Ausgabe 
(31.1.1896) 9
Seite
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dieseNesideuz" mit ihren zweitausend Einwohnern, mitden kleinen, netten Häusern, deren jedes den dekorirtcnniederländischen Giebel zeigt, mit breiten Straßen, reichenBlumen- und Obstgärten. Blonde Niesen mit Nem-brandt'schcn Filzhüten rauchen bedächtig ihre Pfeifen undzeigen den Fremden mit Stolz dasPalais" des Präsi-denten, denNolksraad", die Bank, die Post und dasschönste Museum von ganz Afrika ". Die größte Merk-würdigkeit darin ist ein großer Steil» mit seltsamenHieroglyphen; zur Zeit, da Bloemfontein noch nichtepistirte, war dieser Stein das Standesregister derTrekkers", der ersten Boers, welche mit ihrem Ochsen-gespann jenseits des Oranjeflnsses dahinzogen. Umdiesen Stein sammelten sich die Auswanderer, wenn eineHochzeit gefeiert wurde, und die Zeugen schnitten mitdem Meißel ihre Namen in den Block. An patriarcha-lische Zeiten erinnert auch die Festung: eine Nedoute,welche die ganze Artillerie des Staates, sechs Krupp-geschütze und zwei Maxim-Mitraillensen beherbergt. DieGarnison " 60 Mann! erhält den Artillerie-Park in echt holländischer Blankhcit und Nettigkeit,genau so wie ihre der preußischen nachgemodelte Uni-form.

Schon eine Stunde, bevor man Parkstation, denBahnhof von Johannesburg , erreicht, fährt der Zug un-aufhörlich zwischen zwei Reihen von Fabriken; im Morgen-zwielicht ragen die Schornsteine gleich Gespenstern indie Luft, dazu ein Gewirr von Gebäuden und Gerüsten,Schupfen aus Wellenblech, Telegraphen und Telephon-drähte, ungeheure Hansen von Schutt, Rauch, Lärm undStampfender Goldmühlen, Negertrupps, die zur Arbeitziehen das ist die Staffage derKönigin von Wit-watersrand," des Landes,wo die weißen Wasser flie-ßen," der Hauptstadt des Goldlaudes. Hat man mitgroßer Mühe ein halbwegs erträgliches Hotel gefunden die gewöhnlichen Reisenden, vom Goldfieber ver-zehrt, fragen nicht viel nach Bequemlichkeit so istdie Stadt sehr bald besichtigt. Banale Häuser,breite Avenuen mit häßlichen Gebäuden, die Straßen»»gepflastert, beinahe noch in jenem Zustande, wie sievor sechs Jahren, als die Stadt entstand, in der Prairieabgesteckt wurden, und nur hie und da sieht man Neger,welche auf der Straße Quarzschutt abladen, für denMacadam der Zukunft. Doch wozu sich über solcheKleinigkeiten aufhalten, wo sonst diese Stadt in Afrika ganz amerikanisch ist! Sie ist wie ein Pilz ausdemVeldt" gewachsen vor nicht mehr als 6 Jahren;heute zählt sie über 70,000 Einwohner. Und sie ent-stand Hunderte Kilometer fern von jeder Civilisation,jeder Stein, jede Eisentraverse der Häuser, jedes Möbelund auch das Miuengeräth, alles, alles bis auf dieLebensmittel mußte von außen kommen und das oben-drein mit Ochsengespannen, da es noch keine Eisenbahngab. Johannesburg ist ein Wunderwerk menschlicherGeduld und Energie, oder hat nurauri sasra kam so",der von Ovid verpönte Golddurst, die Stadt gebaut?Als ein französ. Reisender mit einem Freunde über denJohauuesburger Marktplatz ging, stampfte der Begleiterdes Franzosen aus den Boden.Sie staunen", rief er,über den Reichthum von Johannesburg ? Hier, hierunten ist Gold. Diese Stadt ist auf Gold ge-baut!"

Diese Idee des Goldes verfolgt einen unaufhörlich,auf der Straße, im Hotel, im Restaurant, überall hörtman nur von Gold, von Minenaktien, von ihrem Kurs

in London und Paris , von Leuten, die in den Minenreich geworden. Da hört man vonolaims" (viaim"ist die Einheit, nach welcher die Goldfelder gezählt wer-den), welche vor drei Wochen vier Pfund Sterlingkosteten und heute 80; dieser kleine Schneider hat vordemboom", vor dem Goldficber, eine verlassene Farmgekauft, für die er neulich 150,000 Pfund bekam, undder Mann bleibt Schneider aus Passion. Die Ver-mögen wachsen wirklich so rasch, wie die Stadt; einMann, der vor einem Jahre nach Johannesburg kamerzählte einem französischen Schriftsteller, er habe 40,000Pfund durch Spekulation gewonnen; dann besitze ervlaims in Nicdfontein, für welche er ein Angebot von30,000 Pfund ausgeschlagen. Aber an denolaims",die er auf Llaolc-rssl" besitze, hoffe er Vermögen zumachen. Und als der Franzose rief:Vermögen?Sind denn 40,000 Pfund nichts?" da sagte derMann lächelnd und überzeugt:Das ist kein Ver-mögen. Wer bei uns keine 80,000 Pfundwert" ist,der ist nicht reich." Niemand kann dieser ewigenVision des Goldes entgehen und nur ein alter Löwen-jäger und die Heilsarmee sind in Johannesburg freidavon, sonst hängt alles am Gold, die Armen wie dieReichen. (Schluß folgt.)

-»GrWES---

Himmelsschan im Monat Februar.

X. Merkur 8 kommt am 8. in die untereSorrnenconj. und diesseits der Sonne und steht morgs.niedrig in SO.

Venus tz geht im Schützen und Steinbock vor-wärts, ist am 9. nördlich von MarS und geht 5 U. 80 M-früh auf.

Mars kommt nach 6 U. morgs. über den öst-lichen Horizont herauf, ist aber noch sehr lichtschwach.

Jupiter A ist sehr hell, erreicht um Mitternachtdie größte Höhe und ist die ganze Nacht im Krebs sichtbar.

Saturn H in der Waage geht nach 1 N. nachtsauf und erreicht zwischen 6 U. und 5 U. früh den Meridian.

In Mondnahe befinden sich Saturn am 6., MarSund Venus am 10., Merkur am 12., Jupiter am 26Vom Monde bedeckt wird Antares am 7. nachm. 4 Uhr»,Regulus am 28. früh 3 Uhr.

Vom 2. bis 4. Februar läßt sich das Zodiakallichtam westlichen Himmel zwischen 7 U. und 9 U. abds. be-obachten.

Am 28. Februar findet eine sichtbare Mondfinsternißstatt. Sie beginnt 7 U. 16 M. abds. am Ostrand undendet 10 U> 16 M. am Nordwestrand. Die größte Ver-finsterung, bei der 0'875 des Mond-Durchmessers bedecktwird, tritt ein 8 U. 46 M. abds.

Scherzräthsel.

Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 7:Weiß. Schwarz.

1. K. L4-L5 . beliebig.

2. D. oder S. Matt.