der burggckrönte Berg, das stürmische, breite Wasser, dieniedriger gelegene, kleinere Burg Wernberg — war einsehr schönes Landschaftsbild.
Bald darauf kamen wir im Thal der Dran nachVillach , mit seiner vielgepriesenen herrlichen Lage, demKnotenpunkt von zwei Hauptbahnen Oesterreichs unddem Endziel unserer heutigen Fahrt.
II.
Vom Bahnhöfe Villach aus überschreitet man dieDraubrücke und gelangt an den Gcwerbefleiß und Handelverrathenden Hauptplatz, welchen die Pfarrkirche mit ihremhohen, gothischen Thurm und schlanken Spitzbogensensternmalerisch abschließt. Aus alter Anhänglichkeit logirtenwir uns im Gasthofe zur Post ein, ein altes Gebäude,das, besonders von dem theilweise zum freundlichen Wirth-schaftsgarten umgewandelten Hofe aus betrachtet, architek-tonisch interessant ist; mit seinen gewölbten Corridorcnund Gallerten, von doppelten, grün umrankten und durchSäulen verzierten Nundbogcnscnstern erhellt, macht eseinen italienischen Eindruck und erinnert gleich manchenHäusern daran, daß Villach in alter Zeit seine Entstehungund seinen Aufschwung dem regen Verkehr mit Italien verdankt. Ein Abendspazicrgang belehrte uns, daß dieNeuzeit — hauptsächlich vertreten durch das neue Real-gymnasium, vor welchem die Statue des einheimischenBildhauers Hans Gsesser steht, und durch ein großes,den modernen Anforderungen entsprechendes Hotel —hinter der alten Zeit nicht zurückbleiben will; auf derDraubrücke genießt man einen schönen Blick über dasweite, fruchtbare, vom Silberband des Flusses durch-strömte Land und auf den mächtigen Dobratsch, denNigi Kärntens, sowie die vielgestaltige Kette der Kara-wanken.
Wer nicht lange in Villach sich aufhält, solltedie Partie an den Faakersee nicht versäumen. Aufdem Wege dahin traten wir in die Hl. Kreuzkirche, einenKuppelbau in italienischem Stile; in der kleinen, reichin Nococo ausgestatteten Nebenkapelle ist die Geschichtevon deren Entstehung in Freskobildern mit erlärrkerndemText an den Wänden abzulesen. Es war Sonntag, dieKüche gedrängt voll Landleuten, unter denen besondersdie hübschen Gailthalerinnen in ihrer eigenthümlichenTracht auffielen. Die schlanke Taille wird vom blumigenLeibchen umschlossen, über welches sich ein feingesälteltesoder spitzenbesetztes weißes Brusttuch legt; die weitenHemdärmel, ebenfalls mit Fältchenbesatz, reichen bis an'sHandgelenk; das ovale frische Gesicht umhüllt ein eigen-artig umgeschlungencs buntes Seidcntuch; doch entstellendwirkt die Tracht durch die sonderbare Fußbekleidung.Der sehr kurze dunkle Faltenrock, mit grellem Besatz undHeller Schürze überbunden, läßt die Wade bis an's Kniefrei; dieselbe steckt nun in einer dicken, weißwollenenGamasche und sitzt säulenartig auf dem kleinen Vorfnßauf, der in einem mit Goldfransen besetzten zierlichenSchuh steckt.
