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fnnerung an die Abgestorbenen nnauslöschbar macht; esist die dankbare Liebe, welche mit dem Almosen desGebetes jetzt manche Wohlthat vergelten will, die früheroft kaum erkannt oder deren Ausgleich bei Lebzeitennicht möglich war; eS ist die edle christliche Liebevor Allem, welche das strenge Gebot hat, den Bedräng-ten, die sich selbst nicht helfen können, beizustehen, diechristliche Liebe, die zu beten gebietet selbst für die, welcheim Leben feindselig unS begegnet sind.
Eine Stätte der gnadenreichen göttlichen Liebeist aber auch der Friedhof für uns, die wir den Schrittzu ihm lenken. Eine ganze Fülle heilsamer Gedankenstürmt auf unser Herz ein, von dem sich langsam dieirdische Schale löst und das dadurch empfänglicher wirddem Sonnenstrahl, der ewiges Leben hervorruft. Hier,so im Angesichte des Todes gleichsam, da wird uns dieerste und einzigeNothwendtgkeit klar, nicht nurauf das Zeitliche das Auge zu richten, sondern Sorge zuhaben, daß die arme Seele nicht allein den Weg in'SJenseits antritt, sonder» geleitet von dem Engel, derunsere erworbenen ewigen Schätze dem Herrn über Lebenund Tod darbringt zum schwachen Entgelt für seine Herr-lichkeiten.
Wohin daS Auge schaut, grüßt uns dar erlösendeKreuz, verheißend, daß auch der schlimmsten Schuld durchden, der an ihm gehangen. Genüge gethan worden istfür Alle, welche es reumüthig umfassen. Hoffnungsvollsodann zugleich ist dies geheiligte Zeichen für den, dermühsam den so dornenvollen Weg dcS Lebens wandelt,denn unter diesem Grabkreuz, da hört der Erden Kreuzund Leid auf, und so es mit Christo ist getragen, er-blühen an den Erdendornen die kostbarsten Him-melsrosen.
Es geht durch unsere Zeit allgemein ein gewiß be-rechtigtes Seufzen über schweres Leid der mannigfachstenArt. Möge der Weg zum Frtedhof alle stärkenmit frohem, gottergebenem Glaubensmuth,der allein befähigt ist, den Frieden zu gebenin diesen Tagen und einst die stille Grab es ruh, mitewigem, seligem Frieden uns zu segnen!
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SermwrrrÄ von HilÄesheim.
Erzählung aus dem zehnten Jahrhundert von Antonie Haupt .
(Fortsetzung.)
Gerhard, der freie Inhaber des Hofes Sommcrwerk,der nur aus Freundschaft für Tammos Eltern das AmtdeS Burgvogtes übernommen hatte, durfte ein kühnesWort sich schon erlauben; darum fügte er lächelnd hinzu:
„Und im Namen Deiner edlen Frau Mutter bitteich Dich, lieber Tammo, suche Dir eine sanfte, frommeHausfrau, die Deines Herdes und Hofes fürsorglichwaltet, und die Dich von Herzen lieb hat. Das wirdDeiner rastlosen Seele Nutze geben und Deinen allzukriegerischen Sinn friedlich gestalten. Du stehst jetzt imbesten Mannesalter. Wann denkst Du an den Ehe-stand ?"
Graf Tammo verzog zwar ob dieser Rede das Ge-sicht, als böte man ihm Wermuth dar; doch Herr Ger-hard kannte seinen Liebling schon allzulange; er wußte,daß der Erbgraf verwundet sei, und zwar an schlimmerStelle. —
„Hier kann nur Eine helfen," so dachte er nichtohne Grund.
Herr Tammo schaute träumerisch in die Ferne.Auch er dachte an Eine voll Huld und Güte. Ja einholdes Bild stand vor seiner Seele. Tief im Herzenhallte ihr Name wieder.
Da horch — Hörnerklang, Hufschlags Was ist das?Da dringt fröhlich hervor aus der Waldesdämmerungein farbenreicher Reiterzug mit flatternden Fähnlein,schimmernden Rüstungen und — wehenden Frauen-schleiern.
Tammo beschattete das Auge mit der Hand undschaute schier verwundert dem rasch nahenden Zugeentgegen.
„Alle guten Geister!" rief Herr Gerhard in halbemEntsetzen, „glaube gar, der Kaiser sammt seinem Ge-folge beehrt die Sommerschenburg mit einem Besuche."
Der Graf richtete sich straff empor.
„Fürwahr. Hoch weht das kaiserliche Banner.Das sind die hohen Herrschaften. Jetzo heißt eS, Sorgetreffen, daß die Gäste wohl bewirthet und wohl beher-bergt werden." Sprach's und eilte in großer Erregunghinaus, um Anordnungen zu treffen.
Gerhard folgte in gleicher Absicht. Auf sein Ge-heiß tummelte sich eilfertig das Ingesinde hin und her.
Die Zugbrücke fiel, das Thor that sich auf vor denwillkommenen Gästen. Die hielten fröhlich ihren Ein-zug. Das ward ein lebhaft Treiben auf dem lange soverödeten Burghof.
Tammo nahte ehrerbietig dem weißen Zelter derKaiserin, kniete nieder und hielt den Steigbügel.
Die hohe Frau begrüßte den Grasen anmuthiglächelnd und sprach:
„Solch ungerufene Gäste, solch einen Ueberfall habtIhr gewißlich nicht erwartet."
Der Graf hatte sich vorher auf eine geziemendeRede besonnen, doch da er anheben wollte, traf seinBlick eine goldblonde Begleiterin Thcophanos, das machtesein Herz erbeben, machte ihn stocken, und seine Redewandelte sich in einen kurzen Spruch zum Willkom-men um.
Neues Leben zog in die so lang verlassene großeHalle der Sommerschenburg. Neben den klirrenden Rüst-ungen rauschten seidene Frauengewänder, und der zier-lich geschmückte Fuß der Hofleute schritt über die Bären-felle, welche die Sleinfliesen der Halle bedeckten. Durchdie Umsicht Herrn Gerhards war der schöne Raum gareilig zum Empfang der hohen Gäste hergerichtet; einerasch gedeckte Tafel lud zum Imbiß ein.
Nachdem die Bruder Tammo und Bernward sichumarmt und freudige Grüße getauscht hatten, sprach derjunge Kaiser lächelnd:
„Unser getreuer Lehrmeister wollte uns verlassen;er heischte Urlaub, um den geliebten Bruder und dieväterliche Burg wiederzusehen. Wir aber vermochten esnicht, uns von ihm zu trennen, und so gaben wir ihmallesammt das Geleite hierher. Da sind wir. Sehetzu, wie Ihr mit uns fertig werdet."
Auch Tammo lächelte.
„Einen bescheidenen Unterschlupf wird dieSommer-fchenburg den hohen Herrschaften sammt deren Gefolgeschon bieten. Und sollte die Burg zur Herberge nichtausreichen, so findet sich im Hofe Sommerwerk ein Un-terkommen. Was die Verpflegung betrifft" — er lachte