dicken Mauern und den kleinen, durch starke Eisenstäbegesicherten Fcnftcrchen, einen weltverlassenen Eindruckmacht. Der schönste Blick ist zunächst dem Kirchlein aufdas dunkle Thal mit seinem wilden Wasser, den weit»»«einander liegenden, ärmlichen Gehöften und dem düster-ernsten Hintergrund der sich erhebenden Felsgebirge.
Die Romantik der Gegend steigert sich. Wild undzerklüftet schauen die zerrissenen Gipfel der steil auf-strebenden Berge in das enge Thal. Wir sind in Kalt-wasser, einem großen Bleipoäwerke mit freundlichenWohngebäuden, am Zusammenfluß des Schlitz«- undKaltwasscrbaches. — Die Straße steigt und gewäbrtzwischen tiefgrüncm Nadelholz freien Blick auf die Hoch-öfen und Bleiwerke in der Thalsohle. Zahlreiche Fuhr-werke, welche mit schwerer Ladung von Zink, Blei undGalmei den Betrieb der Pochwerke und Schmelzöfen ver-mitteln, beleben die stark bergan ziehende Straße. Eineinfaches Wirthshaus trägt über dem steinernen, romanischgeformten Thorbogen eine Einladung zur küblcn Rast vordem ermüdenden Aufliege; die kunstlosen Verse — in dreiSprachen, deutsch, italienisch und slovenisch, abgefaßt —zeigen, wie enge diese drei Volksstämme sich hier berühren,oftmals ohne gegenseitig ihre Sprache zu verstehen. —Bist der Steigung erweitert sich das schluchtarkige Tbal,aber es n mmt nicht ab an Wildheit und Sterilität.Ein weites, weißes GrriMeld, unter welchem man dasWasser nur von Ferne rauschen hört, bedeckt als RaiblerGries den Thalbodm; dicke Rauchwolken, die schwer überder Häuscrgruppe lag rn, verkünden, daß wir uns Naibl,einem der größten Berg- und Schmelzwerke Kärnlens,nähern.
Ohne die herrliche Bergumrahmung näher zu be-schauen, treten wir, von Hunger und Durst nach zweistün-digem Marsche getrieben, in das erste sich öffnende Wirths-häuSchen. Qualm und Dunst füllt die Stube; eineMenge zechender Arbeiter und verschiedenes Volk sitzt aufden Bänken; die Wirthsleute begriffen nach einem einzigenBlick auf uns, daß uns diese Gesellschaft nicht zusaote,und öffneten eine Thüre zu einem nebenanstchcnden Ge-mach; aber diese Atmosphäre von Wirths-, Wohn- undSchlafstube, dieses undefimrbare Chaos von Möbeln undherumliegenden Gegenständen, ungemachten Betten flößtenoch weniger Vertrauen ein; dazu eine unheimliche,uwmicnartige Alte, die aus einem zerschlissenen Leinffttchlaufkrabbelte, und kein anderer Ausgang aus dem mitEisenstäben an den Fcnsterchen verwahrten Nuim, alsdurch die lärmende Menge, von deren slovenisch klingen-dem Idiom man noch dazu nichts verstand. Neini lieberim frischen, kalten Morgen vor dem Hause, als in dieserMäusefalle. Doch das Göscner Bier und der Weinschmeckten vorzüglich, und die Unheimlichkcit schwand mitdem leeren Magen.
Von Naibl klimmen zwei Straßen zur Höhe deSPredilpasses hinan, die Sommer- und die Winter straße.Letztere führt an dir Ufer des Raibler See's und wirdin der schlimmen Jahreszeit, solange Lawinengefahr herrscht,stets benutzt. Erstere, für den Sommer gebaut, führtrascher zur Höhe und gewährt einen wundervollen Blickauf das Raibler Thal, in dessen Bild voll Anmuth undMajestät man sich stundenlang in trunkener Vergessenheitversenken könnte. In der Tiefe der lichtgrüne, sonnen-durchleuchtete, grünumsponncne See mit seinem Jnselchcn,wo zwischen Föhrenschatten ein Nindcndach schimmert, —in mäßiger Ferne das rauchgeschwärzte Städtchen, das
sich an den Königsberg lehnt, an dessen Flanke dieschmalen Wege der Knappen und die Schlundlöcher derEinqangsstollen bis zur halben Bergesböhe binanzichen.Rund im Kranze, herrliche Contourcn im blauen Äeiherzeichnend, die großartigen Felsengeb rge: der Seckopf. dieCaningnippe, die mächtige Wischberggruppe und das Kalt-wassergcbwqe, der Albcikopf, die Zinne des Königsbcrges,die vielzackigen Lahn- und Fünsspitzcn, der grüne Prcdil,theils wild zerrissen und von Geröllhaldcn durchzogen,theils von dunklem Wald und üppiger Alpenflora bedeckt.
