oberen Erdschichten übertrifft, so daß sie also geringer ist,als die mittlere Dichtigkeit unserer Planeten. Anderer-seits scheint die Art, in welcher der Mond das Sonnen-licht reflectirt, anzuzeigen, daß seine Oberfläche aus solidenBestandtheilen sich zusammensetzt, ähnlich denen, welchewir auf der Erde beobachten, und theilweise aus vulkani-schen Gesteinen.
Diese Ergebnisse befinden sich in guter Ueberein-stimmung mit der Kant-Laplaceschen Theorie, welche denMond als einen abgelösten Theil der Erde annimmt;abgelöst zn einer Epoche, als sie noch ein stark ausge-dehnter Nebel war. Nun erfordert die Mechanik, daßdie Dichtigkeit einer solchen Masse vom Centrum nachder Oberfläche hin abnimmt; da die Massen des Mondesaber ausschließlich von den inneren Schichten herrühren,so mußten sie auch im Allgemeinen eine geringere Dichteals die Erde und eine einfache chemische Zusammensetzunghaben.
Auf Grund dieser Bedingungen lassen sich nun ver-schiedene Hypothesen über die weitere Entwickelungs-geschichte unseres Satelliten, von der Epoche an, wo erals selbstständiger Himmelskörper auftritt, aufstellen; abersie beruhen auf zu schwacher Grundlage.
Die großen Ninggebirge, die kesselförmigen Thäler,welche hauptsächlich den Gegenstand der Untersuchungender Mondforscher ausmachen, deuten durch ihr enormesRelief, ihre imposante Regelmäßigkeit auf die frühe Exi-stenz einer soliden Oberfläche hin. Zwischen den beidenPerioden, der des nebelartigen Zustandes und der derFestigkeit, breitet sich nothwendig eine Epoche des Ueber-ganges von einer ungeheuren Dauer aus. Der Durch-gang des Mondes vom flüssigen zum soliden Zustandebegann mit der fortschreitenden Vereinigung der durchSchlacken allmälig auf der Oberfläche gebildeten Bänkeoder kleinen Inseln. Diese Verbindungen waren mit Ueber-windung zahlreicher Schwierigkeiten verschiedenen Ursprungsverknüpft und nur sehr langsam möglich. Sie haben sichdokumenürt in Zügen, die in den gradlinigen Thälernund Furchen bei einer sorgfältigen Beobachtung derMoudoberfläche beinahe immer bemerkt werden. Dieseverschiedenen Liniensysteme, welche auf den Photogrammenbesser hervortreten als auf den Karten des Mondes, könnenmit wenig Worten charakterisirt werden, als die großenThäler, welche über die Bergmassen ziehen, ohne ihr Reliefzu verändern. Die tieferen von ihnen sind die Thalerder Alpen, westlich von Plato , die sich südwestlich vonNheita erstreckenden, endlich jene, welche man zwischenHerschel und Hipparch, sowie zwischen Bode und Ukertfindet. Diese Moudthäler unterscheiden sich nach dem Aus-weis der Photogramme aber wesentlich von den irdischenThälern. Die letzteren pflegen sich auf ihrem Laufe zuverbreitern und an den Ständern vielfach Zu verzweigen.Die Mondthülcr verzweigen sich nicht, halten auf ihrerganzen Länge eine nahezu konstante Breite ein, zeigeneinen sehr klaren Verlauf und liegen von einem Ende zumandern nahezu gleichstes unterm allgemeinen Niveau. Ge-wisse Theile der Mondoberfläche sind besonders reich andiesen Thälern, die unter sich ein paralleles Gefügt vor-stellen. Eine aufmerksame Prüfung zeigt sogar die Ueber-einanderlagerung von Zwei oder drei Systemen, die Unter-abtheilungen eines vielseitigen Netzes bildend.
