Ausgabe 
(21.1.1896) 6
Seite
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Vorn breiten Bergesrücken treibt der Sturmwind denfeinkörnigen Schnee weg, daß es nur so tobt. Wo erihn nicht mehr weiter tragen mag, läßt er ihn liegen,und so gibt es oft an Stellen meterhoheSchneewahden",wo sonst im Juni der Schildhahn noch seinG spusi"treibt. Um diese Zeit ist dann das Wild in einemRudel beisammen, Hirsch und Thier und daskloaneGschmoaß". Vielleicht, daß es ihnen wärmer ist, wennsie beisammen sind. Da stehen oft in einem Wald-schachterl, wo es hübsch windruhig und schneefrei ist,und wo also auch eine Aesung vorhanden ist, gegenhundert Stück beisammen. Wenn man es nun schönstill und vorsichtig angeht, so kann man leicht ein schönesJagdl ohne viel Umständ machen. Zwei, drei Schützenauf der Höh' und ein Treiber richten es leicht, undwenn man auch heute das Wild da austrcibt, in einpaar Tagen steht es wieder auf demselben Fleck.

Es wird so Anfangs Dezember gewesen sein, kommtin der Früh in einem Saus der Oberförster mit seinemGehilfen zu mir und sagt:Du Hans, wir brauchenzwei Stück Wild, und das heute noch."Das paßtmir ganz gut", sag' ich,im Löllinggraben, im Tann-wald hab' ich heute Früh so etliche sechzig Stück gezählt,die kommen uns nicht aus; wenn Sie nur einen an-deren Gehilfen mitgebracht hätten, aber der Franzl datrifft ja nichts und zum Treiben ist er z'dumm."Ja,weißt," sagt der Oberförster,heute ist es gar so schnellhergegangen, und zum Rucksacktragen ist der Franzl auchgut. Schießen werde schon ich, der Franzl soll nurunten den Ausbruch versperren; ich gehe auf die Höh',und wenn Du mich dann oben siehst, so geh' in denGraben und mache das Wildreglich". Also gehenwir!"

Schon recht, so machen wir's", sagte ich,ja, aberwas haben denn Sie da für einen Hund mit? Dasist ja Ihr Waldl nicht!"Der Waldl ist krank undist z'Haus," sagte er,und da hab' ich beim Hergehenden Hirschenwirth seinen Philax mitgenommen. Er lobtihn gar so viel, das große, rothe Luder, und hat michgebeten, wir möchten ihn öfters mitnehmen, erverbellet"nämlich jeden Hirsch, und weil es mir eben gerade paßte,so habe ich ihm den Gefallen gethan."Aber den lassenSie nur beim Franzl", sagte ich,und wenn ?ie etwasabschießen, dann rufen Sie ihm nur zu. Also, Adjes Pfiat Gott !"

Wie sie nun eine Weile fort waren, zog ich meineledernen Schneestrümpfe an, stopfte mein Pfeifchen undmachte mich auf den Weg. Die haben weiter zu gehen,und da kann ich mir schon Zeit lassen, dachte ich, sonstwird's mir kalt, weil ich in die Schattseiten hinein mnß.Auf einem Baumstock bleib' ich sitzen und schaue mir dieLage an. Der Oberförster ist eben schon auf seinemStand, der Franzl mit dem Hund, das rothe Naben-vieh leuchtet wie eine Eiscnbahnlaterne, hockt auch schonauf dem rechten Platz.

Ich fang nun an, das Wildreglich" zn machen,und bald sehe ich dasselbe schön vertraut zum Ober-förster seinen Stand sich hinziehen. Auf einmal kracht's,ein Thier purzelt den steilen Abhang herab in den Bachhinein, ein guter Schütz, der Oberförster! WiederumRauch und ein angeschossenes Stück rennt geradeauf den Franzl zu, der übrige Rudel aber in wilderFlucht auf und davon.

Der Franzl, hat er g'schlafen oder, wer weiß,

ivas er gemacht, erschrickt, will schießen und kommtnichtz'samm". Derweil reißt der Hund aus und miteiner Mordslanten dem angeschweißten Stück nach.Ich seh' noch, wie Alles abwärts in den Wald hinein-jagt, Thier und Hund und der Franzl nach in großenSätzen, auf einmal verschwindet Alles, und ich sehenichts mehr.

Zwei Stunden später sitzt der Hirschenwirth inseiner Wirthsstuben drinnen. Ein großer, fetter Mann,wie es sich ziemt für einen Wirth. Zur Winterszeitist er jedesmal seine beste Kundschaft selbst gewesen.Heute hat er eine Halbe Wein auf dem Tische undsimulirt. Was er gedacht hat, das kann ich nichtgenau sagen, aber wahrscheinlich ist's, daß er nichts ge-dacht hat.

Auf einmal geht die Thür auf und in einemSprung kommt der Franzl herein, hängt das Geweihund des Oberförsters Rucksack in ein End der Stubeauf das Hirschgeweih auf, geht zum Tisch, wo derWirth gesessen ist und sagt ganz herrisch:Wirthshaus!a Halbi Wein!"

Schaut's, der Herr Franzl!" sagt der Wirth undbringt den Wein.Schon dahoam von der Jagd? Jsdenn schon gar?"

I waß nöt", sagt der Franzl und trinkt die HälfteWein aus.

Ja, bist Du denn nöt dabei g'west, Herr Franzl",meinte der Wirth und richtete sein grünes Kappel,welches sich beim Simuliren etwas verschoben hatte,zurecht."

Ja", sagt der Franzl,i bin dabei g'west."

Und da waßt nöt, ob's gar is? Wo sind denndie Andern blieb'n?"

I waß nöt", sagt der Franzl,i bin früher fort,bin nix zn se kemma."

Dös is aber kurios", sagt da der Wirth,is wospassirt?"

Mir is wos passirt", entgegnete der Franzl.

No, wos denn?" fragt neugierig der Wirth.

I hab' was trosf'n", sagt der Franzl,nochnia hab' i sunst wos trosf'n, heunt aber hab' i wostrosf'n!"

Gratalir", sagt da der Wirth,na, döß isg'scheidt! Da muaß i do glei a Halbi vomBessern"aufitrag'n. Mäaß'n ja G'sundheit trinken! Gratalir! Halbi kommt nöt auf die Thür wird nöt auskleidet;Herrn Franzl sein Ehrentag als Hundschaft muaßj^manja feiern!"

Der Hirschenwirth bringt den Wein, schenkt ein,und der Franzl trinkt aus.

Hiatzt wird's schon besser geh'n, wirst a mehrAnseh'n hab'n bei de Jaga, weil'st a doch Mal wasg'schoss'n^ hast. Na und was hast denn da-schoss'n?"

An Hund!" sagt ganz ruhig der Franzl.

O Du himmelblaues Dunnawetter", schreit derWirth und sauft g'schwind den Rest vomBessern"selbst aus.

Und was denn für welchen?"

DenDein"", sagt' da der Franzl.

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