag mein guter Onkel heirathen wann undwenn er will, er geht mir dann mit einem guten Bei-spiel voran.

Wollen Sie denn auch heirathen?"

Cecilie sah ihn bei diesen Worten mit herzgewin-nender Lieblichkeit an und lehnte sich fester auf seinenArm.

Wahrscheinlich!"

Oh, wie schade! gerade jetzt wenn das Regimentversetzt wird. Es muß entsetzlich hart für das Mädchensein, allein als Braut hier zurückzubleiben."

Für welches Mädchen?" fragte der Oberst erstaunt.

Natürlich für das glückliche Mädchen, daS Siezu heirathen gedenken. Weiß sie denn noch nichts vonder Versetzung des Regimentes?"

Die Dame, die ich mir als zukünftige Gattin aus-erkoren habe, wohnt gar nicht hier in der Stadt", er-wiederte er mit fester Entschiedenheit, und an dem eisigenTon seiner Stimme merkte Cecilie, daß auch für sie dieletzte Hoffnung geschwunden sei.

Aber er soll doch wenigstens Melitta nicht heirathen;das ist mir schon ein Trost," dachte sie bei sich selbst,dann erhob sie sich von ihrem Sitze und fugte laut hinzu:Lassen Sie uns zu der Gesellschaft zurückkehren: manwird uns vermissen."

(Schluß folgt.)

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Goldkörner.

So wie die Flamme des Lichtes, auch wenn umgewendet, nach

auswärts strebt,

Ebenso ringt das Gute, wenn auch vom Unglück tkf gebeugt,

doch immer empor.

Es sprechen, die da sind begraben,

Zum Greise also, wie zum Knaben:

Was Ihr da seid, das waren wir;

Was wir nun sind, das werdet Jhrl"

Eine Entführung aus Augsburg 1748.

(Schluß.)

Nachdem ich gab Jordan an mit dem Amts-diener vor des Herrn von Langenmantel Behausung, woeine Kutsche mit drei Pferden stand, gekommen war, riefman mich in die Schreibstube, und Seine Gnaden fragtenur, wie ich heiße. Ich nannte den Namen und bat ge-horsamst um Auskunft, was man mit mir vorhabe. DerHerr Bürgermeister entgegnete, er habe damit nichts zuschaffen, ich werde alles in Landsberg hören, wohin aufAnordnung des Landrichters ich jetzt gebracht werde.Darüber erschrak ich so sehr, daß ich nimmer weiß, wieich in die Kutsche kam und der Felix neben mir saß. Wirfuhren durch das Stefingerthor, und beim rothen Eisen-hammer (gegenüber dem Blatternwall) stieg der Amts-diener aus, und des Burggrafen Schreiber Aymont, miteiner Flinte bewaffnet, nahm seinen Platz ein. Ungeachtetder Fuhrmann die Pferde so antrieb, als wollte er sieumbringen, sah ich doch am Vogelthor die SchloffertnVolk, der ich rief:sag' sie's meiner Frau", aber derSchreiber hielt mir das Maul zu und drohte Feuer zugeben, wenn ich nochmals schreie. So kamen wir an denStadel" auf dem Lechfeld, und dort erwarteten uns dieLandsberger Schergen und einige Bauern mit Stecken,aber der Stadelwirth duldete nicht, daß sie auf ihrenKarren mich setzten, denn wir seien noch auf augsbur-gischer Jurisdiction. Der Schreiber führte mich deßhalban den Grenzstein, und ich mußte jetzt den Wagen be-steigen. Ein Fuß wurde an denselben gekettet, die Henkers-knechte hielten meine Arme, und wir fuhren ab; derSchreiber folgte uns in der Kutsche. Wie wir Landsberg erreichten, lief die halbe Stadt zusammen, um mich alsdie ärgste Verbrecherin zu sehen. Man legte mich in denThurm, und nach 8 Tagen sprach mich der Landrichterzum ersten Male an, indem er verlangte, ich solle ge-stehen, daß ich von meinem Glauben abfallen wolle undnoch 14 katholische Weiber dazu verleite, was ich jedochals eine schändliche Lüge erklärte. Nach einer Woche über-gab man mich dem Eisenvater, bei dem ich eingesperrtbis zum letzten September blieb. An diesem Tage kamich zum zweiten Mal vor den Landrichter, und nachdemich ihm die geforderten 18 fl. hinterlegt hatte, gab er mirdiese zwei Schreiben mit den Worten, ich könne jetzt fort-gehen, wohin ich wolle."

Das eine Schriftstück, aus dem churfürstlichen Hof-rathe an das Landgericht Landsberg gerichtet, lautete:

Max Joseph. Wir haben Deinen Weegen der beidem Dir gnädigst anvertrauten Landgericht iu xuueto8U8p6ota.6 f?6rv6i'8ioni8 (Verleitung) inhaftirten KatharinaJordanin 8ud äato 9. xra,68. 14. August abhin unter-thänigst erstatteten Bericht samt denen Beilagen empfangenund Uns hierüber im gesehenen Rath umständig xropo-niren lassen. Bevelchen Dir hierauf gndgst., die zur Ver-haft genommene Jordanin sogleich ohnentgeldltch des Ver-haffts zu entlaßen, doch aber derselben den Vortrag zumachen, daß sie sich längstens bis künftig Lichtmeß ineinen kath. Dienst begeben oder bei solchen ihre ander-wärtige Versorgung suchen solle, welches Dir dieselbe auchordentlich anzugeloben hat. Du aber wirst von solch Unsergndgsten. Resolution Unserm Religions Agenten in Augs-burg Nachricht geben, anbei auch die possierlichen Unkostenbehörigen Orts verrechnen. München , 20. Septb. 1748."

Das zweite Schreiben liquidirt die Auslagen desEdlen von Behr gurr Nel.-Agenten:

t-*-I