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meist nach Ankunft der Vormittagszüge, versammeln sichdie Grottenbesucher auf dem geräumigen, kühl beschattetenPlateau über der Felshvhle, in welcher die Poik bei ihremEintritt in die Unterwelt verschwindet. Da wir mit demNachmiltagszuge von Laibach gekommen und noch gut ander Zeit waren, folgten wir dem vorerst eingeholten Rathedes Herrn Or. Bock, AlpeiivercinSvorstaudS der ScctionKüstenland in Laibach, welchem wir dafür außerordentlichzu Dank verpflichtet sind, und besichtigten noch am selbenAbend durch freundliche Vermittlung und in Gesellschaftdes Grottenkassicrs Herrn Jnrza in AdelSb.rg die nahe-gelegene Otoker Grotte, den Besuch der größerenAdclSbergcr Höhlen auf nächsten Morgen »ersparend.
Der angenehme, ungefähr ^ Stunden weite Gangzu diesen Höhlen, nächst dem Dorfe Großotok, ist wunder-schön und interessant, dort, wo unter der erstarrten Natureines felsübcrsäetcn Bergrückens die Thore zur Unterweltsich öffnen. Eine Ahnung von dem Vorhandensein derOtoKr Grotte war in den Forschern durch den unter-irdischen Laus der Poik in unzugängliche Abzweigungendes AdclSbergcr Höhlcngebictcs schon aufgedämmert; undgroß war die Freude der ärmlichen Gemeinde von Groß-otok, als am 18. August 1889 der Eingang zu den aufihrem Grunde liegenden Grotten vorn Tageslicht ausgesunden wurde. Ein Inwohner Großotoks, welcheraufmerksam das Terrain, hauptsächlich bei Ablauf vonRegen- und Schncewasser, beobachtete, hatte den Einganggesunden. Eingeweiht und eröffnet wurde dieser Grotten-complex am 12. März 1890, und es ist dieser streb-samen Gemeinde, die zur Erschließung der Grotten undHerstellung von angenehmen, sicheren Wegen rc. rc. ihreOpfer brachte, so recht von Herzen zu gönnen, daß durchvermehrten Frcmdcnbcsuch ihre Mittel zur Wciterforschunggehoben würden, was ja jedem einzelnen Besucher selbstzu Gute käme. Sie bieten ein entzückendes Cabinet vonaußerordentlichen Naturraritäkcn.
Wunderbar schön in ihrer Jungfräulichkeit, zart,unangetastet, wie weißer Filigran erglänzend — genießtdie Otoker Grotte den Vorzug der Reinheit und lir-sprünglichkeit dieser Natur-Erscheinungen. Welch eineFülle von Pracht und Anmuth ist ausgegosscn in denherrlichen Gebilden vorn größtcnthcilS zartesten, durchsich-tigsten Weiß bis in das tiefste Braun, vorn Blaßros»bis zur dunkeln Nostsarbe. Dome, labhrinlische Gänge,wundersam geformte Stalagmiten und Stalaktiten, durch-sichtig sein wie Vorhänge. Draperien von dahinter gehal-tener Fackel matt durchleuchte, reizend in ihrem voll-ständig iiitactcn Snnlcnbau — begeistern, bezairberri sie denahnungslosen Beschauer. Wird einst, wie projectirt, dermitcrirdischc Zusammenhang zwischen der Adclsbcrgcr undOtolcr Grotte gefunden und hergestellt sein, so bin ichüberzeugt, deß letztere, trotz der sie an imposanten Räum-lichkeiten und Ausdehnung weit übertreffenden AdclSbwgerGrotten, ein in Zartheit, Reinheit und Jungfräulichkeitprangendes Schmuck'ästlcin im ganzen Grottencomplexebleiben wird.
l?ro1ou8 angrriuous, Grottenolche heißen molch-artigc, blinde Thiere, dir sich in den dort befindlichenWasserreservoirs hcrnmschlängclü. Merkwürdig, wie derSchöpfer solche ini Finstern der Erde entstehen undNahrung finden läßt; sie sehen ganz weiß aus, beiTageslicht durchsichtig rosa und sind in ihrer Gestaltungäußerst seltsam und interessant.
