Ausgabe 
(20.11.1894) 94
Seite
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Truppen und garnisonirte zwei Jahre lang in Sedan.Erst am 4. August 1873 kehrte es wieder in seine Gar-nison Augsburg zurück, in welcher es bis jetzt seit demJahre 1808 verweilt.

Die Geschichte des tapferen Regimentes ist somit er-zählt; es wären nur einige kleine Einzelheiten nachzu-tragen, welche aber in den Rahmen einer größeren Re-gimentsgeschichte gehören, welche, wie wir vernehmen, so-eben abgefaßt wird.

Wir haben die Uniformstypen in Zeichnungen vor-geführt; sie sind keine Phantasiebilder, sondern bis in'skleinste Detail genau und gewissenhaft nach dem vorhan-denen Aktenmateriale gefertigt. Die erste Vignette zeigtdas Regiment in seiner gegenwärtigen Ausrüstung. Alszweites Bild folgt das Regiment in der Uniform, in welcheres im siebenjährigen Kriege kämpfte. Im dritten Bildehat die äußere Erscheinung vollständig gewechselt: derReiter zieht im Typus der Rumford'schen Uniforms -Ver-änderung einher. Dennoch finden wir auf dem viertenBilde abermals das Kaskett verschwunden, das RegimentChurfürst-Chevaulegers" erscheint noch einmal mit feder-buschgeschmückten Hüten. An dieses Bild reiht sich dieUniform des Regimentes zur Zeit der napoleonischen Kriege,und unser Auge weilt vor allem befremdet auf den riesen-großen Helmen. Das Uniformirungsbild von 1870 schließtdie Reihe unserer bildlichen Darstellungen. Das Regimentwird im Frühjahr in festlicher Weise die Feier seines150jährigen Jubiläums begehen. Der Ehrentag ist wohlverdient.

Das Regiment ist nicht nur der Uniform nach einesder schmucksten und schönsten des deutschen Heeres; seineKriegsgeschichte steht, wie wir soeben vernommen haben,der Geschichte jedes anderen Regimentes würdig zur Seite.

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Zu unseren Bildern.

Die Rosen der hl. Elisabeth.

Am 19. November feiert die katholische Kirche das Fest derheiligen Elisabeth, Landgräfin von Thüringen . Die heilige Die-nerin Gottes verwandte nach dem Tode ihres Gemahls, der 1227auf einem Kreuzige in Otranto starb, alle ihre Einkünfte aufdie Pflege der Armen und Kranken, für die sie in Marburg ein Hwpital stiftete; was sie selbst brauchte, erwarb sie sich durchihrer Hände Arbeit. Sie starb am 19. November 123t. Wie dieLegende schon von Wundern bei ihren Lebzeiten erzählte, so solleneinst, als ihr Gemahl den Korb, in dem sie den EisenacherArmen Lebensmittel zutrug, öffnete, diese sich in Rosen ver-wandelt haben.

Johann Tscrklaes, Graf von Tilly.

Unter den berühmten Heerführern des dreißigjährigenKrieges glänzt Tilly als ein Stern erster Größe; nickt nurdurck die Scklackten, die er gewann, sondern durch die Lauter-keit seines Charakters, die Reinheit seiner Sitten und das steteBestreben, in diesem furchtbaren Verwüstungskriege strengeManneszucht zu erhalten und so menschlich zu sein, als nurimmer möglich; freilich scheiterten fline darauf gerichteten Be-mühungen allzu bäustg an der Rohheit der damaligen Kriegs-gebräuche, welche zu ändern er außer Stande war, nicht seltenauch am bösen Willen seiner Untergebenen. Einem freiherrlichenGeschlechte in Brabant entsprossen, holte er sich auf dem Scklacht-felde bei Stadtlohn im Müniterschen, woselbst er den Herzogvon Braunsckweig auf's Haupt schlug, den Grafentitel. Seinebekannteste That ist die Eroberung von Magdeburg , die seinemNamen Jahrhunderte hindurch das Schandmal eines Mord-brenners aufdrückte, bis erst in verhältnißmäßig neuer Zeit eineunbefangenere Geschichtsforschung zu Tage krackte, daß derBrand von Magdeburg nicht das Werk seiner Hände, sonderndas der fanatisirten Bürger selbst war, und daß er mit Auf-bietung aller verfügbaren Mittel dem Feuer Einhalt zu gebieten

suchte. Wie Tilly auf dem Schlachtfelde gelebt, so, kann manauch wohl sagen, starb er auf demselben. Im Alter von 73Jahren vertheidigte er am 5. April 1632 bei Rain den Ueber-gang über den Lech , und es wurde ihm dabei durch eine Fal-conetkugel der reckte Oberschenkel zerschmettert. Tilly wurde zu-nächst aus der Schußlinie gebracht, und hier wurde ihm dieerste Hilfe zu Theil. Das ist der Augenblick, den unsere Ab-bildung darstellt. Man führte ihn dann nach Jngolstadt, unddort starb er am 20. April in Folge seiner Wunde. Heute stehtsein Bild rein und unbefleckt von dem Schmutze da, welcher seinAndenken länger als zwei Jahrhunderte hindurch getrübt hat.

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Allerlei.

Hereingefallen. Herr sim Cigarrenladenj:Führen Sie die Sorte Formoso?" Händler:Ge-wiß, mein Herr." Herr:Ist sie empfehlenswerth?"

Händler:Außerordentlich! Namentlich die letzteSendung ist ausgezeichnet." Herr:Danke! Sieschrieben mir aber, sie sei ganz schlecht ausgefallen. Ichfreue mich, daß Sie jetzt anderer Meinung sind. Ich binnämlich der Fabrikant. Guten Morgen!"

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Kann stimmen. Im Vorsaal des Palais Bourbon in Paris begegnen sich zwei Abgeordnete; der Eine stelltdem Anderen einen Bekannten vor:Erlauben Sie, lieberKollege, daß ich Ihnen einen Herrn vorstelle, der diemeisten Dummheiten der Welt in seinem Leben geschriebenhat."Sie sind wohl Journalist?" fragt der Andere.

Nein, Kammerstenographl"

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Schwere Wahl. Der Michel trägt in der rechtenRocktasche sein Frühstück, weich gekochte Eier, und seinenRauchtabak. Unterwegs merkt er, daß der Tabakbeutelzerrissen und die Eier zerdrückt sind.Soll ich jetzt,"überlegt er, den Mischmasch betrübt betrachtend,dieG'schicht' essen oder rauchen?"

X

KindlicheFrage. Lehrerin sin der Naturgeschichts-stundej:. . . . Der Maulwurf frißt täglich so viel alser wiegt . . . ." Dorchen:Fräulein, woher weißdenn aber der Maulwurf, wieviel er wiegt?"

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Aus eigener Erfahrung. Professor:KönnenSie mir aus der Klasse der Kaltblütler noch eine andereGattung nennen, welche eine solche staunenswerthe Ver-mehrungsfähigkeit besitzt?" Kandidat:Die Gläubiger!"

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Ailder-Fläthsek.