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will auch ich später zum Lobe des Allerhöchsten wirken."— Tammo nickte.
„Bedünkte es nicht auch Dich, als ob die ehrwürdigeDichterin die Rolle Constantias just für unsere Judithgeschrieben habe?"
„Wohl wahr. Unsere Schwester spielte die Christoverlobte Kaiserstochter mit ganzer seelenvoller Hingabe,"bestätigte Bernward .
Graf Altman aber gab wehmüthig seinem zwie-spältigen Empfinden Ausdruck.
„Ich hoffe," sagte er, „daß Judith von Sommer-schenburg nicht darum die jungfräuliche Constantia mitsolcher Meisterschaft wiedergab, weil sie selber von ähn-lichen Gefühlen beseelt ist und der Welt entsagen will.Es wäre schade um so viel Jugend und Anmuth, wennsie hinter Klostermauern vergraben würde."
„Was redest Du!" rief jung Bernward. „Dashöchste Ziel ist jeden Opfers Werth. Und ist denn nichtdas Schönste das Würdigste vor Gott ?"
Altman seufzte.
„Junger Freund, es ist so menschlich, daß wir be-gehren, solche, die uns viel theuer, denen wir Minneweihen wollten, in unserer Nähe zu behalten."
Bernward sagte leise: „Das Erdenleben heißt Wirken,Kämpfen und Entsagen."
„Wir sind wohl zufrieden," sprach der Bischof. „DieKinder haben brav gespielt. Roswitha's geistlich Schau-spiel soll als ein ehrwürdig Denkmal deutscher Dicht-kunst der Nachwelt erhalten werden. Der Gallikan isttrotz feines römischen Gewandes ein echt deutscher Recke .Ich werde das schöne Werk in unsern Klöstern vielfachabschreiben und weit umher verbreiten lassen," also ver-sicherte er voller Anerkennung, bevor er den Saal ver-ließ und von dannen schritt nach dem ansehnlichen Ge-bäude, so in Gandersheim zur Beherbergung hoher Gästeerbauet war.
Ehe aber Herr Othwin sich zur Heimreise rüstete,mußte Bernward ihm den Plan vorlegen, den er in-zwischen in der stillen Bücherei des Klosters sauber undzierlich auf Pergament gemalt. Der Bischof prüfte lange,dann nickte er befriedigt und sagte:
„Ich danke Dir, mein Sohn. Ich gedenke, nachdiesem Bauriß das Gotteshaus auszuführen."
(Fortsetzung folgt.)
Zu unseren BildernSinai.
Sinai, vielgipfeliger Gebirgsstock im südlichen Theil dersinaitischen Halbinsel zwischen dem Meerbusen von Suez unddem von Akaba , auf welchem Moses die zehn Gebote empfing.Das ganze Gebirge ist wild und felsig. In einer Thalschluchtliegt das St. Katharinenkloster ; 3 üm höher liegt die Kapelledes Elias. Von hier aus erreicht man in drei Viertelstundenden Gipfel des Berges, wo eine kleine Kirche steht, das Haupt-ziel der Pilger. _
Das Scherflrin ver Wittwe.
Gewiß ist Dir, lieber Leser, aus dem hl. Evangelium derAusspruch unseres Heilandes bekannt, den derselbe im Tempelzu seinen Jüngern gethan über das Scherflein der Wittwe unddie Opfergabe der Pharisäer War es auch nur eine kleine Gabe,welche die Wittwe gespendet, so hat Gott doch mehr Wohlgefallendaran, als an jener der Pharisäer- Christliche Nächstenliebegibt nicht, um von den Leuten gesehen zu werden und die Gabe,der Armuth ist dem Herrn doppelt wohlgefällig. Der SegenGottes ruht auf der kleinsten Gabe, die Du Deinem armen Mit-menschen spendest. Wie dankbar blickt doch das greise Mütter-
lein auf unserem Bilde empor zu der Frau mit den beidcnKleinen! Gewiß würde die Spenderin mehr geben; doch dieArmuth drückt sie selbst. Ist ihr Almosen auch nur ein Scherf-lein, Gott wird es ihr zehn- und hundertfach lohnen!
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Kerbstgedankeu.
Ein Weh durchzuckt des Herzens zarte Saiten,
Wenn schleichend sich der Herbst genaht,
Denn nah und fern ertönt's: „Ich muß jetzt scheiden,Ade, mein theurer Kamerad!"
Wie traurig klingt von einem Ort zum andernDies Lebewohl als LosungswortVon Mensch und Thier und Pflanze! — alle wandern,Sie alle wollen von uns fort.
Vom Freunde reißt mit thränenfeuchtem BlickeIm Herbst der Busenfreund sich los,
Ihn ruft nach schnellenteiltem FerienglückeDie Pflicht zur Arbeit ernstem Loos.
Die munt'ren Vöglein prüfen ihre Schwingen,
Sie sind zur Wand'rung wohlbereit;
Und hörst du hie und da ein Lied erklingen,
So denk', dem Abschied ist's geweiht.
Geschäftig geht der flinken Schwalbe Zunge,
Zu plaudern hätte sie noch mehr,
Doch ahnungsvoll mit mächt'gem FlügelschwungeDurchsegelt sie der Lüfte Meer.
Als Zierde steht im baldverwaisten GartenEin Röschen oft noch ganz allein;
Sein Köpfchen senkt's und sagt: „Nicht darf ich warten,Der Winter wird gar schnell da sein."
Ein jeglich Blatt am fruchtentleerten BaumeGibt traurig flüsternd zu versteh'n:
„Auch ich muß sort vom liebgewonn'nen RaumeUnd werde spurlos untergeh'n."
Des Lebens Mai umsäumt von tausend WonnenWird Beute der Vergänglichkeit —
Im Dienste Gottes was der Mensch begonnen,
Erstrahlt im Lenz der Ewigkeit. Lbilomkls, 8.
-8S8WS-
Zzilder-KäLhsek.
Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 83:
Weiß. Schwarz.
1. D. 86-8i f K. 8t-05
2. D. 8i-88 D. 87-87
3 D. 88—83 f K. beliebig.
4. D. 83 - 86 (03)
L..
2. B. 66-85:
3. D. 88-85:j- K. 05-84
4. D. 85-85ch
Es hittt Schwarz nichts, wenn auch der König etwa im2. Zug nacb 84 acht; er kann nicht verhindern, daß die weißeDame auf 85 zieht, ihn auf X3 drängt und durch einen Zugnach 82 matt setzt.