709
Feurig rief Heribert:
„Da sprecht Ihr wahr! Ein Jünger der Liede istder Herrliche auch. Tag für Tag, sobald er Gott inAndachtscifer gedient hat, hört er die Klagen der Preß-lüften und Bedrückten, schirmt er mit Klugheit undNachdruck deren Rechte. Darauf sucht er die Hüttender Armen auf und giebt täglich über hundert DürftigenSpeise und Trank. Allen Unterthanen, so von Nothheimgesucht sind, verschafft er durch Geld und Unter-stützungen Hilfe und Erleichterung. So versieht er inuneigennütziger Liebe das Hirtenamt seines Sprengels.Das hindert ihn nicht, als Fürst des Reiches eine Stützedes Kaisers und der deutschen Lande zu sein und be-sonders dem jungen Kaiser kraftvoll mit Rath und Thatzur Seite zu stehen."
„Dem kaiserlichen Herrn thut guter Rath und HilfeNoth", äußerte ein dunkellockiger Edelpage lombardischerHerkunft. „Herr Otto hat heute Großes im Sinn;denn angezogen vom Ueberirdischen, hat er, das weißich, drei Tage und drei Nächte lang gefastet und ge-wacht."
Der Mainzer unterbrach ihn lachend:
„Um heute nach der prachtvollen kirchlichen Feierauch weltlich mit um so größerem Prunk das Pfingstfest,die Herabkunft des heiligen Geistes zu feiern! Mir warein Blick in den Fcstsaal vergönnt, da sah ich genug."
Der lombardische Page ließ sich nicht beirren.
„Mein kaiserlicher Herr hat sich durch dreitägigesFasten zu Großem vorbereitet. Er hat, das weiß ich,Ernstwichtigcs vor."
„Seht, seht," so raunte Heribert rasch dem Aache-ner Nathsherrn zu, der stattliche Ritter, welcher so selbst-bewußt, mit edler Haltung die Halle durchschreitet, istder kaiserliche Trnchfeß, Graf Tammo von Sommer-schenburg, der Bruder unseres Bischofs. Wen mag erhier unten suchen?"
Des Kmistjüngers Frage wurde sogleich durch denGrafen selber beantwortet.
„Lieber Heribert," also redete er den Jüngling an,„der Kaiser hat von Euerer Saugeskuust vernommenund will ein Lied von Such hören. Nehmt das Saiten-spiel und folget mir."
Jung Heribert suchte schweigend seine Harfe undbeeilte sich, der Weisung nachzukommen.
(Fortsetzung folgt.)
- -«—> -
Bilder M!Z Stcr'ern-.ark, Körnten und demKiisirnlMde Kram.
Bon C. Mayer.
(Fortsetzung.)
V.
Adclsbcrg und die Tropfstein-Höhlen.
Adclsbcrg! ein Ruf, der viclrerhcißcnd unsermOhr erklingt; eine neue Welt, mysteriös und märchen-haft, — die Resultate eines neuen Wissensgebietes —die Wunder des Erdiuncrn — die grotesken Höhlcn-bildungen des Karstes, — dies alles tritt mit diesem Rufevor die Seele. Voll freudigen Ahnend ob eines nochnie gesehenen Naturschauspiels betreten wir den gcheimkiiß-reichen Boden; unsere Vorstellungen und Erwartungensollten aber noch übertreffen werden.
Die Adclsbcrger Tropfstein-Höhlen, schon im Mittel-
alter bekannt, sind zwar schon seit Anfang dieses Jahr-hunderts, seit 1818, neu entdeckt und vielfach besucht undbewundert; die alpine Forschung indeß wendete sich seitnoch kaum einem Jahrzehnt neuerdings diesen hoch-interessanten Entdeckungsfahrten zu, brachte ihnen dasregste Interesse mit Ueberwindung hoher Gefährlichkeitentgegen und lenkte die Aufmerksamkeit des touristischenPublikums, dem heute dieses Höhlengcöict durch ausge-zeichnet sichere Weg-Aulagen zugänglich gemacht ist, aufdiese einzig dastehende Eigenart des Karstgebirges hin.
Adelsberg, so hochinteressant durch seine Grottenwelt,ist ein wohlgebauter, freundlicher Ort und fesselt durchseine landschaftlichen Reize; es verlohnt sich wohl, dortfür ein paar Tage Absteigequartier zu nehmen. ImGasthose „Zur ungarischen Krone" von Donat fandenwir aufmerksame, in jeder Hinsicht zufriedenstellende undcmpfchlenSwerthe Bedienung. Da fast jedes Jahr, wiejetzt schon seit Wochen, inanovrirende Truppen dort sind,fehlt cs dem Orte auch nicht an Lebhaftigkeit und Kurz-weil mannigfacher Art.
Ein Spaziergang auf den den Markt überragenden,672 m hohen Schloßberg — Sovic — sollte mir denBlick über die Landschaft eröffnen. In steiler Seiten-gasse, zwischen ärmlichen Häusern, auf deren Thürpfostenblasse Kinder spielen, gelangt man zu einem schön an-gelegten, von Linden und Akazien beschatteten Promenade-weg, der bald einen prächtigen Ucbwblick gewährt. Einüppig grünes Wicsengcsilde, von der Poik lieblich durch-schlängelt, liegt ausgebreitet vor dem befriedigten Blick.An den dicht bewaldeten Bcrglegel schmiegt sich der freund-liche Ort mit der doppelthürmigen Kirche und mehrerenansehnlichen Gebäuden; von ihm zieht die weiße Neichs-ftraße, von hohen Baumkronen umdunkelt, nach dem nahenDorfe Otok, mit spitzem Kirchthnnne, freundlich an dasunwirthliche Gestein des Karstes gebettet. Auf der Spitzedes Soviü taucht altes Gemäuer aus hellen: Grün, diekleinen, aber malerischen Neste der einstigen festen BurgAdclsbcrg, die weite Gegend beherrschend und zu un-gestört einsamer Rast ladend. In der Ferne haftet derBlick an den weichen Linien der Gebirgskette; im Süd-westen strahlt der NanoS, ein gewaltiger Bergrücken, imSonnenschein.
Der Weg wird zum schmalen Fußpfad; zwischenjungen Föhren- und Wachholdersträuchcrn leuchtet dieglänzende Sonnendistcl im Verein mit einer dem Karsteeigenen, hochgcstielten Distclart mit großen, intensivblauen Sternen; Vogelbeeren glühen zwischen HellemBirken- und Ataz-engnin; die Grille zirpt im hohenGrase, und dicht neben all dem falten Leben dieser üp-pigen Vegetation — die Ocde des Karstes, der dem vonLaibach kommenden Reisenden hier zum ersten Male ent-gegentritt, — starr, umvirthbar, mit zahllosen unregel-mäßig verstreuten Fclsblöckcu und Steinschliffcn zwischendem grauen, kurzen Grasboden. Spicllcnte üben hierihre Fcldruse und schmettern und trommeln lustig Signaleinmitten der Skcinlrnmmcr; vom Wicsengrnnd herauftönen Commandornse und Salvengcknattcr der Felddienst-übungen. Trunken vom schönen Bilde in sommerabend-lichcr Stimmung kehrte ich von meinem Rnndgang zumMarkte zurück.
Der Grotten besuch ist vollkommen geregelt. Eineeigene Grottenverwaltnng ist in entgegenkommendster Weisebemüht, den Besuch der bcwnndcrnswcrthcn Tropsstcin-Höhlcn zn vermitteln. Täglich zu bestimmten Stunden,