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„Dieses Kreuz will ich tragen zum immerwähren-den Gedächtniß an diese weihevolle Stunde und zurErinnerung an das Leiden unseres Gottes, unter dessenschweres Kreuz ich mein eigenes leichtes Kreuz stellen will.
„Großer Kaiser Karl, ich möchte würdig werden,dereinst an Deiner Seite zu ruhen."
Mit einem letzten langen Blick nahm er Abschiedvon dem Todten und winkte schweigend den Andern, ihmzu folgen.
Draußen stand Heribert noch betäubt von der Wuchtder auf ihn hereingestürmten Empfindungen, als KaiserOtto auf ihn zutrat:
„Junger Schüler des vortrefflichsten Meisters, ichwill der Hülle des großen Kaisers ein Ruhelager geben.Jünger Bernwards, getraut Ihr Euch in edler Arbeiteinen Sarkophag zu vollenden, der geeignet wäre, desKaisers Leichnam zu umschließen?"
„Dazu fühle ich Kraft und Begeisterung in mir,"versicherte Heribert in stolzem Glück.
Eingangs. In diesem Raume haben früher Höhlen-menschen gehaust. Ein großer Haufen verschiedenartigerThierknochen, zu welchen man auf ein paar Stufenhinansteigt, sorwc vor demselben eine Menge gesammelterScherben von Thongefäßen und andern Gerathen, auchan der Wand Schichten von Aschenresten zeugen von deneinstigen Bewohnern. Ob sie seinerzeit durch das ein-dringende Hocbwasser von der Außenwelt abgeschnittenwurden — ob sie in einer nach rückwärts gelegenenSeitenkammer der Grotte ihre Todten bestatteten — werann das sagen? Genug, man fand fünf vollständigemenschliche Skelette, die im Museum von Trieft auf-bewahrt werden. Während wir nun, soweit die Tages-helle es erlaubte, uns die Merkwürdigkeiten unweit desEingangs der Höhle betrachteten, zündete der Führer dieFackel an, um un^ in die rückwärts gelegenen Räumeder 600 in tiefen Grotte zu geleiten und deren verschie-dene Theile, sowie die zahlreich von der Decke herab-hängenden Stalaktiten zu beleuchten; ein großes Tropf-
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Das Stammschloß der
Sprach Otto:
„So sei Euch der Auftrag dazu ertheilt. Auf dieHildesheimer Kunstschule setze ich Vertrauen."
(Fortsetzung folgt.)
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Bilder aus Steiermark, Körnten und demKüstenlande Krain.
Von C. Mayer.
(Fortsetzung.)
Nun wieder durch den Stollen aufwärts und überdie Tomasinibrücke zurück. Ein dem Felsen abgerungenerWeg führt uns dstect an die Tominz-Grotte, die ersteder großen Felsenhallen, die wir zu sehen bekamen. Unterdem Eingänge, 10 m hoch und 20 irr breit, hcUgt eingroßer Stalaktit, von welchem das tropfenweis abfallendeWasser in einem schalenartigen Becken als Trinkwasser ge-sammelt wird, welches zu kosten ein angebrachter Becherauffordert. Der Brunnen ist zugleich eine Zierde des
steingebilde in der Mitte der sich nun in zwei Gängetheilenden Höhle hieß er den Löwen. Nachdem er unsnoch das Ende des einen langen Ganges mit seinen Aus-waschungen und Tropfsteinbildungen beleuchtet hatte, kehrtenwir zum Eingang zurück. Staunen erregten die dort an-gebrachten Erinnerungszeichen an Wasserhöhen, nach wel-chen die Reka noch über den Eingang der Höhle hinwegdie weite Doline 70 rn über dem Grund derselben in kaumglaublicher Höhe ausfüllte. Wir betreten den 80 mlangen Plenkersteig. Derselbe ist in eine senkrechteFelswand unterhalb der Stefanien-Warte eingesprengtund zieht zuerst über Stufen, dann horizontal an derglatten Felswand hin; tief unten blinkt der See, gegen-über braust der Wafserfall unter der Tomasinibrücke.Während wir, vorsichtig uns an die Drahtseile haltend,dahinschreiten, erläutert uns der Führer die Veranlassungzu einer angebrachten Warnungstafel, nach welcher diezuständige Behörde das Baden im See untersagt, weilein junger Mensch, des Führers eigener Sohn, der un-vorsichtig badete, vor ein paar Jahren dort ertrunken ist.