Ausgabe 
(16.11.1894) 93
Seite
722
 
Einzelbild herunterladen

Das that Klaus vom Nheine gar willig und nicht»hne Selbstgefühl.

Lächelnd schaute Herr Bernward ihm zu, wie erdie Kohle handhabte, und wie er gewandt seine Strichezog, lauschte er, wie Klaus wortreich in Begeisterungseine Kenntnisse über Malerei auskramte.

«Das gefällt wir wohl. Du zeigst eine gewisseScharfsinnigkeit. Wenn Du versprichst, fleißig und vongutem Wandel zu sein, wagst Du hier bleiben; auchsollst Du etwas bet uns lernen," sprach er freundlich.

Klaus vom Rheine versicherte glücklich:

Ich werde wir alle Mühe geben, hoher Herr."

Dem Bischöfe aber dünkte etliches befremdlich.

Warum, mein Sohn," so fragte er,birgst Dudie linke Hand fortwährend in den Falten Deines Man-tels, anstatt Dich ihrer zur Beihilfe zu bedienen?"

Da flog heiße Rothe über des Jünglings Antlitz.Er senkte den Kopf und entgegnete leise:

Weil ich die linke Hand und den linken Arm nichtmehr habe, seit ich in unserer in einer Burg, allwoich die Kapelle mit Begebenheiten aus der biblischenGeschichte ausmalen wollte, vom Gerüste fiel. Und daich aufstand, war ich ein Krüppel. Hoffte, Ihr solltetmein Gebrechen nicht wahrnehmen."

Tiefes Erbarmen, inniges Mitleid leuchtete ausden milden Augen Bernwards.

Laß Dich durch solches nicht kränken.Wen derHerr lieb hat, den züchtigt Erl" So wird Er Dein Unglückauch zum Besten lenken. Komm mit mir", ermunterteer und schlug den Weg zu einem großen Gebäude ein.

Das war fester gefügt, als die übrigen, seine Schloterauchten. Hier wurde Erz gegossen und Metall künst-lerisch verarbeitet. In einem großen Saale waren Jüng-linge beschäftigt, aus Kupfer und aus Silberplatteneinen mächtigen Kronleuchter zusammenzusetzen. Einbreitschultriger Lehrmeister mit klugen braunen Augengab genau Acht auf eines Jeden Arbeit, auf daß Allesnach dem Plane Herrn Bernwards vollendet werde.

Dieser ist Herr Dtethelm vom Hofe Sommerwerk,wein Landsmann, ehemals mein Jugendgespiele und heutemeine rechte Hand in der Kunstschule", erklärte derBischof mit Wärme. Dann wandte er sich an denMeister.

Diethelm, Du sagtest, daß Du einem begabtenfahrenden Schüler wohl ein Kämmerlein, ein Obdach inDeinem gottesfürchtigen Hause geben wolltest, sintemalendie Zellen in der Domschule alle besetzt sind. Hierbringe ich Dir einen Jüngling; den glaube ich als vonguter Zucht erkannt zu haben. Er heißt Klaus undversteht etwas von der Kunst des Malens, wenn auchjust nicht soviel, wie er vermeint." Hierbei flog einkaum bemerkliches Lächeln über des Bischofs Antlitz.

Willst Du ihn aufnehmen?"

Nach einem langen forschenden Blick Klausnannte den Blick mark- und beindurchbohrend äußerteDiethelm:

Er soll wohl gehalten werden unter meinem Dacheund soll gleich zum Mittagsmahl mit mir in's Hausgehen."

Die Angelegenheit war zur Zufriedenheit erledigt.

Herr Bernward begab sich dann, bald lobend, baldbelehrend, von einem der Schüler zum andern und schrittdarauf in eine Zelle, so hart an den großen Saal grenzte.

Hier waltete sein blonder Jünger Heribert, jener

Lieblingsschüler, der am verständnißvollsten die Gedankendes Meisters erfaßte und ausführte,

Es war dort ein rechtes Künstlerheim. Entwürfeund Modelle zu kirchlichen Geräthschaften und Zierathenin Zeichnungen und in Thon ausgeführt hingen undstanden rings umher.

Mein hoher Herr, sehet, die Mischung ist gelungen,"rief Heribert dem Eintretenden entgegen und zeigte einStück Edelmetall von Heller Farbe. Das Metall schim-merte schön golden und silbern.

«Ja, die Zusammensetzung ist geglückt, wie ich eserhofft," sprach Bernward.So wollen wir auch diesenLeuchter," er deutete auf ein bildnerisch schönes Thon-modell,aus solcher von uns erfundenen Masse gießen.Hier an den Capitalen und am Fuße wollen wir dieInschrift anbringen:Bischof Bernward ließ diesenLeuchter im ersten Aufblühen der Kunst nicht aus Goldnoch aus Silber, sondern aus dem Stoffe, wie Du siehst,durch seinen Schüler schmelzen."" Etwa so l"

Und der Bischof begann die Inschrift tief in latei-nischen Worten in das Thonmodcll zu ritzen.

Mein Herr und Meister, das wird am morgigenTage schon ausgeführt und soll am Feste der HeiligenKosmas und Damian gegossen werden", rief Heribertbegeistert.

Bernward lächelte ob des Eifers seines geliebtenSchülers, der Großes zu vollbringen im Stande war.

Wollte, mein Heribert, Alles gelänge Dir so, wiejust eben in Aachen der wahrhaft schöne Sarkophag Karlsdes Großen! Du hast mit dem herrlichen Stück in ge-triebener und gegossener Arbeit wahrlich dem KaiserOtto, wie mir selber, hohe Freude bereitet."

Die Arbeit wäre mir nicht gelungen ohne Euch,mein Herr und Meister", sprach Heribert und schauteinnig zu dem Kirchenfürsten auf.

Wie bleich und durchgeistigt war doch dessen edleSAngesicht. Ja dunkle Schatten lagen unter den glänzendblauen Augen, und eine Leidensfalte zog sich an denMundwinkeln hin.

Herr, es will mich bedknken, als ob Ihr EuereKräfte mehr schonen solltet", wagte Heribert schüchternund erröthend zu bemerken.Ich weiß, daß Ihr dienächtliche Ruhe unterbrechet, um im Gebete Gott zudienen, und daß Ihr schon beim ersten Hahnenschreiwiederum laut die Psalmen betet, bis Ihr alsdann mitden geistlichen Brüdern Euch in's Capitel begebet. Viel-lieber Herr, das hält Euer Körper nimmer aus."

Ein stilles Lächeln zeigte sich auf des Bischofs mil-den Zügen.

Seit wann giebt der Lehrling seinem MeisterRathschläge?" fragte er.Lieber Heribert, ich thuenicht mehr, als mein himmlischer Vater von mir begehrt.Damit sollst Du beschicken sein."

Er wollte gehen. An der Thür aber wandte ersich noch einmal um und sprach freundlich:

Wenn die Sonne zur Rüste geht, und wenn DuDein Tagewerk beschlossen hast, so komme auf meineArbeitszelle. Dort werde ich mit Gottes Hilfe ein Kunst-werk vollendet haben, dessen Anblick Dir Freude machensoll.«

Heribert nickte glücklich. Die Erwartung sprach auSseinem jugendfrohcn hübschen Antlitz.

Gegen Mittag desselbigen Tages sprach MeisterDiethelm freundlich zu dem fremden Schüler Klaus: