Ausgabe 
(28.1.1896) 8
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Friedrich tznase.

lichen gelitten, ging das Elend tru Frühling des Jahres

1632 erst recht an. Die Schweden kamen, und dadurchermuthigt, begann der protestantische Ulmer Rath seineGewaltthätigkeiten wieder gegen das Kloster. Der Abtentzog sich im Jahre 1632 durch wiederholte Flucht nachGünzburg der Vorladung nach Ulm , um der erzwungenenHuldigung zu entgehen. Indeß wurde das Kloster starkvon den Schweden gebrandschatzt, die Dörfer geplündert,die Pfarrer verjagt. Das Elchingen'sche Dorf Dornstadt wurde schon im Jahre 1631 vollständig von den Kroatenniedergebrannt. Entsetzliches brachte das Schreckensjahr

1633 über Elchingen . Am 13. Januar legte sich der

schwedische Oberst Berghofer mit seinem Regiment in'sKloster und führte sich schändlich auf. Der Prälat Spegelinwurde beschimpft und mißhandelt; alle Mägde wurdenherbeigeschleppt und durch die Nacht das Kloster von Berg-hofer und seinen Leuten durch schauerliche Orgien ge-schändet. (Schluß folgt.)

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Gefährlicher Abstieg.

Die Hausthüre ist zufällig offen geblieben, und weildraußen die Sonne so herrlich scheint, wollen unsere fünfjungen Kätzchen, schon frühzeitig der mütterlichen Obhut sichentwöhnend, ihren ersten Morgenspazicrgaug in's Freie unter-nehmen, um doch auch zu ersahreu, wie die Welt außerhalbder vier Wände eines Hauses aussieht. Der Entschluß ist frei-lich leichter gefaßt als ausgeführt, denn gleich zu Beginnihres Unternehmens stellt sich den Kätzchen ein schier unüber-windliches Hinderniß entgegen, die zwei Treppenstufen näm-lich, die von der Hausthüre in den Hof hinabführen. Da gehtes denn zuerst an ein Ueberlegen und ängstliches Hin- undHerlaufen, bis Butzi, das verwegenste unter den fünf Ge-schwistern, das Wagniß unternimmt und mit einem un-

geschickten Purzelbaum gleich über beide Stufen hinabrollt.Dem kühnen Beispiele Butzis folgen allsogleich Mimi undMizi, die aber hübsch vorsichtig von einer Stufe auf dieandere klettern, und auch Büß ist schon bereit, sich ihnen an-zuschließen. Nur Schnuß, daS jüngste Kätzchen, kann sich zudem Wagniß noch nicht entschließen und bringt seine Herzens-angst durch ein klägliches Miauen zum Ausdruck. C. Reicherthat diesen possirlichen Vorgang belauscht und auf dem aller-liebsten Bilde, das wir heute unseren Lesern bieten, fest-gehalten. _

Friedrich Hanse.

Fünfzig Jahre sind vergangen, daß sich einer der belieb-testen und bedeutendsten deutschen Schauspieler dem Diensteder Kunst geweiht: Friedrich Haase , der, noch nicht 20 Jahrealt, am 14. Januar 1846 zum ersten Male die Bühne betratund sich nunmehr als Siebenzigjähriger für immer von derkünstlerischen Thätigkeit zurückzuziehen gedenkt. Am 16. Nov.1826 zu Berlin als Sohn eines königlichen Kammerdienersgeboren, hatte Friedrich Haase sich von jeher der Gunst KönigFriedrich Wilhelms IV. zu erfreuen gehabt und war vondiesem, nachdem er sein Abiturientenexamen gemacht, LudwigTieck zur schauspielerischen Ausbildung überwiesen worden.Sein erstes Auftreten fand am Hoftheater in Weimar statt,zwei Jahre später wandte er sich, nachdem er einige Zeit inPotsdam gespielt und auch ein Gastspiel am Berliner Hof-theater absolvirt hatte, nach Prag , wo damals das deutscheTheater in hoher Blüthe stand. Hier begründete der inzwischenzu vollkommener Beherrschung der Technik gelangte jungeDarsteller seinen eigentlichen schauspielerischen Ruf; er bliebdaselbst von 18491851 und begab sich sodann nach Karls-ruhe (1851-1852), München (16521855) und Frankfurtam Main (18551858). In Frankfurt ging Haase auch feineerste Ehe mit der Sängerin Anschütz-Capitain ein. Von 1860bis 1865 finden wir Haase in Petersburg als glänzendstenStern des dortigen deutschen Theaters. In der russischenHauptstadt vermählte Haase sich in zweiter Ehe mit der dor-tigen Hofschauspielerin Elise Schönhoff. Nach Lösung seinesPetersburger Vertrages verlegte der Künstler sich hauptsäch-lich auf's Gastiren und kam auch zu wiederholten Malen alsGast nach Augsburg , wo er durch sein künstlerisches Auf-treten die dcnköar günstigste Erinnerung hinterließ. Vorüber-gehend (18671868) übernahm er die Leitung des Hofthearersvon Coburg -Gotha und machte dann (1869) seine erste großeGastspielreise nach Amerika , eine der erfolgreichsten, die jevon einem deutschen Künstler nach dem Lande der Dollarsunternommen worden sind. Nach seiner Rückkehr trat er nochim gleichen Jahre in den Verband des kgl. Schauspielhausesin Berlin ein, und er würde wohl schwerlich aus dieser Stellewieder geschieden sein, wenn er nicht bereits im folgendenJahre (1870) zur Direction des Leipziger Stadttheatcrs, alsNachfolger Laubes, berufen worden wäre. Nach Ablauf desLeipziger Kontraktes kehrte der Künstler vorübergehend nocheinmal an das Berliner Schauspielhaus zurück, widmete sichin der Folge jedoch ausschließlich Kunstreisen, die ihn weitund breit in der Welt herumführten. Wenn Haase seinenEntschluß ausführt und hinfort sich wirklich von der Bühnezurückzieht, verliert das deutsche Theater einen Schauspielervon seltener Eigenart, wie in den letzten 25 Jahren sich jaein besonderer Typus von Rollen ausgebildet hat, die alsHaasesche" bezeichnet werden. Die Grundlage dieser Eigen-art bildeten die umfassende Bildung des Künstlers und dieihm eigene Verstandesschärfe, die ihm auch in seinen geschäft-lichen Unternehmungen so große Dienste leisteten. OriginelleAuffassung und geistvolle Durcharbeitung zeichneten schon seineersten Rollen aus, aber sein Können hielt mit seinem Wollennur gleichen Schritt, wo er in seinen künstlerischen Darbiet-ungen seine persönliche Eigenart zur Geltung bringen konnte;am vortrefflichsten geriethen ihm daher Gestalten aus demKreise feiner Welt- und Lebemänner, wie der Graf ThoraneimKönigslientenant", der ältereKlingsberg", der ChevalierRocheferrier in derPartie Piquct" und eine ganze Reiheähnlicher; wer ihn in früheren Jahren gesehen, wird sich aberauch noch des tiefen, ja überwältigenden Eindruckes erinnern,den sein Heinrich inLorbeerbaum und Bettelstab" und vorallem sein Lord Harleigh inSie ist wahnsinnig" hervorriefen.