Ausgabe 
(12.10.1894) 83
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keine weiteren vorhanden) waren dnrch die Fluth- undEbbcverhältnisse der Nordsee bedingt, um den Wasser-spiegel im Kanal immer auf gleicher Höhe zu erhalten,und in zweiter Linie, um Strömungen im Kanal zuverhüten. Wären die Schleusen nicht vorhanden, sowürde stellenweise bei Fluthzeit der Nordsee das an-liegende, niedrige Gelände des Kanals überschwemmtwerden, und durch den Wechsel von Fluth und Ebbewürden im Kanal so starke Strömungen entstehen, daß diedurchführenden Schiffe entweder ihrem Steuer nicht mehrgehorchten, oder aber sie würden die Strömung nichtüberwinden können.

Bei Grünenthal und Levcnsau führt über den Kanalje eine Hochbrücke für Eisenbahn - und Wagenverkchrbezw. Fußgänger. Die Brücken haben eine Spannweitevon 156,5 m und liegen 42 ra über dem Wasserspiegel.

Eisenbahndrehbrückeu befinden sich bei Kudensee,Rendsburg und Altwittenbek, Straßendrchbrücken, alsofür Fuhrwerk rc., bei Rendsburg und Holtcnau (werdennoch gebaut). Dann vermitteln außerdem noch 16 Fährenden Kleinverkehr über dem Kanal bei Ostermoor, Burg,Hochdonn , Hohenhörn, Klein-Bornholf, Groß-Bornholf,Fischerhütte, Oldenbüttel, Breiholz, Schülp, Audorf ,Schestedt, Königshörde, Landwehr und Levcnsau.

Es sind Kanalschleppdampfer vorgesehen, zum Theilauch schon vorhanden, die mit starken Maschinen undelektrischen Scheinwerfern versehen sind, um Scgelfahr-zeuge bei Windstille oder ungünstigem Winde hindurchzu schleppen und um Nachts bei dieser Gelegenheit auchden Kanal vorweg zu erleuchten, damit keine Zusammen-stöße und sonstige Unfälle vorkommen, und um auch Nachtsden Schiffsverkehr aufrecht zu erhalten. Der ganze Kanalwird electrisch beleuchtet, und zwar von Holtenau bisRendsburg von Holtenau und von Brunsbüttelhafen bisRendsburg von Brunsbüttelhafen aus. In den SeenKudensee, Mechelsee, Saatsee, Andorfersee, Schirnauersee,die der Kanal durchschneidet, wird das Fahrwasser durchschwimmende, verankerte Gasölbojen markirt.

Der Abschluß resp. der Anfang des Kanals an derOstküste wird durch die Schlenscnanlage von Holtenau bei Kiel gebildet. Die besteht aus 3 parallel nebeneinander liegenden Malierpfeilern von 217 ru Länge, diein einer Entfernung von 25 na zu einander liegen, undzwei Durchfahrten zwischen sich einschließen. Die nutz-bare Länge der Schleusen zwischen den äußern undinnern Fluththoreu, oder umgekehrt zwischen den innernund äußern Ebbethoreu beträgt 150 m d. h. ein Schiff,welches in der Länge nicht mehr als 150 m mißt, kanunoch durchgeschleust werden. Da aber die größten Ocean-dampfer die Länge von 150m noch nicht erreichen, sodürften die Schleusen wohl allen an sie gestellten An-sprüchen genügen. Vorn Hafen rechts liegend befindetsich die Einfahrt in den Kanal, die nebenliegende istdie Ausfahrt aus demselben in die Ostsee . Die nor-male Wasserhöhe in den Durchfahrten beträgt 9,5 m.Jede Durchfahrt ist durch 6 Paar Doppelthore absperr-bar; von diesen bilden am Außenende der Schleuse, alsodem Hafen zugekehrten, die Fluththore, die Außenthore,sogenannte Ständerthore; hinter diesen liegen die Ebbe-thore oder Niegelthore. In 75 m Entfernung von diesenliegen die sogenannten Sperrthore (auch zwei Paar hinter-einander) und 75 m von diesen entfernt endlich liegenzwei paar Doppelthore, die Jnnenthore, die den Kanalvon der Schleuse absperren. Von den sämmtlichen zwölf

