Ausgabe 
(12.10.1894) 83
Seite
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Sind bet Hochwasser im Hafen die Flutthore ge-schlossen und soll ein Schiff in den Kanal hinein, so mußzunächst der Wasserstand des Hafens mit dem der Schleusen-kammer ausgeglichen werden. Dies geschieht, indem dieäußeren Schützen gehoben werden, dann strömt das Hafen-wasser durch die Umläufe und die Stichkanäle in dieSchleuse, hebt hier den Wasserspiegel auf die Höhe desHafenwafferstandes, dann werden die Schützen geschlossenund die Thore geöffnet, das Schiff hereingeholt und dieFluththore wieder geschlossen. Nun wird der Wasserspiegelder Schleuse wieder gesenkt auf die Höhe des Kanalspiegels,indem die inneren Schützen gehoben werden. Dadurchströmt dann das Wasser durch die Stichkanäle in dieUmläufe und durch diese in den Kanal so lange, bis sichbeide Niveaus ausgeglichen haben, darauf werden dieinneren Fluththore geöffnet, nachdem zuvor die Schützenwieder gesenkt werden und das Schiff kann die Schleuseverlassen. Darauf werden die letzteren Thore wieder ge-schlossen. In umgekehrter Weise wird verfahren, wennSchiffe durch die Ausfahrt den Kanal verlassen wollen. 28 hydraulische Motoren, von denen je 8 in jedemSeitenpfeiler und 12 im Mittelpfeiler stehen, bedienendie Thore, die Umlaufschützen und die Spills. IhrenArbeitsdruck erhalten die Motoren von der Centralanlageher; diese umfaßt ein Maschinenhaus und ein Kesselhaus.In der Maschienhalle liegen 3 Zwillingsmaschinenpreß-pumpen von je 120 Pferdekräften, welche den Wasser-druck für die hydraulischen Motoren erzeugen. Sie saugendas Wasser an, bringen es zunächst in ein Hochreservoir,saugen es aus diesem herunter und pressen es in einRohrnetz, welches sich durch die ganze Schleusenanlageverzweigt. Im Maschinenhause sind in dieses Rohrnetz2 Gewichts-Accuwulatoren eingeschaltet, welche so belastetsind, daß sie erst bei einem Druck der Pumpen im Rohr-netz von 60 Atm. (d. h. 60 Ir§. pro 9 c^om.) gehobenwerden. So lange die Preßpumpen arbeiten, schweben dieAccumulatoren und erhalten in der gesummten Leitungeinen gleichmäßigen Druck. Sind die Accumulatoren hochund findet auf der Schleuse keine Wasserentnahme statt,weil nirgend ein Motor läuft, so stellen sie sich die be-treffende Preßpumpe, die gerade im Betriebe ist, selbst-thätig ab durch eine sinnreiche Hebel- und Gestängever-bindung zwischen den Accumulatoren und den Dampf-maschinen. Sobald auf der Schleuse ein Motor in Be-trieb genommen wird, der Accumulator, der gerade hochist, also sinkt, so läßt er die Dampfmaschine, welche ervorher abgestellt hatte, auch selbstthätig wieder angehen.Neben den 3 Preßpumpen stehen noch 2 Evacuations-maschinen (Kondensatoren), welche den verbrauchten Dampfder Preßpumpen condensiren, und so durch das entstehendeVakuum ein leichteres Arbeiten der Preßpumpen herbei-führen. An die Halle für die Preßpumpen schließt sicheine zweite an, in welcher drei große DynamomaschinenAufstellung finden für die gesummte Beleuchtung der ganzenAnlage. Den Dampf für sämmtliche Dampfmaschinen liefern5 Coouwall-Kessel von einem Arbeitsdruck von 6,5 Atm.Eine durch die gesammte Schleusenanlage verzweigte Dampf-heizungsanlage, die ihren Dampf gleichfalls aus vorge-nannten Kesseln entnimmt, sorgt im Winter für eine ge-nügend hohe Temperatur, um das Einfrieren des Druck-wasserrohrnetzes zu verhüten.

Die gesammte maschinelle Anlage ist von der FirmaHoppe-Berlin erbaut, die electrische Beleuchtungsanlagebaut die Electricitätsgesellschaft Helios. Ll. ^V.

