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gegeben! Was hat Gambetta gethan? Sein Holofernes— Ende war noch viel zu mild als Strafe für die Heka— tomben ſeiner Ehrſucht. Nie und nimmer erkennen die Völker ihre Verführer, deren eiſernen Klauen ſie verfallen, wenn ſie das vielleicht ſanft drückende, aber Ordnung und Wohlſtand verbürgende Joch der allein ſich bewährenden Monarchie leichtſinnig und vorſchnell abſchütteln.
Zornig dachte ich es und ritt heim. Statt einer Friedenstaube begegnete mir der Adjutant, deſſen Brief— taſche ſchon wieder den Operationsbefehl für den 6. Dez. barg. Prinz Friedrich Karl behielt nur das X. Corps in Orlséans, während das III. ſtromaufwärts ſich ausdehnte, das IX. ſchon ſüdlich an den Loiret vorgerückt war und wir unter dem Großherzog, dem noch die 25. Diviſton zugetheilt wurde, ſüdweſtwärts vorzugehen hatten. Schon am heutigen Tage, dem 6. Dezember, waren die beiden Cavallerie-Diviſionen vorausgeeilt, und morgen ſollten wir brigadeweiſe in den neuen Rayon einrücken. Nie— mand ahnte, daß er für Tauſende ein frühes Grab werden ſollte.
Das 3. Bataillon unſerer Zwölfer war mit der 2. Cavallerie-Divſion und unſeren Küraſſteren bis Meung gelangt. Obwohl der Feind vertrieben worden war, konnte man nicht bleiben, da ein Bataillon ſich als un— genügend für die ausgedehnte Stadt erwies. Bedeutende Kräfte ſollten auch in der Nähe ſtehen, und deßhalb zog man ſich zurück, ganz ähnlich, wie weiter nördlich die andere Cavallerie-Diviſion verfuhr.
Am 7. Dezember ließ Graf zu Stolberg ſeine beiden Cavallerie⸗-Brigaden gegen Chateau Préfort vorgehen und wies unſeren Küraſſieren und den Zwölfern die große Straße nach Beaugench an.
Da ſchon vor Meung der Feind, welcher Ueberfluß an Munition zu haben ſchien, ſogar Patrouillen mit Granaten bewarf, verblieben unſere Küraſſiere bei St. Ay und erwarteten unſere 1. und die mecklenburgiſche Diviſion.
Es rückten nämlich die Bayern in zwei Colonnen vor. Die 2. Diviſion über Huiſſeau, die 1. über La Chapelle. Sie waren recht klein geworden, dieſe Divi— ſtonen, denn Erſatz-Mannſchaften hatten wir ſeither nicht mehr erhalten. Betrug doch die Geſammtſtärke des Corps am 7. Dez. nur 9994 Feuergewehrel Das 4. Jäger— Bataillon war in eine, mehrere andere Bataillone waren in 2 Compagnien formirt worden, und wir Oberlieutenants ritten alle, denn daß wir Compagnien führten, war ſelbſt— verſtändlich, aber manche hatten ſogar ſchon Bataillone vor dem Feinde zu commandiren.
Auf der großen Straße— auch General v. d. Tann hatte ſie gewählt, um nach Meung zu reiten war eine jener lieblichen Stockungen eingetreten, die Niemand verſchuldet haben will, die im Felde aber ſehr unange— nehm, ja gefährlich ſind. Da ſtoßen große Truppen— körper zuſammen, und bis gehalten wird, bis die Sache in Ordnung kommt, vergehen Stunden. Heute aber waren gar die Trains der Diviſion Stolberg, welche, wie erwähnt, nicht vorwärts konnte, ſtehen geblieben, und nun ſteckte alles ineinander. Wie Helbig anführt, fehlte im Befehl die Abmarſchſtunde für die Mecklen— burger.
