Ausgabe 
(26.10.1894) 87
Seite
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Euer Weib werden. Seid mir nicht böse. Ihr findeteine Jungfrau Eures Stammes als Königin."

Der Prinz taumelte. Sein einzig Wort war:

Verschmäht l Wie soll ich daS ertragen?"

Ernst und bleich wandte er sich zum Gehen. Inder Pforte trat ihm Altman entgegen. Der stutzte.

Slavomir ging mit stummem Gruß an ihm vorüber.

Ein strenger Blick des jungen Grafen traf die wieschuldbewußt dastehende Maid.

Was ist das, meine Schwester?" fragte er ge-messen.

Da flog sie an seine Brust, schmiegte ihr Hauptweinend an seine Schulter und flüsterte:

O, Du Lieber, zürne mir nicht. Er drang hierein ohne meine Zustimmung, und, mein Bruder" siestockteer warb um mich."

Der Graf, rasch besänftigt, strich liebevoll über ihrGoldhaar.

Du wiesest ihn ab?"

Sie nickte.

Kind, Du verschmähtest eine Königskrone," spracher gewichtig.

Sie schaute in die Ferne. Dem Sonnenscheingleich flog es über ihre Züge, während sie sprach:

Was ist weltliche Herrschaft und Größe gegenüberdem stillen Glück im friedlichen Daheim!"

Bewegt blickte er auf sie nieder.

Schwestcrlein, Du warst in Deinem Recht, Dichihm zu versagen, wenn Du ihn nicht liebst. Und ichgestehe, ungern hätte ich Dich als die Gattin eines unsfeindlichen Königssohns in die Fremde entlassen."

So zürnst Du nicht, daß ich hier bleibe?"

Nein, wie dürfte ich!" Er nahm ihre Hand undzog Hildcswitha neben sich auf die Ruhebank.

Eines losse mich fragen: Wie lange willst Dunoch zögern, Dich Zu vermählen? Ist kein BewerberDir werth genug?"

Da lächelte sie fast schalkhaft.

Bis heute nicht, mein Altman."

Und ich glaubte einst, der fremde Köuigssohn seiDir nicht gleichgiltig," sagte er nachdenklich.

Sie schüttelte den Kopf.

Ach, Altman, ein Kind ist jedem freundlich gesinnt,der ihm Güte erweist. Was wußte ich dazumal vonLiebe!"

Er schaute ihr tief und eindringlich in's Auge.

Und heute, Hildcswitha, heute kennst Du diesesbeherrschende Gefühl? Heute ist Dein Herz gefesselt aneinen Anderen?"

Sie erglühte schämig und gab ausweichende Antwort:

Ehe der Winter in's Land kommt, nimmt meinePrinzessin Sophia zu Gandersheim den Schleier. Ichhabe gelobt, in Treue bei ihr zu bleiben, bis sie derWelt entsagt, und darf anderen Gedanken keinen Raumgeben. Wenn die Blätter fallen, kehre ich frei nachHildesheim zur Mutter zurück. O Altman, erzähle mirvon der Guten."

Das that der Graf gerne. Er berichtete, wieglücklich die Mutter sich im Burghause zu Hildesheim in der Nähe des Domes fühle, und wie sie nicht zubewegen sei, nach der einsamen Olesburg Zurückzukehren.Wie er selber daher beständig auf der Wanderschaft seivon der Stammburg nach dem Stadthause und von dortzurück nach der Olesburg. Er erzählte von seiner Ueber-

wachnng des Landfriedens, von der Hegung des Gerichts,und in diesem ruhigen Gespräche, das sich zwischen bei-den entsponnen, vergaß er zu der Jungfrau nicht ge-ringen Freude alle weiteren unliebsamen Fragen.

(Fortsetzung folgt.)

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Bilder auS Steierinark, Körnten und demKüstenlande Kram.

Von C. Mayer.

- (Nachdruck vrrdolen.!

I.

Von Salzburg nach Klagenfurt und Villach.

Stciermark, Körnten und das Küstenland Krain sollte für den diesjährigen Urlaub die Losung werden.Unsere Zeit war sehr bemessen; ein großer Theil desUrlaubs wurde der nothwendigen Nutze halber nach an-gestrengter Berufsthätigkeit gemeinsam mit der Familiein einem uns seit Jahren liebgewordenen oberbaherischenGebirgsdörfchen zugebracht, und wir mußten uns deßhalbdarauf beschränken, nur einige besondere Punkte für mehreingehende Besuche auszuwählen. In Salzburg, derreizenden alten Bischofsstadt, die stets fesselt, ließen wiruns ein entsprechendes Rundreisebillet zusammenstellen,das, von dem betreffenden österreichischen Beamten ent-worfen, sehr zu unserer Zufriedenheit ausfiel; nur hater. wahrscheinlich um uns auf k. k. Bahnlinien zu halten,die prachtvolle Partie vom obern Kanalthale nach Görz, zu unserm Bedauern, nicht eingeslochten, da sie eineitalienische Bahnstrecke benöthigte.

Die Tour SalzburgBischofshosenSelzthal istwohl hinlänglich bekannt, und kann deren Beschreibungumgangen werden; dagegen dürfte jene zwischen Selzthal und Klagenfurt einiger Streiflichter werth sein. Dieselbegeht zunächst durch das Palten-, das Licsing- und dasMurihal, welch letzteres nördlich von den Seckauer-Alpen mit dem Zinken und Reichert, südlich von dem Glein-und Seethaler Alpcnzug umschlossen ist Unweit derStation Schanerfeld tritt sie in das Flußgebiet der Drau, in welchem sie die Thäler der Olsa, der Mcttnitz, derGurk und der Glan berührt. Das Ganze ist eine sehrinteressante Fahrt; fast jede Station lohnt die Besich-tigung; entweder sieht man hübsch gelegene Orte mitalten Kirchen, großen Gewerkschaften, oder Klöstern, oderauch schöne Vergformationen mit lieblichen Seitenthälern;hauptsächlich aber fesselt die Scenerie durch die wcchsel-reichen Bauwerke, die monumentalen Denksteine aus alterund neuer Zeit. Es ist dies die Gegend der Schlösserund Burgen; fast jeder hervorragende Bcrgkcgel ist miteiner hübschen Ruine, einem Herren-Schloß, grün um-rankter Villa oder freundlicher Kirche geziert. Besondershervorragende Punkte sind: auf der Höhe gegen die Wasser-scheide der Drau, oberhalb der Station Scheifling, einausnehmend schöner Blick in die Thäler von Ober- undNiederwölz mit Burgen, die malerisch dem Grün derGehänge entsteigen, sowie in die Thalmünbung gegenMurau auf die Dörfer und Kirchen von Lind, Scheifling, St. Lorenzen, den reizenden Calvarieuberg, das vier-thürmige Schloß Schrattenberg, und bald darauf, nachUebcrsteigung der Wasserscheide von Mur und Drau beiStation St. Lamprecht, hastet das Auge aus der hoch-gelegenen Kirche Mariahof und Schloß Forchtenstein mitdem Hintergrund der ganzen Seethaler Alvenkette.