Ausgabe 
(5.10.1894) 81
Seite
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ihre Lxtraäition beansprucht, ob Augsburg im Standewäre, dagegen zu sein? Würden daher die HerwartschenimxutatiL nicht zurückgewiesen, so bin ich neaessitirt salvancka st tuonäa zürn kartis oatstolieas miteben demjenigen Eifer bet Gelegenheit zu verfahren, mitwelchem auf der anderen Seite bei bekannten Vorgängenohne Rücksicht auf die hiesige paritätische Verfassung derAnfang und die Bahn gemacht worden ist. Entschiedenverwahre ich mich dahero durch die Unbesonnenheit desEdlen von Behr oder wegen der Brutalität dessen be-soldeten Subjectes in eine schiefe Lage gerückt zu werden."

Besänftigend wirkte die Erklärung des BürgermeistersHerwart, es sei von ihm nicht beabsichtigt gewesen, denHerrn von Langenmantel zu beleidigen, dessen sehr rühm-liche Eigenschaften er hochachte und dessen Freundschaftihm allzeit höchst schätzbar gewesen. Demungeochtet ver-mochten die Nathsconsulenten ihr Gutachten in keinemüdere Form zu kleiden.Es mußtesetzten sie voraus dem Bürgermeister der blinde Neligionseifer und diezu übereilten Urtheilen geneigte Gemüthsart des Burg-grafen bekannt sein, daher das Mißfallen über den Amts-mißbrauch sowohl in Ansehung der gehinderten freienReligionsänderung, als fürnehmlich in Betracht der ver-fügten Auslieferung, ohne darüber bei dem Magistrateanzufragen, sich nicht unterdrücken lasse."

Endlich am 19. Dezember 1748 erging in8snatndas vaoretum: 1. Dem Herrn Bürgermeister v. Langen-mantel das Mißfallen, wie beantragt worden, auszu-sprechen. 2. Der Katharina Jordan, nunmehr» verehelichtenHeichelin, nicht nur von gemeiner Stadtkanzlei ein öffent-liches aitestatum iimooovtias bei ihrer kündbaren Un-schuld ertheilen, sondern auch inseriren zu lassen, daß ihrniemand, wer er auch sein möge, bei 10 Nthl. Strafkeinen Vorwurf mache, sondern sie aller Orten und Endenals eine unverleumnudete ehrliche Person angesehen undgeachtet werde. 3. Wegen der ihr in Landsberg abge-nommenen 18 st. wird K. Jordan alias Heichelin an dendortigen Landrichter und an den Burggrafen von Behrverwiesen, und Letzterer soll durch das Bürgermeisteramt,das er so schändlich hintergangcn, dazu angehalten werden.4. Wegen des rc. Behr in dieser ganzen Sache bewießenenSchäbigen und friedensstörischen Ausführung, auch übrigenintoleranten Betragens sowohl an den durchlauchtigenChurfürsten von Bayern , als auch an Seine Hochfürst-liche Gnaden den Bischof Joseph in Augsburg ein nach-drückliches Beschwerungsschreiben zu erlaßen und bei demHofrath in München höchsten Orts um Abschaffung desrc. Behr von der Neligious-Agentie unterthünigstes An-suchen zu stellen. 5. Dem Schreiber Aymont die unver-antwortliche Violation des allhiesigen tsrritorii zu ver-weisen und 2 Tage lang in das Gewölble ihn zu legen.

Mit der bürgermeisteramtlichen Anzeige vom 6. Jan.1749, daß der am Perlach ergriffene renitente Aymontdie Strafe abgesessen habe, schließen die Akten.

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DeS Himmels Walten.

Erzählt von M. Dursch.

lNachLrm! verbot!».)

Die Winternacht zog herauf, stürmisch und kalt.Noch immer wogten die schweren, feuchten Schleier vomHimmel, noch immer senkten sich die weißen Flocken laut-los zur Erde. Sie schienen nicht eher ruhen zu wollen,als bis sie dem einsamen Reiter und seinem Rosse ein

weiches lindes Grab bereitet hätten. Jeder Pfad war ver-schneit, jeder Weg verdeckt von flimmerndem Schnee. Selbstdie Landstraße verlor sich spurlos in der weiten, weißenEbene.

