Ausgabe 
(5.10.1894) 81
Seite
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für den eigens abgeschickten NauäLlariuvaPhilipp Ignatz d'Aymont zwei Reisen undBemühungen 3 fl. kr.,

wobei demselben wegen glücklicher der SacheVerrichtung und Ausgang zu einem wei-teren äoussrir als zumalen einem armenConvertiten, welcher kaum mit seiner In-struktion der französischen Sprache einetägliche Kost vielmehr ein konsttss Kleidden Winter anschaffen kann 1 st. 30 kr.,

für dkk Fuhrmann Rauschmayer mit 3Pferden 4 fl. 30 kr.,für Amtsbemühung in tali easu extra-orclinario 3 fl. 50 kr.

12 fl. 50 kr.,

wozu noch die bürgermeisteramtlichen Gebühren zu schlagensind.«

Diese Akten übergab Bürgermeister Herwart am2. Oktober mit einem Anheimstellungsberichte, dessen hef-tige, unfreundlich collegialische Sprache befremdete.HeleneLottcrin schreibt er hat vor etlichen Monaten klag-bar angezeigt, welcher Gestalt ihre Dienstmagd unverhörtmit Gewalt zur Stadt hinaus entführt worden sei. Ausden Beilagen belieben Ew. Herrlichkeit und Großgünstigezu ersehen, wie es diesem Mensch ergangen ist. Das Kur-fürstlich bayerische Lorlxtum gibt selbst zu erkennen, daßsie blos in Verdacht gerathen, als ob sie zu der evangcl.Religion übertreten wollen. Ob aber dieses ein Verbrechengewest wäre, welchem zu begegnen man also hinterlistigund so äußerst gewaltthätig zu Werke gehen dürfe undwohin es in kurzem kommen werde, wenn ein solches nurden spanischen Jnguisitionsregeln gemäßes Verfahren er-laubt wäre, wodurch die allgemeinen Reichs- als hiesigeparitätische Grundgesetze gänzlich verachtet und schnöderWeise gebrochen werden, stelle ich Ew. Ew. anheim.«

Bürgermeister von Langenmantel, alsbald von demunterrichtet, was auf dem Nathhause gegen ihn sich vor-bereitete, beeilte sich jetzt, den Senats-Auftrag vom 30.Juli, über die Klage der Buchhändlerin Lotter sich zuäußern, zu erledigen, und er führte aus:Burggrafvon Behr besuchte mich am Annatag Abends und unterBerufung auf das mir vorgelegte Schreiben des Land-richters Josef Ignatz Mändl in Landsberg ging er michan, die hiesige Dienstmagd Jordanin, eine churbayerischeUnterthanin, morgen ob psrioulum in mors. nach Lands-berg führen zu lassen, maßen alle Anstalten dazu schongetroffen seien. Ich hatte demnach nicht so viel Zeit übrig,wegen eines äslioti die legale Erkundigung einzuziehen,sondern mußte, um nichts anstößiges gegen churfürstlicheNachbarschaft zu begehen, dem Antrage äekorirsn. Späterstellte sich allerdings heraus, daß Edler von Behr ver-möge seiner unbegründeten äsnunoiation wie den Land-richter, so auch mich schändlicherweis hintergangen hatte,und ich werde äata osoasions gar nicht ermangeln, dengespielten Betrug ihm empfindlich zu machen, aber die be-dauerlich rsgnirirte Ablieferung der Person kann mirnicht zur Last gelegt werden."

Die Freiheit hatte Katharina Jordan zwar erlangt,allein aus den spitzigen Reden der Leute blieb ihr nichtverborgen, daß ihrem guten Rufe ein Makel anklebe,sagte man ihr doch in's Gesicht:den Schimpf werde sieihrer Lebtag nimmer los«. Und die bösen Zungen machtensich auch an ihren Bräutigam, den katholischen Färber-meister Paul Heichele, der schon vor dem Unglück sie zurEhe begehrte, denn sein Zunftgenosse Kohlbauer warf ihm.

weil für das Handwerk schädlich, vor, wie er ein Menschheirathen möge, das unter den Schergen gestanden sei.So sahen die beiden Personen sich genöthigt, nochmalsden Rath um ein attssiutuoa ivnosontias (Unschulds-zeugniß) xsr Lsorstuva zu bitten und zugleich ihnen zumRückersatz der abgenommenen 18 fl. zu verhelfen.

