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Bernis und Fontenay. Die cantonnirendcn Truppen lagenin Sceaux, Antony, Pont d'Antony, Verriöres, Massy und Chatenay, wo General v. Hartmann sein Quartier hatte.
Die Belagerer hatten in erster Linie zu arbeiten,d. h. ihre Stellung vertheidigungsfähig zu gestalten. AlleProvocationen waren strengstens untersagt. So hatten diePariser Ruhe, und sie benützten sie, indem sie fleißig exer-cierten, Revuen hielten und nach der Scheibe schössen, wo-bei natürlich der Feind gleich den Kugelfang bildete. Esfiel ihnen nicht ein herauszurufen: „Bitte, gehen Sie jetztda weg, sonst werden Sie hinausgeschossen!"
Es ist weltbekannt, daß die Umgebung von Paris reizend ist. Eine Unzahl Schlösser, Villen und Dörferumgibt die von hügeligem Gelände umgebene Capitale.Man findet großartige Schlösser mit ihren Kunstschätzen,mit ihren ausgedehnten Parks, und Dörfer, in denenmehr Vergnügungslocale als eigentliche Bauernhäuser an-zutreffen sind. Der Pariser Bürger arbeitet bis zu seinem50. oder 60. Jahre, dann will er es aber zu einer Rentegebracht haben, damit er sich da draußen eine Villa bauenkann. O diese Architekten ä 20,000 Francs! Eine dieserkleinen Villen schaut wie die andere aus. Durch die Haus-thüre betritt man einen Flur, so eng, daß sich ein robusterDeutscher nicht umdrehen kann. Rechts liegt der Salon,links das Speisezimmer mit Klapptisch, Holztapeten unddem unvermeidlichen Sodawasserbereiter. Im ersten Stock-werk schläft links Monsieur, rechts Madame. Bäbö gibtes nicht, denn der verkauft in Paris Oel, Sardinen,Zucker, Lebkuchen und Fruchtgelee, um dereinst in eben sodünnwandiger Villa zu enden. Aber am Sonntag beischönem Wetter, wenn die weniger Bemittelten am Rasentanzen und trinken oder im Gasthause Friture essen, dannkommt er mit Kind und Kegel zu Grand'maman, und mansitzt im ummauerten Park, der ganze drei Bäume zähltund durch den ein auscementtrter Bach mit gestautem Seefließt, den ein Enkel, wenn er hineinfällt, um sich zuretten, bequem mit wenigen Zügen austrinken kann. Alleshat Mauern — der Riesenpark eines Duc, und der Lili-putpark des Epicier auch. Legte sie nicht der erste Zucker-hut aus oen Riesengeschützen von Montrouge oder ausder Judenschanze nieder, so wurden sie für die Vorpostenoder zur Vertheidigung verwendet. Es wurde Tag undNacht und bei jedem Wetter gearbeitet, und dieser Dienststrengte die Leute mehr an, forderte indirect mehr Opfer,als das Beziehen der Vorpostenlinie. Die Genietruppenwaren ja gewissermaßen nur die Vorarbeiter, und dieInfanteristen hatten dann die Schanzarbeit zu besorgen.Die Verpflegung konnte auch erst nach und nach geregeltwerden, so daß sie den Anstrengungen entsprach. Wiealso beim Armeecorps v. d. Tann sich die Reihen derBataillone in offener Feldschlacht lichteten, so geschah eshier durch massenhafte Erkrankungen. Die ewige Unruhe,das stete Jnbereitschaftsein ruinirte das Nervensystem undschwächte die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheitseinflüsse.
(Schluß folgt.)
-«8WLS-
Oberelchingen und sein ehemaliges Kloster.
"Mit Illustrationen.
—- Nachdruck verboten.!
