M 1v.
„Augsburger PostMung".
Dinstag, den 4. Februar
1896.
Für die Redaction verantwortlich: Or. Theodor Müller in Augsburg .
Drua und Berlag deS litterarischen Instituts von Haas L Grabhcrr in Augsburg (Borbesitzer Dr. Max Huttler) .
Die Astrologen.
Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.
Von Max Benno.
(Fortsetzung.)
7.
Ende April 1632 hielt Wallenstein über 214Schwadronen Reiterei, 120 Fahnen Fußvolk, 44 Kanonenund 2000 Wagen eine Heerschau, und acht Tage spätererschien er mit dieser Armee am weißen Berge bei Prag.
Der Kurfürst von Sachsen und dessen FcldmarschallArnim hatten bereits die böhmische Hauptstadt verlassen,und die zurückgebliebene schwache Besatzung hegte nurgeringe Hoffnung, den Platz zu behaupten. Schon am4. Mai eröffneten die Kaiserlichen vom weißen Bergeaus das Feuer, und Tags darauf stürmten die Regtmenter Grana, Wallenstein und Terzky — bei letztermbefand sich Georg Selkow — die Stadt und drangendurch die gebrochenen Mauern. Die sächsische Besatzungzog sich in den Hradschin zurück und streckte zwei Tagespäter die Waffen.
Wenige Tage nachher war der Herzog von Fried-land Herr von ganz Böhmen. In Eger vereinigte ersein Heer mit den Truppen des Kurfürsten Maximilianvon Bayern, welcher nachgedrungen sich der ForderungWallenftetns's fügte, daß',bei allen gemeinschaftlichen Opera-tionen der Oberbefehl ausschließlich durch diesen geführtwurde.
Nunmehr stand der kaiserlichen Sache ein Heer vonmehr als sechzigtausend Mann zur Verfügung, eine Macht,mit welcher Gustav Adolph's Streitkräfte sich kaum messenkonnten. Er verschanzte sich bei Nürnberg, und Wallen-stetn bezog der Stadt gegenüber ebenfalls ein befestigtesLager. Nachdem ein Sturm der Schweden auf letzteresmißlungen war, beschloß der König, weil bei der An-sammlung so vieler Menschen auf engem Raum all-mählig die Lebensmittel auszugehen drohten, die Stadtzu verlassen. Mit klingendem Spiel zog er am 8. Sep-tember 1632 an dem friedländischen Heere vorüber, ohnedaß Wallenstein ihn zu verhindern versuchte. Vier Tagelang blieb der Friedländer ruhig in seinem Lager, dannzog er, vom Kurfürsten sich trennend, durch das Bam-bergische und Coburgische nach Sachsen.
Der größte Theil der Wallenstein' schen Streitmachthatte sich in und um Lützen gelagert. Der Abzug desHeeres in die Winter-Quartiere stand bevor. Marke-tender, Händler, Gaukler, Juden, Musikanten und an-
dere derartige Leute, welche geneigt waren, den Soldatendas Geld abzunehmen, fanden sich massenhaft ein undbegannen ihre Thätigkeit zu entfalten.
Auf einer weit ausgedehnten Wiese ganz in derNähe Lützen's stand ein Marketenderzelt, das sich eineszahlreichen Zuspruchs erfreute. Alan brauchte sich dar-über nicht zu verwundern; war doch der Eigenthümer, Mon-sieur Leferrier, ein gar freundlicher Mann, der einenSpaß zu machen verstand, und Marion vollends, dieflinke Aufwärterin, hatte es mit ihren schwärmerischenAugen schon mehr als einem der leichtlebigen Herrenim bunten Rock angethan.
Zu den Gästen gehörte auch ein Mann, dessen tief-schwarzes Haupthaar zu dem hellrothen Bart einen auf-fallenden Gegensatz bildete. Er trug Offiziers-Kleidungund am Hut einen silbernen Stern mit blauseidenerSchleife, zum Zeichen, daß er sich im Staffetten-Dienstdes Herzogs von Friedland befand.
Man konnte nicht sagen, daß er sich einer beson-deren Aufmerksamkeit von Seiten Marion's erfreuthätte; im Gegentheil, daS Mädchen wich ihm so viel alsmöglich aus; dagegen stand er offenbar bei Leferrierin besonderer Gunst.
Die Beiden saßen beim Zwielicht des November-Abens in vertraulichen Gespräche beisammen. Marionbefand sich in einiger Entfernung an einem kleinenTischchen und kam nur ab und zu in die Nähe derMänner, um einen ausgesprochenen Wunsch zu erfüllen.
„Trinkt, Freund," mahnte Leferrier und schenkteaus einer großen Flasche das vor dem Nachbar stehendeGlas voll, „trinkt, mein lieber Donald oder Devereux,wie Ihr Euch nennt! Wozu führt Ihr denn eigentlichzwei Namen? Weiß der Henker, mir ist es oft an demeinen zu viel!"
Der Rothbart nahm einen tüchtigen Schluck. Dannerwiderte er: „Das will ich Euch sagen, Herr. Es istnur eine kurze Geschichte, aber doch traurig genug. MeineMutter, eine geborene Donald, hatte von ihren schnellhintereinander gestorbenen Eltern nicht nur ein hübschesGesicht und fleißige Hände, sondern auch einen wohl-gefüllten Tuchladen geerbt. Dies stach meinem Vater,dem auf Halbsold gesetzten Lieutenant Devereux in dieAugen, und er heirathete sie. Eine Zeit lang ging dieSache ganz gut. Bald aber wurde dem verwöhntenOffisier das Hantiren mit Ellenmaß und Scheere zulangweilig, und er suchte die lustigen Gesellschaften von-