Ausgabe 
(31.1.1896) 9
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nämlich das Eisenblech so klar und durchsichtig, daß ereS im ersten Augenblick für eine Oeffnung hielt, bis ersich mit den Händen überzeugte, daß da weder ein Lochnoch ein Glasfenster war. Auch er versicherte, Bäume,Berge, die Donau , die Brücken darüber, den Mond zusehen." Herr Anfchütz (8 2392) fängt die Helle, diedurch das Metallblech eindringt, auf einem weißenSchilde auf. Von Frl. Reiche! berichtet Reichenbach§ 2384:Ich brachte verschiedene Gegenstände außer-halb der Dunkelkammern hinter das vom Mond be-schienene Kupferblech, machte allerlei Bewegungen mitmeiner dahintergesteckten Hand, Frl. Reiche! gab sie miralle so genau an, als ob das Kupferblech durch dieMondstrahlen in Glas verwandelt wäre. Ich ersetztedas Kupfer durch Eisenblech, Zinkblech, Messingblech,durch alle schaute sie hindurch, ganz ebenso wie durchdas Kupferblech. Trüber fand sie sie, wenn sie stärkermit Metallkalk belegt waren; am trübsten fand sie Blei-blech." Stimmt Letzteres nicht ganz frappant zu Rönt-gen's Angabe, daß Blei schon bei 1,5 wirr Dicke fürseine X-Strahlen fast undurchlässig werde?

Aber nicht blos Metalle findet Reichenbachdiodan ",d. h. für Odstrahlen durchlässig, sowieoddiaphan",d. h. für sensitive Augen durchscheinend, ja durchsichtig,während sie in Odgluth stehen; auch Holz (man denkean Nöntgen's Photographie der durchleuchteten Thüre!),Pappe und mehrfache Papierlagen (vgl. Nöntgen'sKartenspiel, Umhüllung der Hiltorf'schen Vakuumröhre)kommt die Durch! euchtbarkeit für die im Sonnenlichtenthaltenen OdsiraUen zu, wie in §8 2462 und 2566nachgewiesen ist.

Ein Analogon jedoch zu Nöntgen's PhotographiedeS Gcwichtsatzes fehlt doch wohl? Auch das nicht!Man lese 882463 und 64. Hier findetFrl. Zinke!eine Conductorkugsl, aus Messingblech bestehend, voll-ständig durchsichtig, als sie elektristrt war. Ungefragtgab sie an, daß eine Stange horizontal mitten durch-laufe. Dies waren in der That Zugröhren, mittelstderen ich kleinere Kugeln auf einige Entfernung von derHauptkugel ausziehen konnte. Frl. Atzmannsdorfer undFriedrich Weidlich gewahrten auf solche Weise einenmessingenen Stift, welcher in einer anderen Conductor-kugel steckte und der außen unsichtbar war."

Exner hat bei seinem Wiener Vortrag über Nönt-gen's Entdeckung auf die Tragweite derselben für dieDiagnostik der Medizin hingewiesen (okr.Franks. Ztg."vom 13. Januar). Was Exner wohl sagen wird, wenner folgende Stelle aus 8 2252 liest:

Frau K. fand ein Vergnügen darin, den Rückenihrer Finger so nahe an den Conductor zu bringen, daßdie Nügelspitzen Elektrizität saugten. Dadurch wurdenihre Finger in Odgluth schön transparent, so deutlich,daß sie darin Adern, Nerven, Sehnen, Bänderfasern zuunterscheiden vermochte . . . Dies", fährt Neichenbach40 Jahre vor Herrn Exner's Ausblick fort,kann einGegenstand von unberechenbarer Wichtigkeit für die Heil-kunde, insbesondere für die Diagnose werden. Es wirdgelingen, jeden kranken Leib für Hochsensitive voll-kommen durchscheinend zu machen, und man wirdim Stande sein, zu sehen, welche innere Organe krank-haft angegriffen sind und welche Fortschritte vor- undrückwärts das Leiden macht. Aber auch die Hergängeim gesunden Leibe wird man so prüfen." So vielüber Neichenbachs Beobachtungen.

