695
froh zu sein, bis Oberpreth; allein in Anbetracht dersengenden Hitze, die uns auf der stark ansteigenden Straßezu sehr bedrückt haben würde, entschlossen wir uns, um«zukehren. Im mäßigsten Tempo erreichten wir die Paß-höhe. Die dienstthuende Wache des Forts verfolgte langevom sonncnbeschienenen Dach aus unsere Schritte, wahr-scheinlich nur aus Mangel interessanterer Abwechslungin ihrem monotonen Dienste.
Nach Raibl zurückgekehrt, suchten wir dieses Maldas beste Gasthaus auf, welches nichts zu wünschen übrigließ und auch ein Touristenhaus zur Aufnahme vonAlpenvereinsmitgliedern besitzt. Ein Netourwagen nochTarviS wurde freudigst begrüßt, da der Rückweg dochrecht ermüdend geworden wäre.
IV.
Die Weißenfelser Seen und der VeldeS-See.
Laibach.
Die Kronprinz Rudolf-Bahn brachte uns zunächstan Station Ratschach. Das Thal von Ratschach isteinfach, aber mit schönem, weitem Blick auf die Berge:den Mangart, Ponca Delika, Duina, Fiinfspitzen undKaltwassergebirge, den Luschariberg, den Brachnik, sowieauf die schluchtartige Einsenkung, in welcher die OrtschaftWcißenfels mit ihren Gewerkschaften liegt. Ueber Wiesenwenden wir uns dem hohen Fichtenwalde zu; ein ziem-lich steiniger, mäßig ansteigender Weg führt uns demSeebach entlang, der sprudelnd, lichtblau in zahlreichenCaScaden zu Thale hüpft. Nach drei Viertelstundenstehen wir am ersten See und wenden uns, an dessenöstlichem Ufer einen schattigen Weg verfolgend, demRudolfsfelsen zu, einem Felsenriff, das beide Seentrennt und den besten Ueberblick über den zweiten, kleinerenSee bietet — ein düsteres, einsames Wasserbecken vonFichten, Lärchen und dürftigen Alpcriwicsen umsäumt.Die Wände des Mangart mit dessen imposant geformtenFelsenmassen, um den Scespiegcl ein kolossales Amphi-theater bildend, senden riesige Geröllhalden an seine Ufer.Ein schwindelnder, gefährlicher Steg führt vom See ausauf die senkrecht emporstrebenden Gipfel. Der melan-cholische Ernst dieser Natur findet auch einen Widerhallin unserm Gemüthe, und gern wenden wir uns demersten, freundlicheren Seebilde zu. Unvergeßlich bleibtmir dort die Rast auf der kleinen Halbinsel, in der ein-fachen, rohgezimmerten, von Slovenen gut und billigbewirthschafteten Ncstaurationshalle; bei gemüthlicher,herzlicher Plauderei mit Neisegenosscn überließen wiruns ganz der scelenvollen Wirkung, die der Reiz deslieblichen, anziehenden Laudschastsbildes ausübte: derdunkelgrüne, leicht gekräuselte Seespiegel mit reizendenFels- und Waldbädern in seinen Fluthen, darüber dieherrliche Mangartgrnppr, deren wilde, steil zum zweitenSee abfallende Geröll- und Schutthalden durch sanfteWaldunnanmung verdeckt sind, Ungern schieden wir vonder trauten, vom Hauch einer erhabenen, jungfräulichenNatur beseelten Stelle, um zum nächsten Zuge wiederin Natschach einzutreffen.
