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Bühl und Leipheim her Hünen, verließen sie das Kloster,um gegen Langenau zu fliehen. Kaum hatten sie mitihrem Raub das Kloster verlassen, da fielen die Hessen über sie her, erstachen einige Hundert und jagten dieanderen gegen die Donau , während gerade am rechtenUfer bei Leipheim das Gemetzel unter den geschlagenenBauern begonnen hatte. „Was nun bei Elchingen denHessen entrann, floh auf Leipheim zu, und was zu Leip-heim über die Donau schwamm, kam den Hessen in dieHand, und wurden in die 4000 Bauern erstochen undertränkt." So schreibt der Schreiber des Truchseß inseinem Bericht. (Baumann, Bauernkrieg, S. 552.)
Wie vandalisch die Bauern im Kloster gehaust,schildert der damalige Abt Hieronymus (1519—!546)in seinem Jammerbrief vom Samstag nach Ostern 1525an Bischof Christoph. Er erzählt, wie die Bauern mitgezückten Schwertern, stets mit dem Tode drohend, Gelderpreßten und alles ausraubten, wie dann die Kloster-
spaltung" Schuld sei. Dieser Heimsuchung folgten bald dicBe-drängungen, mit welchen die Stadt Ulm , gestützt auf ihreangemaßte Schutzvogtei, dem Kloster hart zusetzte, und imJahre 1546 die schon erwähnte vollständige Nicder-brennung und Zerstörung des Klosters. Und nicht genugall dieser Drangsale, kam im folgenden Jahre 1547 auchnoch die Pest und wüthete im Gebiete des Stifts. Dadas Kloster in Asche lag, wohnten die Mönche in Günz-burg und wählten dort am 5. Oktober 1547 ThomasKlauß von Weissenhorn zum Abt. Schon nach 16 Tagenstarb er an der Pest, und die Mönche wählten am 19.November den erst 26jährigen Sylvester Gottfried vonWeissenhorn zum Abt. Er begann den Wiederaufbau desKlosters und vollendete ihn, restgnirte aber schon i. I.1553. Seine Nachfolger Leonhard Mayer (1553—1555),Sebastian Eberlin (1555—1565), Erhard Wassermann(1565 -1581), Gallus Keppeler (1581 — 1602), ThomasHall (1602—1619) hatten so ziemlich ruhige Jahre, so
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Kloster Glchingen.
Herren sämmtlich über Thalfingen nach Ulm flohen unddort 11 Tage lang, bis Charsamstag, blieben. Ein Bauerwollte das hl. Sakrament in einer silbernen Kapsel rauben,aber L. Leonhard trat ihm unerschrocken entgegen undsagte: „Und wenn Du mich tausendmal tödtest, ich weichenicht von der Stelle." Der Bauer ließ es, und das hl.Sakrament blieb unverletzt. Leider war es später zumSchmerze des Prälaten uud seiner Mönche doch ver-schwunden. Der Abt schildert weiter, wie die Bauern imganzen Hause alles raubten, zerschlugen oder vernichteten,das Getreide auf acht Wägen luden und fortführten. ImKloster war kein Winkel unverletzt. Das Dorwitorium(der Schlafsaal) war so übel zugerichtet, daß es einerRäuberhöhle gleichsah. Der Prälat schließt: „Nun sindwir wahrhaft Mönche, die in Armuth leben", und sprichtdie Ueberzeugung aus, daß an diesem verderblichen Auf-stand nichts als die „lutherische Faction", die Glaubens-
datz das Kloster sich erholen und Abt Thomas im Jahre1607 den Markt Waldstetten und Häufelsburg undmehrere Güter in Dornstadt und Etlishofen kaufen konnte.70 Jahre dauerte die Friedenszeit, da kam der schreck-liche Schwedenkrieg, dessen ärgste Drangsale Abt JohannesSpegelin (1619—1638) schwer empfinden mußte.
Noch zeigt man in Elchingen das blutbefleckte Meß-gewand, das er bei einer schweren Mißhandlung durchdie Schweden getragen haben soll. Das Andenken diesestrefflichen Abtes verewigt das Denkmal mit seinem inMarmor ausgeführten Bilde an der Südwand derKlosterkirche.
Was Elchingen im Schwedenkrieg gelitten, das schil-dert der Conventual ?. Johannes Botzenhard in seinemTagebuch von 1629—1646 (Histor. Verein, Heft von1876, Seite 157). Nachdem das Kloster und sein Ge-biet Jahre lang viel von den Durchmärschen der Kaiser-