Was nun die wissenschaftliche Beantwortung derFrage nach der Beschaffenheit der Röntgen'schenStrahlen angeht, so hat Professor Röntgen vorläufig aus-drücklich constatirt, daß es nicht die gewöhnlichen Kathoden-strahlen sind, denn diese haben andere Eigenschaften. ImUebrigen ist die Theorie der neuen Erscheinung noch völligunklar, und ihr Entdecker nennt sie daher auch dieX".Strahlen. Möglich ist es, daß es sich, wie auch ProfessorRöntgen ausgesprochen hat, um long itud in aleAet Her-wellen handelt. Bisher konnte man nämlich nur trans-versale Aetherwellen beobachten. Die Bedeutung der Ent-deckung für die Aerzte besteht darin, daß ein Agens ge-funden ist, das in den menschlichen Körper eindringenkann. Was wir bisher aus dem Innern des Körpers er-fahren können, gewinnen wir durch die elastischen Schwing-ungen der imponderabilen Moleküle, denn darauf beruhenja Perkutiren und Auskultiren. Nun haben wir Strahlen,die geradlinig in daS Innere des Körpers eindringen, undkönnen uns der Hoffnung hingeben, daß wir in der Lagesein werden, diese Strahlen einmal in unserem und derKranken Interesse zu benützen.

Mit Bezug auf die Entdeckung NöntgenS theilt derPester Lloyd mit, daß der ungarische Physiker Lenard schon im Jahre 1894 am physikalischen Institut in Bonn durch Körper, die für das Auge undurchsichtig erscheinen,wie Kartonpapier, mittelst Kathodenstrahlen photographirte.Ueber seine Entdeckung hat Lenard im 51. Bande derAnnalen für Physik und Chemie" auf Seite 225 mitAbbildungen berichtet, und zwar heißt es dort:

Die Kathodenstrahlen sind photographisch wirksam-Die Photographische Schicht kann bei langer Expositionauch eine sonst unbemerkbare Wirkung zum Vorscheinbringen. So zeigte sich zum Beispiel ziemlich kräftigeSchwärzung hinter einem Kartonblatt. Das Kartonblattbedeckte die empfindliche Schicht, und zwischen beiden warenStreifen verschiedener Metallblätter eingelegt. DieseStreifen bildeten sich ganz nach Maßgabe ihrer Durch-lässigkeit Heller (im Negativ auf dunklerem Grunde) ab,und ganz hell blieb die Schicht nur dort, wo ein dickerMetallrahmen um das Ganze gelegt war. Es warenalso wirklich Kathodenstrahlen durch den dicken Kartongedrungen."

Professor Lenard ist in Preßburg geboren, studiertein Budapest und an mehreren deutschen Universitätenund war längere Zeit als Assistent des Physikers Hertz thätig.

Röntgen selbst hat übrigens erklärt, daß ihm vonden früheren Versuchen Lenards nichts bekannt war.

Vielen unserer Leser dürste eS willkommen sein, aucheinige biographische Notizen von dem über Nacht hoch-berühmt gewordenen Gelehrten zu erfahren: Professorvr. Konrad Röntgen ist in Lennep , Negiernngs-BezirkDüsseldorf , am 27. März 1845 geboren. Er promoviertein Zürich am 12. Juli 1869, wurde am 22. Dezember1870 Assistent am physikalischen Institut zu Würzburg und am 11. Mai 1872 als Assistent an das physikalischeInstitut Straßbnrg berufen. Dort habilitierte er sichals Privatdozent im März 1874, wurde im Frühjahr1875 als ordentlicher Professor an die Akademie Hohen»heim berufen und am 17. April 1875 als außerordent-licher Professor an die Universität Straßburg. ImFrühjahr 1879 folgte er einem Rufe als ordentlicherProfessor und Direktor des Physikalischen Institutes inGießen und kam von dort im August 1883 in Nachfolge