Es mußte jetzt etwas geschehen, doch glaubten diehohen Herren, von einer Vernehmung aller Betheiligtennicht absehen zu sollen. Die bezügliche Anordnung desSenats vom 12. November vollzogen andern Tags dieBürgermeister Herwart und Zimmermann, ohne daß da-durch wesentlich Neues gewonnen wurde. BegreiflicherWeise bestritt Peter Ph. Jg. Karl d'Aymont aus Frei-bnrg in der Schweiz , Schreiber auf der bischöflichenKanzlei des Burggrafen , daß er der Jordan den Mundverstopft und sie geängstigt habe, er werde schießen, erhabe sogar das Anlegen der Schellen und Anschmiedenan den Wagen den Bütteln verwehrt, woran sie sich je-doch unter Berufung aus einen landgerichtlichen Befehlnicht kehrten, und schließlich fragte er spöttisch, ob manvon einem mit der Umgegend der Stadt nicht vertrautenManne erwarte, er wisse genau die bayerische Grenze.Dagegen verbreiteten die Angaben des Färbers Heicheleeiniges Licht über die durch den Burggrafen ohne Wissenseiner Vorgesetzten eingeleitete Verhaftung der Magd undüber die günstige Wendung des Prozesses in München .Als ich mich über das Schicksal meiner Verlobten beidem Herrn von Behr erkundigte, sagte Heicheleso zankte er mich wie einen Buben, was ich mir nichtgefallen lassen konnte. Ich beschwerte mich deßhalb beiSeiner Gnaden dem Herrn Kanzleipräsidenten und Dom-eapiiular Baron von Bettendorf, der ihm in meiner Ge-genwart wegen verübter Ungerechtigkeit einen derben Ver-weis gab und noch sagte, er hätte gute Lust, ihn garabzusetzen. Dann rieth er mir, eine Bittschrift an denKurfürstlichen Hofrath aufsetzen zu lassen und dieselbeihm zu bringen, er wolle sie mit einem guten Wort nachMünchen schicken.«

Daß diese Verwendung von gutem Erfolge sein werde,war vorauszusehen, dennLi-anoiLeusllokarmssVVrllisImuglidsr Laro äs Lsttsnäori war nicht nur OanoniousOaxitularig, sondern auch Lsrsnissimi Lleotoris La-varias Oonsiliarius Intimus aotualis Oonsilii Lo-olssiastioi Lraesss, und als solchem mußte die thörichteHandlung des ihm unterstellten Religions - Agenten fürSeine Churfürstliche Durchlaucht von Bayern sehr un-angenehm gewesen sein.

Gleichzeitig kam das Protokoll und eine geharnischte,für die Unabhängigkeit der Reichsstadt nicht schmeichelhafteProtestation des Herrn von Langenmantel zu Handen desMagistrats. Der in seiner Ehre gekränkt sich fühlendePatrizier gab seinem Unmuthe ungeschminkten Ausdruck.Obgleich ich noch ohne Oeoretuua ö saucsllaria bin,so höre ich, daß meine amtliche Thätigkeit mit einerspanischen Inquisition olauäioants similituäius verglichenwerde. Wenn mich eine fünfjährige Amtsführung voreinem so unerhörten Vorwurf nicht schützt, so begreife ichauch die gegen mich getroffene, unlängst beliebte Maß-regel, daß ich vor der Abstimmung abzutreten hatte. Aberich beharre darauf, nicht das Geschwätz des Burggrafen ,sondern die in Form Rechtens gestellte Requisition desLandrichters veranlaßte meine angefochtene Handlung undich frage, wenn Churbayern seine Unterthanen auch ohnevorhergegangenes Lslivb simxliviter zurückberuft und