Die Fahrt abwärts führt durch das enge, roman-tische Olsathal; beim Austritt aus der pittoresken Felsen-schlucht die Burg Neudeck, welche die Thalrundung vonStation und Bad Einöde beherrscht, im Schutze dermächtigen Ruinen von Dürnstein , der alten Grenzwachtzwischen Steiermark und Kärnten . Die Bahn tritt nunhart an die Mcttmtz, und ein prachtvolles Landschafts-bild entrollt sich dem entzückten Auge: Friesach , die alte,mit Mauern und Gräben umzogene Stadt, trägt dasGepräge hoher Romantik; in reizvoller Gruppirung um-stehen sie die Burgminen Geyersberg, Petersberg undRothenthurm nebst der verfallenen Propstei Virgilienberg.Am Einflüsse der Mettnitz in die Gurk liegt Zwischen-wässern mit dem ansehnlichen, im Viereck erbauten SchlossePöckstein, der Sommerresidcnz des Fürstbischofs von Gurk ,dessen Lage durch malerisch gruppirte Ruinen von dreiBurgen verschönert wird.
Bei Station Launsdorf verläßt die Bahn die Gurk ,um bei Station Glandorf an die Glan zu treten. InMitte dieser beiden Flußgebiete ist die Perle der anSchlössern und Burgen reichen Gegend — Hochosterwitz,die stolze Beste, die auf einem freistehenden, von einemMauergürtel spiralförmig umwundenen, grün umwobenenFelskegel von 150 Meter Höhe thront und weithin dieGegend beherrscht — ein fesselndes Bild, welches sichvon seinem Hintergründe, dem waldigen, mit einer Kirchegekrönten Magdalenenberge, farbenreich abhebt. StationGlandorf ist der Knotenpunkt zweier sich abzweigendenBahnlinien; während die eine über St. Veit sich demOssiacher See und Villach zuwendet, führt uns die andereüber das historische Zollfeld mit dem Herzogsstuhl, anSchloß Tanzcnberg vorbei, nach Maria-Saal mit hohem,doppclthürmigcm Dome, an dessen Außenseite vieleNömersteine angebracht sind, und mit Blick über einehohe, schlanke Thurmruine auf die hochgelegene alte KircheMaria am Saalberg.
Nach Ueberschreitung des Glanflusses befinden wiruns in KärntenS Hauptstadt, in Klagen fürt.Dieselbe wurde nun alsogleich besichtigt. Wir durch-kreuzen eine Menge meist geradliniger Straßen, welchedie weiten, von nicht sehr hohen Häusern umgebenenPlätze verbinden, besehen uns die Kathedrale, die altePfarrkirche St. Egidicn, das von zwei Thürmen über-ragte StändchauS, den Hauptplatz mit dem Lindwurm-brunnen, — ein Herkules den Drachen erschlagend, —der Maria Theresia -Statue und einer Marien-Säulr, —den Fischmarkt mit alter Bronzefigur und noch mehrerehervorragende Bauwerke; allein, war es die heiße Mit-tagssonne, war es, weil die vielen Bildungs-Anstaltender Ferien halber geschlossen waren, ich empfand denEindruck von Langweile, sehr wahrscheinlich gesteigertdurch das Gcsühl eines zügellosen Appetites, der sich ineiner Weise geltend machte, daß mir die schönsten Kunst-bauten und Kunstwerke der Welt nebensächlich gewesenwären; es war 2 Uhr nachmittags, und außer einemDelicatesse-B'ödchen, dem eisernen Bestand des Ruck-sacks entnommen, hatten wir seit 4 Uhr früh noch nichtsim Magen, der ob seiner Vernachlässigung bedenklichknurrte. Im ersten besten Gasthofe wurde eingefallen.Ein schöner, grün umrcmkter Glaspavillon empfing unsmit einer Menge fein gedeckter, aber — leerer Tische,zwischen welchen Kellner ordnend hin- und Herschlichen.— Nein! das war unsere Sache nicht; eine Neige vomlängst angesteckten Faß schwebte als Gespenst unserm
guten Durst entgegen; in einem zweiten Gastlocale erschienes uns nicht besser; da, bei einer Straßenbiegung, sahenwir einen Wächter der Sicherheit, sanft geröthet, untereinem Thorbogen lehnen, — ein Sohn des Mars stolzirteschmunzelnd und selbstbewußt heraus, gefolgt von einpaar Heben in weißer Schürze, den inhaltsvollen Stein-krug schaumüberfließend in der Rechten, — darüber einSchild „Zum Schwaben".
