vom Pferde. Er war bereits von feindlichen Reitern um-ringt, da sprengte der Gefreite Fleischmann mit mehrerenKameraden, darunter die Chevaulegers Pecht, Beck, Hoff-mann und Walldorf, herbei und stürmten auf die plün-dernden Chasseurs los; letztere nahmen den Angriff so-gleich wahr, sprangen auf ihre Pferde und riefen höhnischdem Oberstlieutenant zu: „Da kommen Eure Leute undwollen Euch holen, aber wir werden ihnen heimleuchten!"Dann ritten sie mit wildem Geschrei den anrückendenChevaulegers entgegen. Um den Oberstlieutenant, der mitzerschlagenem Schenkel am Boden lag, entspann sich nunein heftiger und hartnäckiger Kampf; endlich siegten diewackeren Chevaulegers, deren kräftige Säbelhiebe die Chas-seurs zur Flucht zwangen. Noch während des Gefechteshatte Fleischmann einigen Kameraden zugerufen: „Nunbringt den Oberstlieutenant den Unsrigen wieder, indeßwir andern den Feind aufhalten." Sogleich sprangen dieChevaulegers Walldorf und Beck vom Pferde, legten unterdem heftigsten Gewehrfeuer dem Chevauleger Pecht denverwundeten Oberlieutenant quer über den Sattelknopfund brachten ihn auf diese Weise gleichzeitig mit demebenfalls verwundeten Hoffmann nach einem Bauernhofzurück. Hier nun nahmen sie einen Schlitten, spanntensich mit ihren Fouragierstricken vor denselben, zogen soihren Offizier über eine Stunde fort und befreiten ihnauf diese Weise vor der Gefahr einer nochmaligen Ge-fangenschaft.
Solche Züge todesmuthiger Aufopferung der Soldatenfür ihre Offiziere wiederholten sich beim Negimente inden Feldzügen, die nun folgten, zu often Malen.
Die bayerischen Regimenter bewährten auch in dieserSchlacht ihre alte Tapferkeit, und unser Regiment hattesogar das Glück, die einzigen Hiebei erbeuteten feindlichenGeschütze zu erobern.
(Fortsetzung folgt.)
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Zu unseren Bildern.
Prinz Philipp von Grienn».
Der älteste Sohn des verstorbenen Prinzen Philipp vonOrleans , Grafen von Paris, Prinz Philipp. Herzog vonOrleans, geboren am 6. Februar 1869, welcher gleich nachdem Tode seines Vaters die orleanistische Partei zu reorgani-stren versuchte, hat bereits zweimal von sich reden gemacht: daserste Mal, als seine „Liebe für Frankreich" ihn das Verban-nungsdekret übertreten ließ und er sich in Paris bei der Mili-tärbehörde meldete, um kategorisch seine Einstellung in die fran-zösische Armee als Rekrut zu fordern. Die jugendliche Unbeson-nenheit wurde mit einigen Monaten leichter Festungshaft ge-ahndet. Zum zweiten Mal brachte den jungen Prinzen seineVerehrung für die Opernsängerin Melba in den Mund derLeute. Man wird abwarten müssen, ob diese beiden Episodenaus dem Leben des Herzogs von Orleans nur in das Kapitelder Jugendthorheiten gehören, oder ob sich sein Charakter in dervon ihnen angedeuteten Richtung Wetter entwickelt.
Kannst du lesen?
„Kannst du lesen?" frägt klein Lieschen seinen Spielgefähr-ten, das Häslein, das sich gar zutraulich an die Kleine schmiegt.Die schönen Bilder in dem großen Buche haben das Kind schonoft entzückt; doch die schwarzen Buchstaben, welche Zeile fürZeile füllen, sind ihm noch ein Räthsel geblieben. Erst wennLieschen in die Schule geht, wird die Kleine auch diese Zeichenzu enträthseln vermögen. Ob Häschen lesen kann? Fast möchteman es glauben, so klug blickt das Thier auf die Schriftzeichen.Doch Lieschen meint es nicht ernst — Thiere können ja nichtdenken — und es gilt bloß, mit dem Spielgefährten einen Scherzzu treiben. _
Halierfrldlrelben.