Wir sieben die mit Alpenrosen besäumte Predilstraßeweiter. Eine Menge Arbeiter, meist Slovenen, begegnenunserm Weg. Sie geben zum Bergwerke liinob, wo »ästdie ganze umliegende Bevölkerung als Knavpcn Beschäf-tigung findet. Jeder bringt in einem eigenartigen, gefälliggeformten, hölzernen Gefäße die Milch zur Po'enta mit,der hauptsächlichsten Nabruug der armen Bergbewohner.Nun präsent!« sich die prächtige Mangartgruppe mitihrem massigen Fclsenhaupt; entzückt ihrer weitemEntfaltung zustrebend, erreichen wir die Paßhöhe, eineStunde von Raibl, ein prächtiger Uebcrgoug, der durchdas Jsonzolhal den Verkehr mit Italien vermittelt. DaSkleine Wirthshaus am Predil mit seinen paarbenachbarten ärml chen Häusern, bat trotz seiner Unansthii-lichkcit einen regen V rlehr von Fuhrwerken und Neisr-wagen aller Art. Einen hochinteressanten Back genießtman nach Süden von der Höhe aus in das grün um-wobene, von grauen Felieumassen durchzogene Tnal. —Wunderschön gruppstt sich der Mangart, der Jaluz.Die steil abfallende Straße verfolgend, kommen w r andas kleine Fort Predil. Warnungstafeln besagen,daß es jedem Fremven verboten ist, sich in der Näheder Fortlfikation aufzuhalten oder gar eine Z ichmngdavon zu entwerfen. Hart an der Straße, an die Fe,,ungs-mauer angeleimt, ist das schöne Denkmal:
„Zur Erinnerung an den Heldentod des k. k.Jngcmcurbaiiptmamis Johann Herman v. He mans-dorf am 18. Mai 1809 und der mit ihm gefallenenKampfgenossen. Kaiser Ferdinand I."eine Steinpyramide mit sterbendem Löwen aus Metall-guß, dem Luzerner Löwendenkmal nachgebildet. An einerSlwßcnwindung, die weit in die Furche zwischen Man»gart und Jaluz cin'ch- eidct, kommen wir an die Cori-tenza, die, zwischen Geröll hervorbrechend, sich unter derStraße in einen tie'cn, von gerade aufstrebenden Felsen-mauern gebildeten Kessel in brausen!'em Falle stürzt undim tiefen Felsenbctt sich den Weg nach der bwühmtenFlrtscher Klause bahnt. Bis zu einer Entfernung vonzwei Stunden beherrscht hier das entzückte Auge tueGegend.
Die im Sonnenbrand weiß schimmernde Straßewindet sich, den Einschnitten der Berge folgend, in großenKrümmungen zur Tiefe; an ihren Saum sind die lang-gestreckten Dörfer Ober-, Mittel- und Unterprethmit ihrer kleinen Kirche malerisch gebettet; zu den schongenannten Bergkuppen treten die Confinspitzc, der prächtigeNombon. Aus dem satten Grün der Wiesen und Wälderleuchten die weißgrauen Fclsenhäuptcr und braunen Runsen,überspannt vom glänzenden Blau des südlich angehauchtenHimmelszeltes; im tiefen Felsenrinnsal streckenweise ver-schwindend, perlt der eilige Bach. Nachdem wir imtiefen Schatten des Berge- wohlthuende Rast bei frischemQneüwaffer und unsern mitgebrachten Speiseresten ge-pflogen, wanderten wir, um uoch länger des Anblickes