Die Fahrt geht weiter', vorüber an Krön au, ander Mündung des wilden Pisenza-Thales, und anMoistrana, dem Eingang des als großartig geschil-derten Urata-Thales, mit prächtigem Blick auf denTriglav, den drcigipfcligcn Vergriffen Oberkrains. BeiStation Lees vertauschen wir das rauchige Bahncoupsmit dem offenen, luftigen Postwagen, der uns westlich
über die Save in einer halben Stunde nach VeldeSbringt, das als die Perle, das Paradies Oberkrains be-zeichnet wird. In der That ein wunderliebliches See-bild: groß, tier, leise bewegt, in wunderbaren Tintenspielend, die wcchselvollen Usergelände im klarsten Spiegel»b-ld aufnehmend. Eine Kahnfahrt auf den krystallenenFluthen bringt uns auf die reizende, kleine Jnel, einenmitten im See aufragenden bewaldeten Bcrgkegel; ge-krönt durch die Wallfahrt Maria im See. Ein schat-tiger Weg, vorüber an einer Lourdeskapelle, die zu frommerErinnerung an eine Prinzessin Windisch-Grätz , geb. Oct-tingen-Spielberg, erbaut ist, führt einerseits zur Kirchehinauf, während an der andern Seite unmittelbar ausdem See eine-breite, 98 Stufen hohe Steintrepve zumKirchenplateau aufsteigt. Dieselbe zeigt uns in einer ander Mitte derselben seitwärts angebrachten Inschrift denNamen und die Widmung des Erbauers, nebst Jahreszahl.Die Kirche selbst besitzt einen reich vergoldeten Altar mitMarmormosaik; neben der Kirche ist der dicke, viereckigeThurm mit dem Wunschglöcklein, dessen Heller Silber-klang die Erfüllung der mannigfachen Wünsche der armenErdenkinder vom Himmel gewähren soll. Schade, daßich im rechten Augenblicke mit der Legende nicht betrautwar und erst später davon erfuhr, als die unregelmäßigen,hellen Glockenschläge, die bei unserer Rückfahrt über denSee zitterten, mir auffielen. Mein Herz hätte wohl auchUrsache gefunden, das Wunderglöcklein zu erproben. DieAussicht von der Höhe des lieblichen Eilandes ist fesselnd.Im Osten erhebt sich auf einer höchst malerisch gestal-teten, 120 m hohen, senkrecht dem See entsteigendenFelswand das alte, aber wohlerbaltene, nun einem WienerBankier gehörige Schloß Veldes; lieblich bewaldete Uferbergen den Ort mit der höher gelegenen Kirche; im An-schluß ein Kranz von Villen, eleganten Bade-EtablissementSund parkartigen Gärten — das Louisenbad, die Espla-nade Mallner rc. Darüber erhebt sich ruhig und ernstin mäßiger Ferne das kahle Gebirge, nordöstlich derprächtige Stou; in der westlichen Senkung zeigt sich derweiße Scheitel des felsengezackten Triglav; südlich be-zeichnet ein jäher Absturz der Berg- und Hügelkette dieMündung des Wocheiner Thales.
Unser kleiner Slovcne, der die Zeit im sonnen«beschienenen Kahn verschlief, brachte uns ungefährdet anseines Vaters Häuschen zurück, an dessen Außenseite einuraltes, in Stein gemeißeltes Marie: bild eingefügt istund dasselbe als das Heim einer alten Bildhauerfamiliekennzeichnet.
Im Schatten hochgewötb'er Baumkronen verfolgenwir noch lange die den See umkreisende Straße, bisHunger und Müdigkeit uns zurück in's Louisenbad führen.Die Abendsonne in ihrem verglimmenden Roth malt denScheitel der Berge, Friede athmet der duftige See;stimmungsvoll erzittern fernhaltende Klänge einer Kur-musik, dazu das Geplätscher der am Kiel des Tschinagl(Kahn) sich brechenden Wellen. Selbst das rege, sajhio-nable Badeleben und das stillgeschäitige Treiben in dernahen, äußerst reinlichen und schmucken Musterküche desHotels sind nicht im Stande, diese Poesie zu stören.
Die Abendvost bringt uns wieder zurück nach Lees,wo wir bei stockfinsterer Nacht noch in das Dorf wandern,um im Touristenhause des sehr empsehlenswerthcn Gast-hofeS von Wucherer nach des Tages Mühen und Genußgute Verpflegung, vortreffliche Weine und angenehme Ruhezu finden. Leider nicht zu lange, da der erste Frühzug