Verzweifelt spähte der Reiter durch die Nacht: da.tauchte plötzlich dicht vor ihm ein schimmerndes Licht auf.Durch das Fenster einer Schenke strahlend, winkte estraulich zur Einkehr. Der Reiter stieg vom Rosse undpochte kräftig an das verschlossene Thor. WüthendesHundegebell ertönte, dann kamen schlürfende Schritte,Schlüssel knarrten und das Thor wurde vorsichtig geöffnet.Ein großer, weißbärtiger Mann erschien; er hielt eineLaterne, deren Schein in breiten Strahlen auf den Schneeder Landstraße und die wirbelnden Flocken fiel. Mürrischfragte er nach dem Begehren des Fremden.Ein kräftigerImbiß," war die Antwort,und ein warmes Lager fürWich und meinen Gaul das ist Alles, um was ichEuch bitte." Der weißbärtige Alte schien zu überlegen;prüfend erhob er die Laterne und leuchtete dem Ankömm-ling in's Gesicht. Dann forderte er ihn auf, ihm zufolgen, und ging voraus in die Schenkstube. Hier lagenauf dicken, kostbaren Teppichen zwei jüngere Männer, durchdie auffallende Ähnlichkeit ihrer Gesichtsbildung mit derdes Wirthes sofort als seine Söhne erkennbar. Sie be-grüßten zwar den Gast zuvorkommend und höflich, aberihr Benehmen hatte etwas Unerklärliches, Verstecktes ansich, und in ihren Augen lag derselbe lauernde Ausdruckwie in denen des Alten. Der Fremde war unangenehmberührt von dieser Beobachtung, und er hatte das Gefühl,die Drei könnten, ohne sich zu besinnen, ihrem Neben-menschen das Lebenslicht ausblasen. Sonderbar erschienes ihm auch, daß in einer gewöhnlichen Schenke so kost-bare Teppiche vorhanden waren.

Allein er befreite sich rasch von seinen wie ermeinte grundlosen Befürchtungen. Er ließ sich vomWirthe den nassen Mantel abnehmen und setzte sich indie behagliche Wärme des OfenS. Bald wurde Wein,Schinken und Hausbrod aufgetragen, und der Gast ließsich Alles vortrefflich munden. Inzwischen führte derWirth das Roß in den Stall und fütterte es; Zaumund Sattelzeug aber hängte er in der Stube auf. Dannnahm er mit heuchlerischer Freundlichkeit bei seinem GastePlatz, um von Diesem und Jenem zu plaudern.Ihrseid gewiß ein Kaufherr," fragte er im Laufe des Ge-spräches,und wollt den Jahrmarkt in der nahen Stadtbesuchen?" Der Angeredete nickte.Ader wie gefährlichist es doch, so allein, ohne Begleiter, durch Nacht undNebel zu ziehen! Wie leicht könntet Ihr des vielen Geldesberaubt werden," meinte der Wirth. Dabei blinzelte erverstohlen auf den gefüllten Ledergurt des Kaufherrn. Lächelnd entgegnete dieser:Gegen eine solche Gefahrbin ich hinreichend geschützt. Ein Paar kräftige Fäuste,ein gutes Roß und eine ausgezeichnete Pistole, das sindsichere Helfer, die mir schon manchen Dienst erwiesen."Zufällig sah er dabei von der Mahlzeit empor und be-merkte, wie der Alte mit einem seltsamen Blick die Auf-merksamkeit seiner Söhne auf den Geldgurt lenkte undwie ein leises Kopfnicken die Erwiderung war. Von neuemerwachte sein Argwohn, und ein fürchterlicher Gedankedurchzuckte sein Gehirn. Unwillkürlich griff er nach seinerPistole, aber rasch überlegend ließ er sie stecken und that,als ob er von Allem nichts bemerkt hätte. Der Wirthgeleitete ihn auf sein Zimmer, das eine Stiege höher lagund nur ein einziges Fenster nach dem Hofe besaß. Er