ALLssLei.

Ueber die Herrschergeschlechter Europa'S bringt dieNordd. Allg. Zeitung" folgende Zusammen-stellung: Zur Zeit bestehen tu Europa 40 Throne, vondenen nicht weniger als 33 von deutschen Dynastieenbesetzt sind, 22 innerhalb des Deutschen Reiches, 11 außer-halb desselben (Oesterreich-Ungarn, Rußland, England, Dänemark, Niederlande, Belgien, Portugal, Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Liechtenstein) . Von den 6Negentenfamilien romanischer Zunge (Bourbon, Bona-parte, Braganza, Savoyen, Bernadotte und Monaco) sinddie drei erstgenannten des Thrones verlustig gegangen;überdies sei mit ziemlicher Bestimmtheit germanischer Ur-sprung wenigstens der Häuser Bourbon und Savoyen an-zunehmen. Indessen, wenn das Haus Mecklenburg, dieNachkommen des wendischen Obotritenfürsten Niclot(-s-1160), den deutschen Dynastieen beigezählt werde, müsseauch Bourbon und Savoyen den Romanen verbleiben.An slavischen Negentenfamilien sind bloß die neuenHäuser der Obrenowitsch in Serbien und der Petrowitsch-Njcgosch in Montenegro zu nennen. Turanischer Ab-kunft endlich sind die osmanischen Sultane. Wenn obenvon 40 Thronen in Europa gesprochen, so betrage dieZahl der Herrschergeschlechter, die sie einnehmen,doch nur 26, worunter 17 deutschen Geblüts. Es sinddies die Häuser Hohenzollern , Habsburg-Lothringen, Wels,Wittelsbach, Wettin, Württemberg, Zähringen, Hessen (eigentlich Brabant), Nassau, Mecklenburg, Holstein, An-halt, Schwarzburg, Reuß, Lippe und Waldeck . Die Zahlder männlichen Angehörigen aller regierenden Häuser istderzeit auf 433 zu veranschlagen.Das blühendste Ge-schlecht ist das Gesammthaus Holstein mit gegenwärtig62 Männern, wovon 27 der Linie Sonderburg , die inDänemark und Griechenland herrscht, und 35 der LinieGottorp in Rußland und Oldenburg angehören. Es folgtdas Haus Wettin, das 8 Kronen trägt und nach demdereinstigcn Ableben der Königin Viktoria auch den bri-tischen Thron besteigen wird. Ihm gehören an 43 Mit-glieder der Ernestinischen Linie (darunter 23 Koburger inKoburg, England, Belgien, Portugal, Bulgarien , 11Weimarer , 5 Meininger, 4 Altenburger) und 7 der Albert-inischen Linie in Sachsen. Nahe an die Wettiner heranreicht das entthronte Haus Bourbon mit 45 männlichenSprossen, wovon 26 der Linie Anjou (Spanien, Sizilien und Parma) und 19 Orleans. Das Haus Lippe , ein-schließlich Schaumburg-Lippe , zählt ebenfalls 45 Männer,von denen 30 den gräflichen Linien angehören. An fünfterStelle erscheinen die Reuß mit 31 Prinzen, einschließlichder erbberechtigten 4 Grafen von Plauen . Ihnen reihtsich das Haus Lothringen-Habsburg mit 30 Erz-herzogen an. Nur drei Prinzen weniger, 27, besitzt dasHaus Hohenzollern , die fürstliche Linie allein hat 9Prinzen, darunter 3 in Rumänien . Die Wittelsbacherfolgen mit 23 männlichen Familiengliedern. Alle übrigenFürstengeschlcchter zählen unter 20 Prinzen; es sind dies:Liechtenstein (17), Osman (16), Mecklenburg (15), Mrldeck(12), Hessen (10), Württemberg (8), Savoyen (8),Bernadotte (7), Wels (5), Zähringen (5), Anhalt (4),Petrowitsch-Njegosch (4), Nassau (3), Schwarzburg (3),Braganza (3), Monaco (2), Bonaparte (2), Obrenowitsch(2)." Der Religion nach sind von den 26 europäischenDynastieen neun ganz und sechs weitere theilweise oderganz überwiegend evangelisch. Letztere sind: Hohenzollern (die fürstliche Linie ist katholisch, ein Prinz derselben in