Unter HaberfeldtrUben versteht man Une Art Vvlksjustiz,welche in Oberbayern, namentlich in der Gegend von Tegern-see, Miesbach, Tölz und Rosenheim, an solchen Personen aus-geübt wird, deren Vergeben und Laster dem Arm der Rechts-pflege oft unerreichbar sind. Man will darin Reste der einstvon Karl dem Großen in den Grafschaften eingesetzten Rügen-gerichte sehen. Das Verfahren ist gewöhnlich dieses: Wenn dasmißliebige Individuum trotz wiederholter brieflicher Verwarn-ungen keine Besserung zeigt, sammeln sich Plötzlich, gewöhnlichin einer recht dunkeln Nacht, um das Gehöft des Missethätershundert und mehr vermummte, geschwärzte, zum Theil bewaff-nete Personen und rufen den Schuldigen an's Fenster oder unterdie Thüre, die er aber bet Leibes- und Lebensstrafe nicht über-schreien darf. Darauf werden „im Namen Kaiser Karls des Großenim Untersberg" die Treiber verlesen, und zwar unter fingirtenNamen und Würden, wie: „Herr Landrichter von Tegernsee" rc.,und antworten mit einem lauten „Hierl" Sodann tritt einerder Meister in die Mitte des Vierecks und verliest ein in Knit-telreimen abgefaßtes Register der Sünden des Delinquenten, wo-bei nach jeder Strophe die ganze Schaar ein von der schreck-lichsten Katzenmusik begleitetes Geheul und Gelächter anstimmt.Ist die Verlesung zu Ende, erlöschen die Laternen und die Schaarverschwindet auf einen Pfiff des Anführers eben so schnell wieder,wie sie erschienen war. Die Haberfeldtreiber werden aus einerdem Orte ihrer Thätigkeit entfernten Gegend gewählt, um etwa-igen Erkennungen vorzubeugen. Dem Schuldigen wird, außerdaß er die Verlesung mit anhören muß, kein weiteres Leid an-gethan. Das Haberfeldtreiben ist trotz des energischen Ein-schreitens der Behörden — wir erinnern an das erst vor we-nigen Wochen stattgehabte Treiben in Nicklasreuth — noch nichtvöllig beseitigt.
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Allerlei.
Der Gymnasialdirektor St. in N. besuchtetäglich das dortige Hotel du Nord. Mit der ihm eigenenKonsequenz bestellte der alte Herr regelmäßig einen SchnittEchtes und die Zeitung. Dann vertiefte er sich in dieTagesneuigkeiten und kümmerte sich herzlich wenig umseine Umgebung. N. ist Garnisonstadt, und längst hattendie in dem Hotel viel verkehrenden Jünger des Marsden Gelehrten zur Zielscheibe ihres Witzes und Spottesgemacht. Eines Tages, als der Direktor eben wiederdas Gastzimmer betrat, rief ein Leutnant im Ueber-muth: „Kellner, einen Schnitt Echtes, die Zeitung und'nen Zahnstocher — so ist der Philister fertig!" — DerGelehrte legte ruhig seinen Mantel ab, setzte sich würde-voll an den Nachbartisch und rief mit sehr lauter undnäselnder Stimme: „Kellner, eine Havanna, — eineFlasche Sekt — beides anschreiben, dann ist auch derLeutnant fertig!"
Mißverständniß. Beamter: „Also Sie heißenCaroline Stoppelhuber — Ihr Alter?" — Bäuerin:„Ach Gott , der is schon lange todt!"
-SWN-S-
ZLilder-Uäthsel.
EIS