Ausgabe 
(14.1.1896) 4
Seite
25
 
Einzelbild herunterladen

1896 .

Augsburger Postzritung".

4 .

Dinstag, den 14. Januar

Für die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Gradherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Mar Huttler).

Die Astrologen.

Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.

Von Max Benno.

(Fortsetzung.)

Unmittelbar hinter dem Fürsten kam ein schmächtigesMännchen, in einen mit Pelz verbrämten, weitärmeligenMantel gehüllt. Das noch frische, scharf markirte Gesicht,aus welchem ein verschmitztes Augenpaar blitzte, und dasdunkle Haupthaar ließen ihn jünger erscheinen, als erin Wirklichkeit sein mochte. ES war der bevorzugte undin alle Geheimnisse und Pläne des Herrn eingeweihteAstrologe Wallenstein's,der Schwarzkünstler" Seni,über welchen das Gerücht allerlei wunderliche Märchenin Umlauf gesetzt hatte.

An der Schloßpforte angelangt, stieg der Herzogvom Pferde, wobei Georg Selkow, dem er einen herab-lassenden Gruß zugenickt hatte, den Steigbügel hielt.Der Schloßhauptmann trat zur Begrüßung heran; ersprach einige Worte, allein der Herzog warf nur einenkalten, flüchtigen Blick auf ihn. Rasch wandte er sichzu Pater Vtncenz, der ihm mit einem ehrfurchtsvollenSegensspruch das Weihwasser bot.

Wie wohl und jugendlich ich Euch wiederfinde!"sagte der Herzog, nachdem er sich besprengt und bekreuzthatte, mit freundlicher Stimme und fügte wie im Selbst-gespräch fast traurig hinzu:Es ist doch etwas Schönesum Herzensruhe und Seelenfrieden; wann mag diesesGlück mir endlich zu Theil werden?"

Möge der liebe Gott es Euch nach den Tagenrühmlichen Wirkens in reichstem Maße gewähren", sprachder Priester.

Amen, hochwürdiger Herr, Amen", erwiderteWallenstein trübe lächelnd;auch ich möchte so gerneinstimmen in 'diesen Wunsch, aber leider sind jene Tagenoch fernl" Damit schritt er, ohne der zu seiner Be-grüßung gekommenen Volksmenge Beachtung zu schenken,von Leßlie und den Dienern gefolgt, in das Schloß.

In diesem Augenblick polterten mehrere Wagen überden gepflasterten Hof, an der Spitze derselben eine reichvergoldete Carosse, welche überdacht, an den Seiten abernur durch dunkle Ledervorhänge gegen Wind und Wettergeschützt war. Die Gemahlin des Herzogs, eine nochjunge Frau, deren liebliches Antlitz von Milde und An-muth verklärt, stieg heraus und wurde von der herbei-geeilten Magdalene begrüßt. Die hohe Frau warf einen

forschenden Blick auf das Mädchen. Dann reichte sieihm mit einem freundlichen Lächeln die Hand.

Ei, sieh da", rief sie,bist Du nicht Magdalene,die Pflegetochter unseres treuen Lobau? Ja, ja. Dumußt es sein", fügte sie hinzu, als das Mädchen dervornehmen Dame nicht sofort zu antworten wußte.Ich hätte Dich kaum mehr erkannt, so groß und kräftigbist Dul Nun, wir werden wohl bald bekannter sein.Du mußt mir den Dienst einer Kammerzofe versehen,so lange ich in Großmeseritsch bin."

Eine der Damen führte ein etwa achtjährigesMädchen herbei, das die Herzogin zärtlich umarmte unddann Magdalenen vorstellte.

Meine süße, kleine Maria Elisabeth", sagte siemit strahlenden Augen, während das Kind zutraulich dieJungfrau anschaute;ich will sie in Deine Obhut geben.Behüte und bewahre sie wohl; denn sie ist meintheuerstes Gut!"

Die Herzogin gewann sich durch da und dort ge-spendete freundliche Worte sofort die Herzen ihrer Unter-thanen und begab sich mit ihrem Töchterchen, Magdalenenund den Damen ins Schloß.

Nun verlief sich das Volk in unverkennbarer Hast.Es war den Leuten offenbar innerhalb der Burgmauernnicht wohl. Die Triumphbogen und Ehrenpforten wurdenauf ausdrücklichen Befehl des Herzogs gleich wieder ab-gebrochen, das verdorrte Gras von dem Wege entfernt,und bald herrschte die gewöhnliche Stille in dem geräumigenSchloßhof. Nur das bunte Durcheinander der Wagen,Carrossen, Sänften und anderer Beförderungsmittel ver-rieth das Ereigniß des Tages.

* *

*

Eine Stunde später durchmaß der Herzog von Fried-land mit finster zusammengezogenen Brauen, die Händeauf den Rücken gelegt, das weite Gemach, welches er sichzum Arbeitszimmer ausgewählt hatte. AlterthümlicheMöbel mit schadhafter Vergoldung standen umher; dieFarben der rothseidenen Fenster-Vorhänge, sowie desSammets an den schweren Lehnstühlen waren abgebleichtund verschossen. Leßlie hatte ursprünglich einen andernRaum für den Herrn in Bereitschaft gesetzt und nichtohne Besorgniß die Wahrnehmung gemacht, daß demHerzog die Lage gerade dieses Zimmers am besten gefiel.Er war auf eine ernstliche Zurechtweisung gefaßt gewesen;doch Wallenstein hatte der fast ärmlichen Ausstattung,