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„Ich danke Dir, Kamerad!"
Und hinzu setzte er, während sein grober Gefährtekopfschüttelnd die feinen Finger des Dankenden betrachtete:
„Wenn man jetzt ein Stückchen Brod hätte!"
„Hast auch das nicht mehr im Sacke?" sagte derZweite mit gutmüthigem Spott. „Ja, so 'n feiner Herrund haushalten! Hat's Dich auch aus der Heimath ge-jagt — das Glück, das die Andern haben, während unser-eins gleich ein Schubbiak heißt? Freilich: Dul!"
Es sprach ein gewisses Nichiverstehen der Lage desAndern aus diesem „Freilich: Dul" und — unfreiwilligwohl — eine Achterklärnug, schärfer, ach! millionenmalverdammender, denn die, welche ihn einst in die Welthinausgetrieben ....
Noch eine Weile lagen sie so: er mit sich ringend,ob er ihnen sein Schicksal erzählen sollte; sie wie imWarten darauf.
Dann kam das Kommando zum Aufbrnch.
* *
*
Am Ostrande der glühenden Savanne bewegen sich dieGrasbüschel, als gleite etwas Lebendes behutsam zwischenhin. Einen Augenblick taucht ein dunkles Gesicht mitglühenden, rachedurstigen Augen über den Halmen empor.Dann gleitet der Körper des indischen Spähers wie derBlitz wieder hinter sich, wo ein gurgelnder Strom dieEbene durchschneidet, während drüben, am anderen Ufer,ein Wald sich dehnt; die Wasser rauschen auf und einhochgeschwungener Büchsenlauf blinkt in der funkelndenSonne — eine kurze Minute, dann ist Alles wie eingleißender, triefender Schatten im Urwalddickicht ver-schwunden. Nur schimmernde Tropfen aus dem silbernenStrome dort unten fallen wie Perlen von Blatt zu Blatt...» *
Langsam, glatt auf der Erde, kriechen sie heran,zur Deckung vor dem spähenden Feinde nur das manns-hohe Ried.
Weiter hinten liegt das Gros des Zuges. Die dreiVordersten sind ausgesandt, den Feind zu recognosciren.Keiner hat ein Wort gesprochen seit dem Aufbruch. Siewissen Alle, daß hinter jedem unvorsichtigen Laut derTod kauert. Und die Gefahr übt eine so eiserne Dis-ciplin .
Nur der Fluß singt im Vorübergleiten leise seinewiges Lied.
Sie machen Halt und heben sich sachte aus denHalmen. Rings bleibt Alles still.
„Die Hunde sind weiter gezogen," brummt der Eine.Dann sieht er den Wald am jenseitigen Ufer und ein be-denkliches Pfeifen schlüpft zwischen seinen Zähnen hin-durch. —
Ach! da ist Wasser!
Der Andere taumelt; auch er hat es bemerkt. DieAugen treten ihm fast aus den Höhlen; er will vorwärtsstürzen. Die eiserne Faust des Groben hat ihn rechtzeitigergriffen und hält ihn zurück. Sie hat leichtes Spiel,denn wie vom Blitz gefällt schlägt der tödtlich Erschöpfte,Durstgefolterte in das schirmende Gras zurück.
„Wasser!" flüstern seine brennenden Lippen.
Armer Teufel! Wenn man ihm helfen könnte!
Wieder bleibt es minutenlang still. Nur das lockendePlätschern des unfernen Stromes tönt wie gurgelndesLachen herauf und vermischt sich mit dem Röcheln desVerschmachtenden....
„Ich will es versuchen." —'„Was?" — „ZumUfer hinabznkommen." — »Willst Du Dein Leben ris-kiren um einen Trunk Wasser? Ich wette meine Monats-löhnung, die Schufte stecken drüben im Wald." — „Siewerden mich nicht gleich treffen. Bin ja kein Kind mehr,"brummte der Grobe zurück. Und den Schaft seiner Büchsefester fassend, begann er vorwärts zu kriechen.
„Streicht mit Euren Eisen heraus, daß ich gedecktbin. Und wenn Ihr etwas Verdächtiges seht, knallt d'rauflos. Ich hole das Wasser."
Dann schlugen die Halme hinter ihm zusammen, undnur das sich langsam entfernende Geräusch, mit dem ersich über den Boden hinschob, blieb hörbar. Dann ver-stummte auch das. Am Strom aber bogen sich die Gras-büschel auseinander und das Antlitz des Groben spähtevorsichtig hinüber in den schweigenden, taglosen Wald.Wieder kommt der pfeifende Ton von seinen Lippen; dies-mal aber ist es ein Pfeifen des Vefriedigtseins. Er hältsich nach der letzten sorgfältigen Umschau für sicher. EinStück Erdreich hat sich unter seinen Händen gelockert undplumpste vor ihm in den Flnß. Noch einmal horcht erMinutenlang nach drüben hinüber. Dann schiebt er sichlautlos weiter vor und klimmt das Ufer hinab....
Ach, das ist Wasser! So hat ihm nie ein Trunkdaheim geschmeckt, und wäre er auch vom rarsten Stoffgewesen, wie dieses köstliche, quellfrische, langentbehrteNaß, das er jetzt in sich hineinsog.
Dann ließ er es glucksend in die bereitgehaltenenFlaschen laufen, seine und die seiner beiden Kameraden.
Ja, auch der Andere blieb sein Kamerad, sein Mit-mensch, wenn er auch was Feineres war — oder gewesenwar — als er selbst ....
Er drückt die Stöpsel in die vollgelaufenen Behälterund hebt sich sachte rückwärts.
Da knallt es drüben scharf auf... ein einzigesMal nur — und mit zerschmetterter Stirn sinkt der Bravezurück — für den Andern.
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Hiiiimelsschau im Monat Nopember.
—1. Merkur 8 ist in der zweiten Hälfte desMonates als Morgenstern von 6 U. bis 7 U. morgs.sichtbar.
Venus tz verschwindet am Morgenhimmel.
Mars L ist sehr hell, die ganze Nacht am Himmelund bleibt bis zum 23. rückläufig in den Fischen. Am10. links vom Mond.
Jupiter erreicht seine größte Tageshöhe zwischen3 U. 51 M. früh und 1 U. 51 M., übertrifft Mars an Helligkeit und bleibt die ganze Nacht sichtbar. Am15. links vom Mond.
Am 13. kann man den Sternschnuppenschwarm derLeoniden im Löwen am Osthimmel beobachten. DieseSternschnuppen waren bisher sehr selten, nehmen aberjetzt an Anzahl zu und erreichen i. 1.1899 ihr Maximum.--
Auslösung des Bilder-Räthsels in Nr. 84:
Schauspieldichter.
Auslösung des Bilder-Rathsels in Nr. 86:Schneidergeselle.