Doppelthoren heißen nun diejenigen, welche, wenn siegeschlossen sind, dem Hafen zugekehrt sind Fluth-, dieandern entgegengesetzt, also nach dem Kanal zeigenden,die Ebbethore,

Die Schleusentore sind aus gewalztem Flußeisenhergestellt, die Spurzapfen, Hnlszapfen, Halslager undHalsbänder derselben dagegen aus Flußstahl, da dieseTheile eine besonders große Haltbarkeit haben müssen.Der wasserdichte Abschluß der Thorflügel an denSchleusen-mauern (Pfeilern) und der Thorflüge! aneinander in derMitte ist durch eichene Dichtungsleisten hergestellt.

Jeder Fluththorflügel ist 13 m hoch, 14 m breitund 1,3 m dick und hat ein Gewicht von 100 Tonnenoder 2000 Ctr. Jedes Ebbethor dagegen wiegt 90 Tonnen 1800 Ctr., da diese Thore nicht so stark construirtsind, des geringen Druckes wegen, den sie auszuhaltenhaben, und auch nicht so hoch sind, als die Fluththore.Das Gesammtgewicht sämmtlicher Thore, welche von derActiengesellschaft für Eisenindustrie und Brückenbau, vor-mals I. C. Harkort in Duisburg gebaut sind, beträgtcirca 42,000 Ctr. Sämmtliche Thore sind nach dem so-genannten Zellensysiem erbaut und enthalten Vorrichtungenzum Entleeren von Leckwasser aus den einzelnen Ab-theilungen und Entlüftungsvorrichtnngen, um aus ein-zelnen Abtheilungen schlechte Luft zu entfernen und die-selben dadurch bestcigbar zu machen. Sie enthalten Luft-und Wasserkammern, um sie dadurch so zu ballasten, daßsie vorn Wasser so getragen werden, daß keine zu großeBeanspruchung der Hals- und Cpurzapfen entsteht. DieFluththore sind als die Ebbethore erbaut. Jeder Thor-flügel erhält seine Bewegung aus dem Innern derSchleusenpfeiler durch eine Zahnstange von ca. 80 Ctr.Gewicht. In jedem der drei parallelen Schleusenpfeiler,von denen der Nord- und Mittelpfeiler die Einfahrt vomHafen her, der Süd- und Mittelpfeiler dagegen die Aus-fahrt aus dem Kanal zwischen sich einschließen, befindensich drei Maschinenkammern, eine im Außenhanpt jedesPfeilers, eine im Mittel- und eine im Binnenhaupt.Diese Kammern stehen durch unterirdische Gänge in Ver-bindung und bergen hydraulische Motoren von 26 bezw.40 Pferdekrüsten, welche die Thore durch die Zahnstangenauf- und zubewegen, die großen Umlaufschützen heben undsenken und die Gangspills auf den Schleusenpfeilerdeckendrehen, um die großen Schiffe durch die Schleusen zuziehen. Die Motoren stehen derart durch Rohrleitung inVerbindung, daß nur ein Oeffnen oder Schließen vonKlappen in der Decke des Mittelpfeilers genügt, um 2gegenüberstehende Thorflügel gleichzeitig auf- und zu-zumachen, indem dann die zugehörigen Motoren zu gleicherZeit angehen, stille stehen, oder rückwärts gehen, wodurchdie Thorbewegung bedingt ist. Durch die ganze Längedes Nord- und Südpfeilers erstreckt sich unter Wasser jeein Umlaufkanal von einem Ende des Pfeilers bis zumandern, im Mittelpfeiler deren 2, die den Hafen mit demKanal und den Schleusenkammern verbinden. Zwischenden Außenthoren und den Mittel- oder Sperrthoren zweigensich von den Umlaufkanälen je 6 kleine Kanäle, Stich-kanäle ab, die direct in die Schleusenkammern münden,ebenso zwischen den Sperrthoren und den Binnenthoren,die den Kanal sperren. Die Umlaufkanäle sind in denSeitenpfeilern, deren Enden oder Häuptern durch je 2hintereinander stehende Schützen abgeschlossen, der Mittel-pfeiler dagegen hat 4 solcher Schützen an jedem Ende, daer 2 Umlaufkanäle hat.