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arbeitet auch der bereits bet den Krippenbergen erwähnte„Tableaumaler", welcher die Hintergrundsbilder in allenmöglichen Größen von 40 Centimeter bis 4 und 6 MeterLänge in flotter Manier mit brillanten Tempera-Farbenauf's Holz oder auf die Leinwand bringt.
Auf den Stellagen dieses Zimmers finden wir auchHunderte von Figürchen und Figuren zum Trocknen undBemalen hergerichtet, da arbeitet auch der Leiter desGeschäftes, indem er neue Modelle aus Wachs entwirftoder Farbenzusammenstellungen arrangirt und die Ar-beiten überwacht und controllirt.
Skizzen an den Wänden, illustrirte Bibelwerke allerArt fördern das Studium zur charakteristisch richtigenAuffassung der in Bild und Plastik zum Ausdruck ge-brachten Darstellungen. Und so kamen die anfänglichganz einfach gehaltenen, aber später immer mehr ver-besserten Krippenwerke aus der bescheidenen Werkstättehinaus in die weite Welt undfanden ihren Absatz nicht nur inDeutschland und Oesterreich, son-dern auch in Belgien, Holland ,
Sie fanden den Beifall nichtnur im Hause besser situirter Bür-gersleute, sondern auch in denPalästen des Adels und fürstlicherPersonen und dienten auch inmanchem Gotteshause dazu, dieempfänglichen Herzen von Alt undJung mit himmlischer Weihnachts-freude zu erfüllen. Auch eine weitereSparte deS Geschäftes gemahntuns an die Zeit, in der Weih-nachtszauber die Menschen beglückt.
Christbaum-Verzierungen allermöglichen Arten aus Metall, Pa-pier und Stoffen werden da ge-fertigt; insbesondere aber der na-türlichste Schmuck des „Christ-baumes", die ächten Tannen- undFöhrenzapfen in solch mannigfacherArt von der einfachsten bis zurfeinsten Ausführung zum Baum-schmuck verwandelt, daß so man-chem Forstmann und Waldfreunddas Herz im Leibe lachen müßte,wenn er sähe, in welch' hübschem Kleide diese Kinder desWaldes zu dem geplanten Zwecke geschmückt werden. Aufdiesem Gebiete des Baumschmuckes dürfte die Firma un-erreicht dastehen.
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Allerlei.
Elektrische Bremsvorrichtung. Aus Zürich wird der „Magdeburgischen Zeitung" berichtet: Die Ma-schinenfabrik „Oerlikon" hat eine neue Erfindung gemacht,die in technischen Kreisen voraussichtlich großes Aufsehenerregen wird. Es handelt sich um eine elektrische Brems-vorrichtung, die es ermöglicht, den im schnellsten Laufbefindlichen Wagen augenblicklich zum Stehen zu bringen.Die Einrichtung ist außerordentlich einfach und im Grundegenommen nichts anderes als eine besondere Anwendungder elektrischen Kraftübertragung. Es wird nämlich imAugenblick, da die Bremse in Wirksamkeit treten soll, durch
einen Hebeldruck der Strom, der den Motor des Wagensin Bewegung gesetzt hat, ausgeschaltet, gleichzeitig wirddie lebendige Kraft des im Laufe befindlichen Wagensdazu benutzt, den Motor in Bewegung zu setzen, welchletztere ihrerseits in einen elektrischen Strom umgewandeltwird, der sich in Kraft umsetzt, welche sich als Widerstandgegen die Bewegung des Wagens äußert. Das alles ge-schieht schneller, als es hier niedergeschrieben werdenkonnte. Die Erfindung beruht, wie man sieht, darauf,daß die lebendige Kraft des Wagens selbst dazu benutztwird, die Widerstandskraft zu erzeugen, durch welche dieBewegung des Wagens gehemmt werden kann. DieserTage wurden auf der hiesigen elektrischen Straßenbahnmit der neuen Erfindung interessante Versuche angestellt,die einen glänzenden Erfolg hatten. Während derWagen bei sehr starkem Gefäll in schnellster Fahrt be-griffen war, brachte der Führer den Regulirhebel in dieBremsstellung, und sofort nahmder Wagen eine ganz langsameund ruhige Bewegung an. Einweiterer Versuch war folgender.Der Wagen fuhr im schnellstenTempo über einen Straßenüber-gang. Nun wurde angenommen,daß in diesem Augenblicke ein Fuhr-werk die Bahn kreuze und daß dieserst bemerkt wurde, als der elek-trische Tram bereits das Gebietder Querstraße erreicht hatte.Wieder zog der Führer den Hebel,und schon in der nächsten Sekundestand der unmittelbar vorher nochin rasendem Laufe begriffeneWagenstill, und es wäre also nicht zueinem Zusammenstoß gekommen.Sehr bemerkenswerth und für dieInsassen des Wagens sehr wichtigist, daß die Verlangsamung derFahrt oder auch das plötzliche An-halten sich ganz sanft vollzieht,was eben darauf beruht, daß dielebendige Kraft gleichsam durch sichselbst aufgezehrt d. h. vermittelsder elektrischen Kraftübertragungin Hemmungs- und Widerstands-arbeit umgewandelt wird. Es istnicht zu bezweifeln, daß die neue Vorrichtung, die sich beiden Versuchen so glänzend bewährt hat, bei allen bestehendenelektrischen Straßenbahnen angebracht werden wird, dahierdurch selbst bei dem lebhaftesten Straßenverkehr diedenkbar größte Sicherheit gewährt wird. Und es ist wohlnur eine Frage der Zeit, daß auch bei den gewöhnlichenEisenbahnen Einrichtungen angebracht werden können,durch welche die lebendige Kraft des Zuges zur Hem-mung der Bewegung ausgenutzt wird.
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Kaiser Albrecht im Sterben. Als der päpst-liche Nuntius Stoppain dem sterbenden Kaiser die letzteOelung spendete, trug er Bedenken, die schmerzendenFüße des Sterbenden zu salben. Aber Karl Albertsprach: „Nichts unterlassen werden, nichts vom Ritusder heil. Oelung; ich will nach aller Genauigkeit als einkatholischer Christ leben und sterben."
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Johann Georg Futzenecker