Der Großherzog gab nun dem General v. Dietl perſönlich den Befehl, mit der Diviſion nach rechts über La Challerie abzubiegen und rechts von den Mecklen—
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burgern auf den feindlichen linken Flügel zu drücken. Eben um 194, Uhr traf die Avantgarde bei genanntem Orte ein, und man vernahm von Süden her das Knat—⸗ tern der Gewehre. Die Mecklenburger waren alſo ſchon engagirt, und Oberſt v. Täuffenbach ließ trotz der ſchlechten Wege den Marſch gegen Les Monts und Le Bardon beſchleunigt fortſetzen. Hier machte man Halt und erwartete das Gros. Auf dem Rand der gegen— überliegenden Terrain⸗Anſteigung war eine Batterie auf— gefahren und bewarf den letzteren Ort mit Granaten, während feindliche Infanterie langſam anrückte. Das Geknatter bei den Mecklenburgern wurde immer heftiger, und die Feinde überragten ja ſchon ihren rechten Flügel — alſo raſch drauf los!
Von Le Bardon nach Meſſas führt ein Sträßchen — leider durch Weinberge, die im Winter nicht gang⸗ barer geworden waren— und an dem entwickelte ſich das 2. Jäger-Bataillon unter Major Wirthmann. Die Batterien Gruithuſen, Hutten und Schleich nahmen ſüd— lich von Le Bardon Stellung und eröffneten das Feuer nach 4 Uhr. Nun knallte es auch aus den Rohren der Jäger, und das Bataillon Eckart des Leib-Regiments verlängerte nach rechts die Linie. Dieſe wurde mehr und mehr durch Abtheilungen genannten Regiments ver— ſtärkt und drang dann gegen den Hof La Bourie ganz ſüdlich vor.
Der Feind wich feuernd zurück, und jetzt erſt ſah man, daß weſtlich ein neuer, ſtärkerer Feind auftauchte. Schon gegen 4 Uhr hatte der Großherzog befehlen laſſen, es ſollte nach Meſſas vorgegangen werden. Das ging jetzt gar nicht. Alles, was geſchehen konnte, beſtand darin, weiter offenſiv vorzugehen und hiedurch die Lage der Mecklenburger zu erleichtern. General v. Dietl be— fahl deßhalb der 2. Brigade vorzurücken und ließ die fechtenden Truppen nach und nach rechtsſchwenken, alſo eine weſtliche Richtung nehmen. Man ſchoß nicht viel und ging flott mit Hurrah vor. Die Schwenkung war noch nicht vollſtändig vollzogen, als es plötzlich im Rücken aufblitzte und feindliche Granaten beim linken Flügel einſchlugen. Dieſer gerieth für einen Augenblick ins Stocken, aber da brüllt es ja bei der franzöſiſchen Artillerie drüben aus bayeriſchen Kehlen Hurrah! Die Bedrohten ſahen ſich um und gewahrten, wie Jäger und Leute vom Leibregiment in die Batterie einſtürmten. Es waren die Mannſchaften des Hauptmanns Golch und des Oberlieute— nants Alfred Mayer, welche 8 Geſchütze und 2 Mitrail— leuſen erobert hatten. General Chanzy faſelt zwar von einer Vertheidigung, aber unſere Leute ſahen doch die franzöſiſche Bedienungsmannſchaft laufen, ſie richteten ſich doch ſelbſt zur Vertheidigung bei der Beute ein und gaben ſie erſt wieder auf, als ſie einer weit überlegenen Uebermacht weichen mußten.
Und noch einmal wurde eine franzöſiſche Batterie attakirt, das geſteht General Chanzy auch zu, und hier läßt er einige 20 Mann gefangen nehmen. Ganz richtig — aber er verſchweigt, daß ein tapferer Chevauleger— Corporal, den Namen weiß ich leider nicht, mit vierzehn Mann ſie wieder herausgehauen hat.
(Fortſetzung folgt.)
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