Wenn man dem Ursprung dieser Formationen nach-sinnt, muß man schließen, daß sie sich gebildet haben,als die Masse des Mondes noch flüssig war.
Sie sind nämlich — in der Aequaiorialregionwenigstens — hauptsächlich nach den Parallelkreisen derMondkugel orientirt. Auch andere Richtungen, wie siedurch die Zirkulation des Wassers und der irdischenAtmosphäre bestimmt werden, treten hervor und zeigeneine reiche Verschiedenheit der Figuren. Auf Grund dieseranziehenden Mondbetrachtungen haben die genanntenPariser Astronomen weitere hypothetische Schlüsse überdie verschiedenen entwicklungsgeschichtlichcn Bildungsweisender bewunderungswürdigen Linienformationen gebaut. Die-selben werden sich noch besser begründen und prüfen lassen,sobald die Genannten ihren Plan zur Ausführung bringen,die Herstellung einer Photographischen Karte der Mond-Oberfläche in einem Maßstab von 1 Millimeter Kartefür 1800 Meter Mondlandschaft, daS ist 1 Millimeterauf eine Bogensecunde Winkelmaß.
Transvaal , das schöne, südafrikanische Goldlanb,welches die jüngsten Ereignisse in den Vordergrund desJnleresses gerückt haben und welches zu erobern James-son ausgezogen ist, liegt, trotz aller modernen Verkehrs-mittel, noch immer in weiter Ferne: erst die langwierigeSeereise auf Vasco da Gamas Spuren bis Ccipstadt,dann von hier ca. 2000 Kilometer Eisenbahnfahrt, bisman Johannesburg , das Centrum der afrikanischenMinenindustrie, erreicht hat. Der echt englische Comsortdes dahinsausenden Ciscnbahnznges, die vortrefflichenEinrichtungen auf den kleinen Stationen mitten in derWüstenei machen die achtundvierzigstündige Reise erträg-lich. Ist man um 8 Uhr abends von der Hauptstadtder Capkolonie abgedampft, dann erwacht man am an-deren Morgen mitten in der „Karoo", die Freiligrathbesungen. Es ist durchaus nicht die traurige, stäche,sandige Wüste, wie sie sonst in unserer Vorstellung er-scheint: von allen Seiten tauchen die Hügel auf, selt-same, fast geometrisch geformte Würfel, Pyramiden,Kegel, dazwischen breite Thäler, durch die ein Wasser-lauf träge dahinkriecht. Die Luft ist seltsam trocken,die gesündeste der Welt, wie einige versichern, vonwunderbarer Klarheit, die alles Ferne mit scharfen Kon-touren in die Nähe zu rücken scheint. Eine nicht reiche,aber kräftige Begedation, Eichen und Mimosen begleitendie Wasserlänse. In Hunderten von Details sieht mandie Mischung von Civilisation und Barbarei. Hier einenglisches Collage mit eleganten Erkerfenstern und einem,Mannis xronnä", daneben eine Kafsernhütte — einin der Sonne getrockneter Hansen Koth. Korrekte eng-lische Eisenbahnbeamte, Gruppen von phantastisch kostnm-irten Negern, alte Holländerinnen mit Kopfschmuck,wie man ihn auf den niederländischen Bildern sieht,sitzen beim Büffet der Stationen, aber längs des Zugeslaufen schlanke, schwarzglänzende Tauagrasigürchen infarbigen Röcken mit krausem Haar aus und ab, denPassagieren Früchte und Blumen anbietend . . . Amzweiten Morgen wechselt die Dekoration. Der Gesichtskreisist weiter, die Berge laufen in sanften Wellen aus,man ist im „Vcldt", im endlosen Feld, das sich durchdie beiden Bauernrepublikcn Oranje und Transvaal hinzieht.
Man hat auf der Reise Zeit, sich in Vloemfoillein,der Hauptstadt der Oraujerrepublik, umzusehen.
Ein bescheidener, netter, holländischer Marktflecken,