Ausgabe 
(27.11.1894) 96
Seite
750
 
Einzelbild herunterladen

750

Die KriPpenindufirie in Türkheim .

6-. In vielen Gegenden Deutschlands , wie auch inOberösterreich, Böhmen, Italien und den Niederlandenfinden wir den sinnigen Brauch, nicht nur in den Kirchen,sondern auch in vielen Häusern zur Weihnachtszeit so-genannteKrippen" aufzustellen, welche von Jung undAlt jedes Jahr wieder mit neuem Vergnügen betrachtetwerden. Es ist daher nicht zu verwundern, daß solcheKrippen nebst den dazugehörigen Figuren auch gewerbs-mäßig hergestellt und in den Handel gebracht werden.Namentlich ist es die Firma Adolph Bader in demschwäbischen Marktflecken Türkheim, welche sich damitbefaßt, sowohl große Krippen für Kirchen, als auch kleinefür Privatleute in großer Mannigfaltigkeit anzufertigen.Die Art und Weise, wie das geschieht, soll unseren Lesernnachstehend geschildert werden.

Die Herstellung von Krippen und die Fabricationvon Christbaumverzierungen durch die Firma AdolphBader in Türkheim datirt schon bis in das Jahr1867 zurück, in welchem Jahre der Inhaber des Ge-

und Kirchen in Dimensionen von 6 bis 8 Metern Längeund 3 bis 5 Metern Höhe hergestellt werden.

Ein Gang durch die Arbeits- und Packlokalitätendes erwähnten Geschäftes führt uns folgende Bilder vor:

Da ist derBergschreiner", der das Kastengestcllzu einem Berge fertigt, das Holzgerippe für die Felsen-partien einsetzt, dieses mit Rinden in der vorgezeichnetenAnordnung bekleidet und seine Roharbeit dem Bewurfs-maler übergibt, der nun dieselbe in den entsprechenden er-digen Tonarten grundirt und durch seine Bewurfsmitteldie Holzrinden in veritable Felsen mit ihren Spalten undSchründen verwandelt; ebenso stellt er die Grottenher und setzt die Stallgebäude ein. Ein weiterer Arbeiterbemalt und bewirft das Grün der Rasen- und Weide-plätze und legt bei größeren Stücken Wasserfälle, Teicheund Pfützen an. Endlich kommt dieAussteckerin", welchedie plastische Landschaft durch Einsetzen von Gräsern,Gesträuchen, Palmen, Farren u. s. w. belebt; das Ganzewird nun durch das vom Hintergrunds- bezw. Tableau-Maler gefertigte Landschaftsbild, welches auch in seiner

GZW

Professor Dr. Sacharjln.

Gchcimrath Dr. Keydrn.

schüftes begann, ganz einfache, kleine, bemalte Krippen-figürchen aus gebranntem Thon herstellen zu lassen unddieselben zum Versandt zu bringen.

Zu diesen Figürchen entwarf er entsprechende Krippen-berge, plastische Landschaftsdarftellnngen mit hübschen,meist in weiter Perspcctive sich verlierenden Hintergrunds-bildern. Die verschieden gruppirten Partien dieser so-genanntenBerge" sind in origineller Weise durch Holz-rinden hergestellt und derart mit Steinmasse und sonstigenBewurfsmitteln behandelt, daß sie eine äußerst täuschendeNachahmung natürlicher Felsen bilden und durch imitirteGras- und Nasenpartien und künstliche Gesträuche undPflanzen zu einem lebensfarbigen Bilde sich gestalten,eine Art kleiner Panoramen, in welchen plastischer Vor-dergrund und das Bild im Hintergrund in einander auf-zugehen scheinen.

Hauptsächlich dieseKrippenberge" haben so großenAnklang gefunden, daß sie nicht nur in kleinen, fürFamilienzimmer passenden Exemplaren angefertigt werden,sondern daß auch ganz großeKrippen" für Kapellen

Anlage nach Wunsch und Vorschrift der Besteller ge-fertigt wird, vervollständigt. DerKrippenberg" ist nunversandtfähig; durch praktisches Arrangement ist es demPacker ermöglicht, denBerg " ohne Kiste und schwereEmballage zu packen. Das Nückentheil des Hintergrund-bildes nämlich ersetzt, umgelegt, das Schutzbrett für diedamit zu verdeckenden plastischen Theile, und nun nochein Rupfenüberzug, und derBerg " kann seine Reist perPost oder Bahn selbst in wette Fernen antreten.

Nach den Räumen, in welchen die Berge hergestelltund gepackt werden, kommen wir in einen solchen, inwelchem das Material zu den Figürchen gekocht, geschlagen,geknetet und in die Formen eingepreßt wird.

In einem andern Locale ist derVerputzcr," welcherdiese Nohfigürchen nun scharf zusckmeidet, die Unebenheitenausgleicht und nach dem in einigen Tagen erfolgtenTrocknen und vollständigen Verhärten dieselben abschleiftund sie zum Bemalen oderFassen" fertig stellt. Nach-dem die Figurengrundirt" sind, werden sie von denFaßmalern" bemalt und vergoldet. In diesem Zimmer