Ausgabe 
(31.1.1896) 9
Seite
61
 
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Ireltag, den 1. Februar

18 SS.

O s.

Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .

- Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabherr in Augsburg (Vorbefitzer vr. Max Huttler) .

Die Astrologen.

Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.

Von Max Benno.

(Fortsetzung.)

Eine minutenlange Pause entstand. Man hörte indem Zimmer nichts als das langsame Ticken der an derWand hängenden Uhr. Dann sagte Wallenstetn kalt:Ich danke Euch, hochwürdiger Herr, für die Besorgniß,welche Ihr für mein Seelenheil und die Erhaltungmeines NufeS empfindet, und freue mich, daß Ihr ge-wagt habt, Eure Meinung frei auszusprechen. Untertausend Andern hätte es vielleicht Keiner gethan. Uebri-gens steht mein Entschluß fest, und nichts kann ihn än-dern; wie daS Vergehen, so die Strafe!"

Bei den letzten Worten ergriff der Herzog ein silbernesPfeifchen, das auf dem nebenstehenden Tisch lag; ersetzte es an den Mund und rief durch dessen Ton einenDiener herbei.Man führe die Verbrecher in den Saal,"gebot er kurz, als dieser erschien.

Bei diesem Befehl hielt die Herzogin, welche dervnrausgegangenen Scene, ohne ein Wort zu sprechen,beigewohnt hatte, nicht länger an sich.Albrecht, meinAlbrecht," flehte sie und sank vor ihrem Gemahl auf dieKniee,ich bitte, ich beschwöre Dich, geh' nicht zu weit;Du Möchtest es bitter bereuen!"

Wallenstein hob sie auf.Du kennst mich, scheintes, weniger, als ich geglaubt," sagte er mit eigenthüm-lichem Lächeln.Beruhige Dich, Jsabrlla!"

O mein Gott," rief die angstgequälte Frau,darfich Deine Worte deuten, wie meine Seele es wünscht?"

Der Herzog antwortete nicht.Begleitet mich,"wandte er sich an Pater Vincenz;Ihr sollt Zeugesein."

Wallenstein ging, und weinend folgte der Greis.Ueber den Boden des großen Saales war ein rotherTeppich gebreitet. In der Mitte desselben standen zweieichene Blöcke, von einem Sandhaufen umgeben, währendim Hintergrund eine große Tragbahre, mit weißen undschwarzen Tüchern verhängt, aufgestellt war. In demAugenblick, als Wallenstein und der Pater im Saale erschienen, öffnete sich eine Seitenthüre, und eine hoheMannesgestalt in rothem Mantel trat ein. Ein breitesSchwert blickte unter den weiten Falten hervor. Dannwurden Georg und der Schloßhauptmann auf den Richt-Platz geführt. Während Leßlie mit todtblassem Antlitzda stand, das unheimlich glühende Auge drohend auf

Wallenstein gerichtet, sank Georg beim Anblick des Herzogsin die Kniee, ohne jedoch einen Laut hervorbringen zukönnen.

Führt sie zu« Tode!" befahl der Herzog;zu-erst den Leibjager Selkow, dann den SchloßhauptmannLeßlie."

Georg erhob sich und ging schwankenden Schrittesdem Scharfrichter voran; als er vor dem ersten Blockangelangt war, wurde er aufgefordert, seine langen Lockenunter das Sammetbarett zu stecken, damit der Hals freiwerde.

Der junge Mann that es mit zitternden Händen.Dann richtete er die Augen flehend auf den Herzog undsprach:Gnädigster Herr, ich bitte nicht um Gnade, dennich habe meine Strafe verdient; der Schloßhanptmanuaber hat nichts verbrochen und wurde nur durch meinenLeichtsinn in's Unglück gestürzt. O, erhört die Bitteeines Sterbenden, dem daS Bewußtsein dieser Schulddie letzte Stunde erschwert: schont sein Leben und schicktmich allein in den Tod! Ich werde beten," schloß er,mit traurigem Blick zum Henker gewandt, als Wallen-stetn nicht ein Mal durch das Zucken einer Wimper dieGeneigtheit zur Erfüllung seines Wunsches bekundete,wenn meine Hände herabstuken, dann . . ."

Er kniete nieder. Einige Minuten lang bewegtensich seine Lippen in leisem Gebet, während dessen derScharfrichter langsam daS breite Schwert emporhob. DieAugen des furchtbaren Mannes streiften jedoch nur flüch-tig das bleiche Antlitz des Opfers und hingen dannin gespannter Erwartung an Wallenstein's Mund.

Todtenstille herrschte in dem Gemach, die entsetztenZuschauer athmeten kaum.

Da zuckte ein greller Blitzstrahl vom Himmel herab,und unter das Rollen des Donners mischte sich ein Pol-tern und Krachen, als sei das Schloß in Trümmer ge-stürzt. Mit bleichem Antlitz stürmte Seni aus dem an-stoßenden Raum hervor.Hoheit," rief er,die Deckedes Observatoriums fiel auf den großen Quadranten,'den sie in tausend Stücke zerschlug. Nur eine Minutefrüher, und auch mich hätte das Schicksal ereilt!"

Der Herzog stand da, wie eine Bildsäule; auf ein-,mal jedoch kam Leben in sein starres Gcstcht. Er gabdem Henker einen Wink und eilte nach dem astrologischenZimmer, durch dessen Thüre er mit dem rasch nachfol-genden Seni verschwand.

In Folge der für diese Jahreszeit ganz ungewöhn-