Ausgabe 
(7.1.1896) 2
Seite
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Oberjoch

(Mit Bild.)

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U.' Auf der Straße von Hinderung nach Schattwald(Tirol) kommt man in 1 Stunde nach dem 1149 Meterhoch gelegenen Dorfe Oberjoch, welches zur Pfarrei undpolitischen Gemeinde Hindelang gehört. Oberjoch liegt 300Meter höher als Hindelang. Gleich hinter der Wirthschaftaußerhalb des Markteszum letzten Heller" steigt dieStraße stark bergan. (Die neue, bereits in Angriff ge-nommene prächtige Straße hat nur 5 Proz. Steigung.)Oben, bevor die Straße in einen Wald einmündet, istherrlicher Rückblick über das Ostrachthal und den in dem-selben reizend gelegenen Marktflecken Hindelang. Nochsteigt die Straße stark bergan bis zum sogen.Bild"einer hübschen, vielbesuchten Kapelle mit einem Bilde desgekreuzigtenHeilandes zwischenMaria und Jo-hannes. Wohlwenige Fuhrleutefahren da vorbei,ohne nicht ein-Vater unser umeine glücklicheFahrt zu beten undwirklich ist auchnoch nie ein ernst-licher Unglücksfallauf der Jochstraßevorgekommen.

Nun zeigen sich dieHäuser von Ober-joch. Oberjoch be-steht aus circa 15Anwesen (darunterein Gasthaus) mitcirca 70 Katho-liken und hat einsehenswerthesKirchlein zum heil.

Jakobus, in demauch die heil. Messegelesen wird. In-teressant ist aucheine Alphütte(Gund") beiOberjoch dadurch, daß das Regen-wasser der einen Dach-rinne in die Wertach (Lech) und das Wasser der andernin die Ostrach (Jller) fließt Wasserscheide zwischenJller und Lech.

Nach den Angaben Banmanns in seinem trefflichenWerkeGeschichte des Allgäus" ruht über der EntstehungHindelangs und der umliegenden Ortschaften (mithin auchOberjochs) tiefes Dunkel. Der Sage nach sollen die allent-halben sich ausbreitende Waldwildniß zuerst vier Männerzu lichten begonnen haben, doch habe schon vordem einsogenannterSchrotweg" über das Joch nach Tirol ge-führt. Eigentlich berühmt ist Oberjoch, bezw. die Höhebei Oberjoch erst geworden durch das Kriegsjahr 1796.Eine Abtheilung der Kaiserlichen hatte sich unter GeneralWolf im August 1796 über Jmmenstadt und Hindelang auf das Joch zurückgezogen und dort eine feste Stellungeingenommen. Zwar gelang es ihnen, am 21. August

die Franzosen aus Jmmenstadt zu werfen, doch als dieseVerstärkung erhielten, sahen sich die Kaiserlichen zum Rück-zug genöthigt und verließen am 26. August die Stellungauf dem Joche, so daß die Franzosen nun auch Hinde-lang (außer Jmmenstadt und Sonthofen) besetzten. Dochschon am 12. September bezogen die Kaiserlichen wiederdas Joch. Ein Vorstoß der Franzosen und ein Angriffauf das Joch mißlang. Nach eingetroffener Verstärkungergriff nun am 17. September eine kaiserliche Kolonnevom Joch aus die Offensive, drang durch das HindelangerThal vor und warf die Franzosen aus Sonthofen undJmmenstadt, während dieselben auch bei Kempten in dieFlucht geschlagen wurden. Die Erinnerung an diesen Tag 17. September, das sog.Schützenfest" wirdnoch jetzt in Thannheim ( Tirol) alljährlich mit Predigt,Hochamt, Prozession mit dem Allerheiligsten im Freien

festlich begangen.In diesem Jahre

am 17. Scpt.1896 soll dashundertjährigeJu-biläum nach be-reits gefaßtem

Plane besondersfestlich (Auftretenin der damaligenTracht) gefeiertwerden. Daß esda an großemZulauf nicht fehlenwird, ist voraus-zusehen. LangeZeit war bei Ober-joch auch eine großeErdspalte zu sehen,die in Folge einesErdbebens ent-standen sein soll;

in der Gegen-wart ist Oberjoch noch bekannt durchseine argen, an-haltenden Winter.Oberjoch ist auchZoll-Station undGrenzwachtposten.-

(Zu unserem Bild Seite 11.)

Wohin nun?

Stundenlang ist unser Handwerksbursche auf verschneiterLandstraße durch fußtiefen Schnee gewatet, ohne einemandern lebenden Wesen zu begegnen, als ab und zu ein paarRaben, die mit heiserem Gekrächze den einsamen Wandererumkreisen, um alsbald wieder in nebeliger Ferne zu ver-schwinden. Das Marschiren im Schnee ermüdet ungeheuer,dabei ist es bitterkalt, und immer sehnsüchtiger halt derBursche Ausschau, ob noch nicht bald ein schützendes Obdacham Horizonte auftaucht. Bleischweres Gewölke verhüllt deuHimmel, auf grauen Fittichen sinkt bereits die Dämmerunghernieder, unsäglich traurig uud melancholisch ist der Ein-druck der abendlichen Winterlandschaft. Da kommt zu allemUcberfluß auch uoch ein Kreuzweg, ein Wegweiser stehtzwar daran, aber seine Arme sind mit dicken, festgefrorenenSchneekrusten überzogen, welche das Lesen der aufgeschriebenenOrtsnamen unmöglich machen. Da steht nun der armeHandwerksbursche und kratzt sich verzweiflungsvoll hinter dem

Odersoch.

Original-Äufnahme von Gustav Baaber Photograph in Krumbach. lBervielfSltigungSrecht vorbehalten.)

cr»or'

loracc.