Ausgabe 
(2.11.1894) 89
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zur Weiterreise nach dem Süden benutzt werden mußte. Morgengrauen und dichter Nebel verhüllt die Land-schaft und begünstigt eine kleine Huldigung, die wir demzu früh entronnenen Gotte Morpheus nachzubringen hatten.Das mächtige Rauschen der Save dringt in unsere Träume,und wir bemerken, daß dieselbe eng gebettet zwischen denKarawanken und Julifchen Alpen neben der Bahn dahin-stürzt. Enge Thalspalten zwischen den Ausläufern derTcrglougruppe gestatten prächtige Blicke auf den sie be-herrschenden Berg. Wir kommen nach Krainburg,der frühern Herzogsstadt, die, bespült von zwei Flüssen,der Save und der sich in erstere ergießenden Kanter, auffreundlich bewachsenem Felsvorsprung, recht hübsch er-scheint. Den Hintergrund deckt ein Kranz von Bergen,während südlich die sich öffnende weite Ebene freien Aus-blick gestattet. Das Wetter klärt sich; schon in Bi-sch oflack zeichnen sich, trotz der in der Tiefe liegendenNebel, die Contourcn der Gebirge am reinen Morgen-himmel; bei Zwischen wässern sehen wir hell undfreundlich die hohe Wallfahrtskirche am waldigen Smar-nagera (Smarrcnberg) über die weite Landschaft erglänzen.Die aufsteigende Sonne erdrückt das Nebelmcer; in rein-stes Sonnengold getaucht, erscheint Feld und Flur unddie zerstreuten Ortschaften und Kirchen, während Nosa-duft die starren Gebilde der Karawanken milde um-leuchtet.

Wir sind in Laib ach, der lebhaften HauptstadtKrams; weitläufig, in großartigem Maßstabe angelegt,gruppirt sie sich um den die Stadt hoch überragendenSchloßberg. Derselbe, ein langgestreckter Bergrücken mithübschen Promenadewegen, trägt an seinem der Stadtzugewendeten, jäh abfallenden Ausläufer das ehemaligeSchloß, nunmehr Staatsgesängniß. Eine breite, vonhohen alten Bäumen beschattete Fahrstraße führt hinaus;gerne wird Touristen die Erlaubniß zum Eintritt be-willigt, und wir erfreuten uns hier der prächtigsten Fern-sicht. Auf der weiten Fläche, nördlich das Laibacher Feld,südlich das Laibacher Moos genannt, lagern zarte Nebel-schleier, vom Sonnenduft goldig durchwoben; gleich freund-lichen Oasen entsteigen demselben die Ortschaften, dieblinkenden Thürme, die noch weit Verfolgbare Trace derEisenbahn; ein vielfach geschlungener Gürtel stets höheremporstrebender, oftmals durch weithin sichtbare Kirchengezierter Bergspitzcn, überragt von den feinen Linien desKosciutagcbirgcs und der Steiner Alpen mit dem Grin-touz, begrenzen den Horizont; märchenhaft, ein bleicherGeist, entsteigt in fernem Nordwest der mächtige Triglavdem Dunst-, Wald- und Hügclmecre. Belebend sind diehübschen Einblicke in die Straßen und Plätze der Stadtund in ihr buntes Getriebe, das heute durch Abhaltungeines Katholikentages, welcher 23000 Gläubige, großen-thcils slovenische Geistliche, vereinigte, noch erhöht wurde.

Da wir schon um 6 Uhr angekommen und bis Mit-tag blieben, hatten wir Zeit genug, uns die vorzüglich-sten Merkwürdigkeiten der Stadt anzusehen, unter denender Valvasor -Platz mit der Statue des Vodnik, der Dom,ein Nundgewölbe mit hoher Lichtkuppel, die schattigeStern-Allee mit der colossalen, 2 m hohen BüsteNadetzkh's, aus Bronze auf einem Stein-Sockel,die Deutschordenskirche mit der Gedenktafel von Anasta-sius Grün besonders ausfielen; längs des Quai an derrauschenden Laibach reihen sich die zahlreichen, reinlichenDerkaufsstände mit reichhaltig und auserlesen angehäuftenDictualien aller Art. Durch die Lattermanns-Allce gingen

wir noch nach Tivoli an das Nadetzky-HauS. Auf derbreiten Schloßterrasse, umgeben von hübschen Garten- undPark-Anlagen, prangt die vergoldete Statue Radetzky's aufweißem Marmorsockel mit der Inschrift:Soldaten, derKampf wird kurz sein Nochmal folgt Euerm greisenFührer zum Sieg Armeebefehl vom 12. März 1849."Seitwärts liegt recht hübsch die für großen Besuch be-rechnete RestaurationSchweizerhaus"; ein herrlicherPark führt zur Höhe, zum Rosenbichl, mit weiter Aus-sicht, dem Schloßberge gegenüber.

Nur slovenische Laute umtönen das Ohr, mit denensich unsere Zunge umsonst abquält, wie: lekriria,Apotheke, vrtuarija Gärtnerei, tr§ kriseovinski deutscher Platz, ^xäokovatslja. BcfcncrZeuger, N-chtraucherconpv rc. rc. Mankonnte sich nur an gebildete Leute wenden, von denen mansicher war, deutsch verstanden zu werden, wenn man eineAuskunft wollte. Sehr liebenswürdige und zuvorkom-mende Winke ertheilte uns der Vorstand des dortigenAlpenvereines, Herr Or. Bock, besonders was die Be-sichtigung der Grottenwelt des Küstenlandes betrifft.Durch seinen eindringenden Rath aufgemuntert, ver-säumten wir nicht, die neu erschlossene Grotte von Otok,sowie die St. Kanzians-Höhlen bei Divaoa, trotz allesSchauerlichen, das uns von letzteren bekannt war, demBesuche der Märchenwelt von Adelsberg hinzuzufügen.

Noch am selben Nachmittage entführte uns dieBahn über die mächtigen Viaducte in doppelter Bogen-stellung, die bei Franzdorf das Laibacher Moor über-brücken 25 Bogen, 38 in hoch und 569 m langnach der Höhe des Gebirges; in großen Windungen mitschönen Rückblicken auf die Laibacher Gegend bis zumGrindouz, erreicht sie bei Planina-Nakek den Scheitelder Berge; hohe Fichtenbestände, mit breiten aus derErde wachsenden Felsstücken vielfach durchsetzt, umsäumendie Bahnstraße; üppige Waldvegetation, von graublühcn-der, wilderClcmatis und andern Schlinggewächsen durch-wuchcrt, sichert dem Auge einen wohlthuenden Nuhepunkt.

Wir sind in Adelsberg, unserm heutigen Reiseziel.

(Fortsetzung folgt.)

-8-WWS-"--

Schachaufgabe.

Schwarz.

4 L e o L d' (- L

LL- M

Weiß.

Weiß zieht an und setzt in 3 Zügen matt.

--EZS--