Eine Stunde freudigen Bewnuderns war rasch ent-
schwunden, und ungern trennten wir uns von demkrystallenen Märchentempcl. Es war inzwischen Nacht ge-worden; der Mond leuchtete feenhaft vorn dunkelblauenFirmament und erhellte die Spur für den vorsichtigtastenden Fuß. Aus den Zeltlagern längs des Poik-flusscs tönten die Gesänge der bivouakirenden Mann-schaft. Eine gehobene Stimmung und freudiger Dankfür unseren trefflichen Führer beseelte unsere Gesprächeund begleitete uns zur nun nothwendigen Ruhe.
Nach wohlgepflegter Rast begaben wir uns andernMorgens zur Besichtigung der Adelsbergcr Grotten.
Eine Anzahl Personen, ich schätze 30—40, darunterviele Geistliche, vorn Laibachcr Katholikentag kommend,trafen sich auf dem eine gute Viertelstunde vom Markteentfernten Sammelplätze, 19 in über der Schlundhöhledes Poikflusscs. Alles harrt in fast ungeduldiger Auf-regung der Eröffnung des eisernen Gitterportals, dasden Eingang durch das gothische Naturfclsenthor ab-schließt; der herrliche Ausbau desselben, die geheimniß-volle Höhle, in die an der Thalsohle das dunkle Gewässerder Poik eindringt, reizt die Neugierde der Versammelten.Schon haben sich Händler ctablirt, die Photographienund Broschüren, glänzende Tropfsteine, zum Theil alsNadeln und Broschen gefaßt, jedoch ohne Aufdringlich-keit, feilbieten. Die Grottcnsührcr, die bereits durch diekleine eiserne Thüre nebenan eingetreten sind und dieVorbereitungen zur Erleuchtung der Grotten getroffenhaben, fordern nun zum Eintritt auf. Nach kurzemGang im erweiterten Höhlenranme befinden wir uns imgroßen Dom» 22m hoch und 48 m breit, einerweiten, hohen Halle. Elektrische Bogenlampen beleuchtenmit magischem Effect die imposanten Wölbungen undzahlreichen Seitcngnllerien, ohne das Geheimniß der un-zugänglichen Vertiefungen und Verzweigungen des hehrenRaumes ganz zu lüften. Künstliche und Naturbrückengeleiten uns über den Höhlcnfluß, dessen dunkles Ge-wässer die zahlreichen Lampen widerspiegelt, die seinenLaus im unterirdischen Fclsenbctt erhellen, bis ewigeNacht in einem tunnekartigen Grottcngang ihn dem Blickentzieht.
Wir steigen nun empor zur Kaiser Ferdinand-Grotte. Wie nuten eine Marmortafcl, so bezeichnet hierein Monument den einstigen Kaiserbrsnch. Hier beginntauch eine Nolleiscnbahn, die 1600 m in das Bcrgimrcredringt und die wohlgcpslcgtcn Wege eine große Streckebegleitet. Bequemen oder nervösen Personen oder solchen,die schlecht zu Fuß sind, ist sie sehr zu empfehlen, wäh-rend nur einigermaßen rüstige Fußgänger die Znrück-lcgung der Strecke aus den reinlichen, trockenen, wohl-gcsicherten Wegen vorziehen werden.
Die Kaiser Ferdinand-Grotte, 13 m hoch und 148 mlang, besteht aus einer Reihe von Hallen. Hohe luftigeDome wechseln mit niederen Gangen, deren gothischeSpitzbogcnwölbungcn durchaus mit formcnrcichen Stalak-titen decorirt sind. Eine Reihe absonderlicher und merk-würdiger Tropssteinbildnngcn sind mit Namen belegt, jenach Ähnlichkeiten in der Außenwelt, die sich dem Be-schauer aufdrängen oder welche die Phantasie ausklügelt— wie das Grab, der kleine Calvaricnberg, die gothischeSäule, der schiefe Thnrm von Pisa, die Mariensänle undungezählte andere Gebilde. Die Herrlichkeit, die Mannig-faltigkeit, die Großartigkeit der Adelsbergcr Höhlcnränmeund Trvpsstciiihänsungen, von den feinsten Bildungenbis zum massigen, hochaufstrcbendcn Snnlcnbau, zu schil-