Ei, wie heimathlich das klingt; kein Zweifel, Schick-salsfügung wies uns hieher. Sehr primitiv zwar; eineEcke des weiten Hofes, von dunklen Kastanien über-schattet, war der Wirthschaft als Biergartcn überlassen;das ist wohl auch heimathlich; denn ob unterm Nuß-baum oder Kastauiculaubdach wir campiren, das isteins. Eine freundlich flinke Hebe stach schnell einfrisches Faß trefflich mundenden Gösener Bieres an, einetellergroße, dicke Cotelette war bald duftend zur Stelle,und der Mensch begann wieder fröhlich zu werden undInteresse an der Außenwelt zu nehmen. Zur Unter-haltung dienten im Haupthofraum aufgestellte Militär-pferde, welche der Revue durch den diensthabenden Osfi-cier harrten.
Welch leichte ungarische Nace, fein gefesselt undnervig gebaut, die intelligenten Köpfe auf dem schlankenHals zwanglos wiegend, und die hübschen geschmeidigenGestalten der Pscrde-Wärter, die freundlich manchesInteressante über Militärwesen und Pferdehaltung zuerzählen wußten! Doch, wir hatten uns fast zu gütlichgethan; schleunigst wurde der Rückzug zum ziemlichweit entfernten Bahnhof angetreten, um die Bahnstreckebis Villach noch vor beginnender Dunkelheit zurücklegenzu können.
Im Südosten von Klagenfurt zieht sich eine weiteEbene hin, die südlich von einem Mittelgebirge , dergrünen Sattnitz, überragt wird; über demselben erblickenwir zum ersten Male die formenreichen Felsenkämme derKarawanken. Westlich begrenzt der Kreuzberg mit denFranz Joseph -Anlagen die Stadt; an seinem Fuße ver-bindet der Lendkanal dieselbe mit dem lieblichen, hell-blauen, langgestreckten Wörihcr See. Die Bahn, denKanal überbrückend, zieht sich am nördlichen Ufer desSee's hin und befördert den regen Verkehr der viel-besuchten, angenehmen Sommerfrisch- und Badeorte, wieKrumpcndorf, Pritschnitz, Leonstein rc., die ihrerseits wie-der durch einen Kranz schöner, parkmnschatteter Villenverbunden sind. Am südlichen Ufer bespült das lichteGewässer einen schmalen, in den See als Landzungevorspringenden Fellen, auf welchem dunkel beschattet die1000 Jahre alte, wohlerhaltene Wallfahrtskirche Maria-Werd dem See den Namen gibt.
Durch einfaches Hügelland tritt die Bahn au dieDrau, welche als mächtiger Fluß an einer Stelle eineso intensive Biegung macht, daß die beiden Brücken, diesie überschreiten und mittelst eines Dammes zusammen-hängen. als einziger colossal langer Brückenbau erscheinen.Wir hatten dort eine unheimliche Fahrt: langsam glittder Zug von Pfeiler zu Pfeiler, indeß unter der Brückeauf Balkcngcrüstcn Ncparaturarbeiten vorgenommen wur-den ; erleichtert athmete die ganze Reisegesellschaft aus, alsdie Locomotive den letzten Bogcnpfeiler ohne Unfall Pas-sirt hatte und mit gewöhnlicher Fahrgeschwindigkeit inStation Sccbach einfuhr. Hier erhebt sich an der Mün-dung des Ossiacher Thales die Burgruine Landskron, groß-artig in ihrem Umfang und Aufbau. Das Ganze —