Das Dorf Elchingen verdankt seine Existenz demalten Reichsstift auf dem herrrlichen Berge, den heutenoch das prächtige Reichsgotteshaus krönt. Die Wahldieses Punktes zum Klostcrbau macht dem guten Ge-
schmack der Stifter alle Ehre; denn kaum gibt es inunserem Schwabenlande eine herrlichere Höhe, als denBerg von Elchingen . Das entzückte Auge fällt auf einwundervolles Panorama, aus dem 10 Städte und min-destens 100 Dörfer Heraufleuchten und dessen Horizontwestwärts vom Bussen und ostwärts vom Schellenberg,südwärts von den Burgen Neuburg a. d. Kammel undOsterberg begrenzt wird. Wie erscheint hier oben die Weltso schön, wenn die Erde ihren Frühlingsschmuck trägt!Was Wunder, daß dieser wunderschöne Erdenfleck vor400 Jahren wie heute die Besucher zu überschwänglichenAusdrücken der Bewunderung begeistert hat. So kamschon im Jahre 1489 dem Ulmer Dominikanermönch FelixFabri die Welt auf dem Berg von Elchtngen um so vielschöner vor als anderswo, daß er Wunderdinge von derFruchtbarkeit des quellenreichen, „mit aromatischen undheilkräftigen Kräutern bedeckten Berges" erzählte, wo „dieLuft viel milder, das Wasser viel reiner sei, das Feuerviel Heller scheine". Das ist freilich etwas überschwäng-lich, aber nicht ein bloßes Gedicht, wie Herr v. Raisermeint (Elchingen S. 2). Die Quellen des Berges treibensogar eine Mühle im Dorfe, und selbst am Bergabhangwächst Getreide aller Art so üppig, wie weithin nirgendsin der Runde.
Das wußten die Benediktiner schon vor bald 800Jahren, als sie sich um die Zeit 1128 — 1142 auf demBerge ansiedelten. Lange Jahre, ehe sie kamen, hausteauf dem Berge das Rittergeschlecht von Aelchingen ineinem festen Thurm, welcher wegen der raubritterlichenUnthaten dieser Ritter der „Thurm Babel" genannt wor-den sein soll. In jener Zeit gehörte fast die ganze Ge-gend um Ulm, also auch der Berg von Elchingen , demKloster Reichenau , das diese Güter den damals mächtigenGrafen von Kirchberg zu Lehen gab, deren Lehcnsmännerdie Ritter von Aelchingen waren. Im Jahre 1104 er-scheint Ritter Adilbrecht von Aelchingen in einer bischöfl.Urkunde, und auch als die Burg längst dem Kloster ge-wichen war, besaßen die Ritter von Aelchingen noch Güterim heutigen Dorfe Unterelchingen. So schenkte im Jahre1295 Ritter Conrad von Aelchingen einen Hof mit Sölden in Unterelchingen als Gottesgaben an's Kloster Salmans-wetl, das um jene Zeit das ganze Dorf von Reichenauerwarb.
Im Kriege der Hohenstaufen Conrad und Friedrichgegen Kaiser Lothar und seine Verbündeten Herzog Heinrichvon Bayern und Conrad von Wettin, später Markgrafenvon Meißen , im Jahre 1125, fiel die Burg Elchingenin die Hände Conrads von Meißen , welcher Luitgarde,die Schwester des Hohenstaufen Conrad III., zur Gemahlinhatte. Diese stiftete zur Danksagung für die endliche Aus-söhnung zwischen Bruder und Gemahl an Stelle der BurgElchingen das Kloster und übergab es um die Zeitzwischen 1128—1142 den Benediktiner -Mönchen. So er-zählen die Chronisten und die Ueberlieferung. Ob dieseStiftungsgeschichte richtig ist, läßt sich nicht bestimmen,da mehrmalige Feuersbrünste die alten Urkunden desKlosters vernichtet haben.
Im Jahre 1150 brannte das Kloster, welches KaiserConrad III. auf Bitten seiner Schwester Luitgarde inden Schutz des Reiches genommen hatte, vollständig nieder.Ritter Albert von Ravenstein, wahrscheinlich dem edlenHause von Berg angehörig, soll es wieder aufgebaut habenund wurde vom Kloster stets als zweiter Stifter gefeiert.Er schenkte dem Kloster seine Besitzungen in Tommertingen