In dem eine Stunde entfernten Dorfe Proschkowitzbietet die einfache, auf einer Anhöhe gelegene Restaurationmit ihren hölzernen, vom Laubdach der alten Bäumebeschatteten Bänken kühlende Ruhe und den schönsten Ueber-blick über den zu Füßen liegenden lieblichen See mitseiner pittoresken Umrahmung, aus welcher als herrlichsteStaffage die hohe Pyramide des Mittagskofel den Mittel-
punkt des reizenden Bildes einnimmt. An der südlichen,Wechselreichen Bergkette blinkt ein hochgelegenes Kirch-thürmchen; unter demselben erhebt sich die graue RuineFinkenstein, träumerisch vom Sonneuduft umwoben; inder Ferne schweift das Auge über das reich mit Ort-schaften besetzte Hügel- und Bergland, im Norden vonder braunen Görlitzen, im Osten von der Villacher Alpe
— Dobratsch — überragt, an welche sich südlich dieKarawanken mit ihren steinernen Häuptern und trotzigenFelsgipfeln und die stolzen Gestalten der JulischenAlpen anschließen . Zu unsern Füßen, mitten im hell-blauen Wasserbecken, schwimmt eine dunkelgrüne Insel,zu deren Besuch ein Fährmann einlud. Versunken imGenuß eines schönen Naturbildes, stört jede Annäherungvon Menschen, von denen man annimmt, daß nur Beute-lust sie dazu bestimmt, daher der Bootsmann ziemlichrauh abgewiesen wurde; doch mit Unrecht! Wir eiltenan das steile User hinab und mußten bald einsehen, daßein langweiliger Fußpfad, durch Wald vom See abge-schnitten, uns längs desselben hinführte und wir die reiz-volle Fahrt nach dem lieblichen Eilande und dem freund-lichen Dorfe Faak versäumt hatten. Der einzige Mensch,dessen wir ansichtig wurden, war die Begleiterin einerKuh, ein etwa zehnjähriges Mädchen, das auf alle unseremit der größten Geduld gestellten Fragen nur mit scheuemGrinsen antwortete. Endlich waren wir an einer hoch-gelegenen Kirche angelangt; Bänke, im Kreise um alteBäume gezogen, luden zur wohlverdienten Rast; genügendeAuskunft erhielten wir im nahen, grün umsponnenen Häus-chen. Wir waren in Faak und ließen noch einmal denganzen Reiz des lieblichen Seebildes, das ausgebreitetsich unserm Blick entrollte, in der feierlich stillen Sonntags-ruhe auf uns einwirken.
Der Rückweg nach Villach vollzog sich schneller. Aneiner rindenüberdachten Waldkapelle vorüber, kamen wirauf kürzerem Waldpfade nach Maria Gait, auf einerFelsenterrasse über dem Gailflusse gelegen, und nachdemwir um eine scharfe Ecke gebogen, erreichten wir auf derLandstraße unsern vorherigen Weg. Inzwischen war esMittag geworden; die Sonne sendete glühende Strahlen.Von einem weitem Ausflug auf die Villacher Alpe wurdeabgesehen und dagegen die Bahnfahrt gegen Tarvisangetreten.
Die Bahn bleibt nun im Thals der Gail zwischenden Ausläufern der Karawanken und dem Bergstöckedes Dobratsch, und bietet schöne Blicke auf die GailthalerAlpen . Der Glanzpunkt dieser Fahrt ist die große Schloß-ruine Arnold stein, auf niederm, langgestrecktem Felsen-stock malerisch hingebaut, welchem die von Mauern um-schlossene Stadt sich anschmiegt; es ist ein interessantes,freundliches Bild, während rechts die gewaltigen Fels-abstürze des Dobratsch den großartigsten Blick gewähren.
— Eine hohe Eisenbrücke führt über das Kiesbett desGailitzbaches und nun durch Schlucht und Wald, denmächtigen Felsbergen entlang, zur Station Thörl -Magiern. In breiten Windungen zieht sich von hierder interessante kühne Bau von Bahn und Straße imFelsengraben der Gailitz durch Felseinschnitte, Tunnelsund Dammbauten hoch über dem hellblauen, schäumendenund den Fuß weißer Kalkfelsen netzenden Schlitzabachhin, zum Hauptorte des Kanallhales, zur StationTarvis.
Der große Bahnhof von Untertarvis hat eine un-vergleichlich schöne Lage. Die herrliche Gruppe des Man«