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Ireilag, den 10. Januar
188 «.
Kür die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg .
Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler ).
Are Astrologen.
Historischer Neman aus der Zeit des dreißigjährigen KriegeS.
Von Max Benno.
(Fortsetzung.)
„Ein sonderbarer Kauz," murmelte Georg, als dieSchritte des Schloßhauptmanns verhallt waren. „Manwird aus feinem finstern Wesen nicht klug. Fast willmir scheinen, als ob eS um sein Gewissen nicht sehr gutbestellt sei." ^
„ES ist ihm schon viel Böses nachgesagt worden",nahm Pater Vincenz daS Wort, „denn durch seinen ab-stoßenden Charakter hat er sich viele Feinde gemacht. Sosoll er namentlich einen großen Theil der Schuld an demtraurigen Zerwürfniß des Herzogs mit seiner ersten Frautragen. / Sie war eine schon ziemlich betagte Wittwe,als der damalige Graf sie heimführte. Das Glück hatteseinen Sitz in dieser Ehe nicht aufgeschlagen, denn derHerr dachte damals schon mehr an Kriegsrnhm, als anseine Frau. Die Gräfin, welche ihren Albrecht mitLeidenschaft liebte, fühlte sich durch die Zurücksetzungallmälig verletzt. Allein ihre Neigung erkaltete nicht, sieschien vielmehr trotz aller Vernachlässigung noch zu wachsen.Der Himmel mag wissen, wer ihr weiß gemacht hatte,daß die Kälte des Gemahls nur durch Geheimmittel besiegtwerden könne; kurz, sie kam auf den Gedanken, ihm einenLiebestrank beibringen zu lassen. Wer diesen bereitete,blieb unbekannt; nur so viel ist sicher, daß er dem Herrnin einer Morgensuppe gereicht wurde und daß dieser inFolge davon heftig erkrankte, ja dem Tod nahe kam.Die weitere Folge war, daß er sich von dieser Zeit annoch geflissentlicher von seiner Gemahlin fern hielt. Soverwandelte sich denn deren Liebe schließlich in das Gegen-theil, in tiefsten Haß. Sie ging darin so weit, daß sieeine Menge der wichtigsten Döcumcnte, die Besitztitel fürden größten Theil ihres Vermögens, vor ihrem Todeauf die Seite schaffte, wie man sagt, da das Testamentselbst nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. So-wohl mit dem Liebestrank, als der Beseitigung der Pa-piere hat man damals den Namen Leßlie's in Verbin-dung zu bringen versucht, ohne daß aber irgend einBeweis für die Anschuldigungen erbracht worden ist. Ichbin überzeugt, daß ihm Unrecht geschah, und auch derHerr selbst hat offenbar nicht an eine Schuld des Schloß-hauptmanns geglaubt; denn schon auf einen halbwegsgegründeten Verdacht hin hätte er ihn mit Schimpf undSchande aus dem Dienste gejagt."
„Ich traue dem unheimlichen Menschen trotz allemnur halb", sagte Georg, doch nicht so laut, daß derPater, den er nicht abermals gegen sich aufbringen wollte,es vernahm; „ich werde ein scharfes Auge auf ihn haben,und zeigt sich nur eine Spur, dann spreche ich ein ernstesWörtlein mit ihm!"
Der Priester hatte sich abgewandt. Mit freundlichemGutenachtgruß reichte er Anna und den jungen Leutendie Hand. Dann ging er.
Georg setzte sich neben Magdalene und schaute ihrtreuherzig ins Gesicht. „Höre", begann er, „die Heiraths-geschichte ist mir noch nicht recht klar. Sei so gut undsage mir, wie es sich eigentlich damit verhält."
Das Mädchen erröthete bis an die Stirne. „Duhörtest ja",' erwiderte sie ausweichend, „daß nichtsdaraus wird."
„Ganz Recht", drängte Georg, „so weit bin ich imReinen; aber den Zusammenhang verstehe ich nicht. Ichbitte Dich, verhehle mir nichts."
„Nun ja", hub Lenchen in sichtbarer Verlegenheitan, „Du sollst Alles wissen. Es ist in der That nichtganz unmöglich, daß Pater Vincenz mit seiner VermuthungRecht hat; denn es wurde mir von Leßlie kein Antraggemacht. Nur begreife ich dann nicht, auf welches End-ziel sein auffallendes Benehmen hinauslief. Schon seiteiniger Zeit wurde ich von der Frau des Schloßvogtsmit dem Hauptmann geneckt. Ich nahm von dem Ge-schwätz kaum eine Notiz, bis die Frau mir vor achtTagen ganz unverblümt sagte, der Hauptmann gehe mitdem Plane um, mir einen Heirathsantrag zu machen.Das Gleiche wiederholte sie der Base gegenüber mitallem Ernst. Ich merkte auch wirklich an dem verändertenBenehmen Leßlie's gegen mich, daß er etwas im Schildführte. Ich wich ihm aber überall aus, so daß er zurAusführung seines Vorhabens keine Gelegenheit fand.Da kam der fremde Herr. Jetzt fing der Hauptmannan, zudringlich zu werden. Ja, es kam so wett, daßer mich um eine Unterredung in einer wichtigen An-gelegenheit bat. Nun glaubte ich, nicht mehr zweifelnzu dürfen, um so weniger, als er meinen Bescheid garnicht abwartete, -sondern dem Boten auf dem Fuße nach-folgte. Ich beschloß, der Sache ein rasches Ende zumachen und zog mich in eine Kammer zurück, die ichverschloß. Der Herr Hauptmann mußte sich mit derBase begnügen, durch deren Vermittelung er meineAntwort erhielt. Ich hatte ihr hiczu die bestimmteste