Ausgabe 
(11.2.1896) 12
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bis zur Station Mysowskaja an der Südseite des See's, wo-rauf das Witimplateau übe, schritten wird. Ueber die Distrikts-stadt Tschita und dann dem Schilkaflnß folgeud erreicht dieS. E. die der Stadt Srjetensk gegenüberliegende AnsiedelungMatakan. Der nächste Abschnitt bis zur Stadt Chabarowka amrechten Ufer des Amur (2000 Werst) ist noch nicht allgemeinbearbeitet. Es wird beabsichtigt, die Bahn auf 600 Werst imThale des Schilka- und Amurflusses zu führen, dann den Amurzur Abkürzung des Weges zn verlassen und erst nach weiteren1400 Werst an der Mündung des Ussnri auf einer Brücke von1200 Faden zu überschreiten. Dann geht die Linie 400 Werstam Ussnri entlang, welcher bis zum Cbankasee gleichzeitig dieReichsgrenze gegen China bildet. Unter Ueberschreitnng desUssuri (6755 We> st) geht die Linie an den Geb rgslehnen desChankasee's und im Thal des Lefaflüßchens entlang nach derStation Nikolskaja (6982 Werst), von hier aus am Sujfnn-flusse entlang nach Chabarowka, demnächst in der Richtung aufdie Stadt Wladiwostok , wo an der Bucht des Solotoj-Rog(goldenes Horn) die Endstation in 7083 Werst liegt. Von derGesammtstrecke der S. E. waren Ende 1894 gegen 1518 Werstfertig, etwa 100 Werst mehr als der fünfte Theil der ganzenLänge der Hauptlinie. Auf der Ussuri -Eisenbahn war zum 1.(13.) Januar dS. JS. das Schienengeleise bis zn 494 Werst vorWladiwostok, d. h. bis zum liebe, gang über den Fluß Bikin ,einen rechten Nebenfluß des Ussuri , fertiggestellt. Das Legender Schienen, welches von einer Compagnie des vor Kurzemangekommenen Eisenbahnbataillons ausgeführt wird, wii d imFrühjahr wieder aufgenommen werden; bis zum Herbst desJahres 1896 soll ChabarowSk erreicht werden, welches vonWladiwostok 785 Werst entfernt ist. In Regierungskreisen istdie Frage neuerdings angeregt, die S. E. mit Turkestan inVerbindung zu bringen, und sind zwei Linien hierfür in Vor-schlag gebracht, Tscheljabmsk TurgajTurkestan und Petro-pawlowskAtbass arTurkestan.

Schönkrunn.

Das berühmte kaiserliche Lustschloß in Wien , im Südostender Stadt am Wienflüßchen gelegen, wurde unter Kaiser Leopold dem Ersten nach den Plänen von Cisso von Erlach begonnenund unter Maria Theresia 1744-1750 vom Baumeister Val-magini vollendet Das dem Hofe zum theilweisen Sommerauf-enthalt dienende Schloß enthält großartige Parkanlagen (mitdem Fasanengarten, der Menagerie usw.), 1441 Zimmer undGemächer, darunter das blaue Cabinet, ein Lieblingsaufcnthaltder Kaiserin Maria Theresia , das Zimmer, in dem Napoleonder Erste 1809 wohnte und sein Sohn, der Herzog von Reich-stadt, 1832 starb, und ein Theater. Zunächst dem Schlosse be-findet sich die große Orangerie und andere Gartenanlagen mitMarmorstatuen und Marmorgruppen. Der Park enthält herr-liche Alleen, mehrere Bassins, den Kaiserbrunnen oder SchönenBrunnen, welcher dem Schloß den Namen gegeben hat, Fa-sanerie», Thiergarten, botanischen Garten, auf der Höhe desSchönbrnnner Berges die Gloriette, ein 1775 aufgeführtes Pracht-gebäude mit Colonnade, Waldvartieen usw.

Auf dem Markusplatz in Nenedig.

Mit Ausnahme des von den Kolonnaden umsäumten Platzesvor der Peterskirche in Rom besitzt keine Stadt der Welt einenPlatz, der an architektonischer Schönheit dem Markusplatze inVenedig gleichkommen würde. Auf 3 Seiten ist derselbe vonPrachtbauten aus Marmor, den sogen. Prokuristen, d. h. Pa-läste der Prokuratoren von Sän Marco eingeschlossen. An derOstseiie des Platzes erhebt sich die dem Schutzheiligen derStadt, dem Evangelisten Markus geweihte Patriarchat oderSt. Markuskirche, ein nach byzantinischem Muster aufgeführtesund mit orientalischer Pracht ausgestattetes Bauwerk, in wel-chem die Gebeine des hl. Markus begraben sind. An den eigent-lichen Markusplatz schließt sich die nach der Lagune hin offenePiazzetta an, auf der einen Seite von der ehemaligen Biblio-thek, einem der schönsten Gebäude des 16. Jahrhunderis, aufder anderen Seite von dem herrlichen Dogenpaiaste begrenzt.Markusplatz und Piazzetta bilden den Mittelpunkt des Verkehrsvon Venedig und gleichzeitig den Sammelplatz aller in derschönen Lagunenstadt sich aufhaltenden Fremden, die sich beson-ders zu den Stunden, wo die berühmten Tauben von SänMarco gefüttert werden, in großer Anzahl dort einfinde». Aberauch zu allen andern Tageszeiten bietet der Markusplatz stetseine Fülle von Gelegenheiten zur Beobachtung des venezianischenVolkslebens, zu welchem auch die am unserem Bilde dargestelltehübsche Szene eine vortreffliche Illustration bildet.--

Allerlei.

Ausgedient. Student fzu seiner Wäscherin^:Warum nähen Sie keine Knöpfe mehr an meine Hem-den?" Wäscherin:Ach, Herr Müller, an Ihre Knöpf'sollt' man Hemden nähen!"

-ssr?««-

Äve Maria!

Die Brandung schweigt, der rauhe Sturm entwich,

Und segnend senkt dcr Hauch des Friedens sichIm Abendschimmer auf das müde Meer.

Kein Schmerzensschrei, kein zornig Grollen mehrSteigt aus der Muth; des Tages Glanz verblich,

Des Tages Kampf und Wahn, und süß und hehr

Breitet sich in milder Pracht

Auf das weite, grambcfreite

Wogenfeld der See die stille Sternennacht

Ave Maria!

Das Schilfrohr bebt wie klagend nur im Wind,

Sonst rings kein Laut, nur leise, leis' und lindTönt das Geläute an den MeeresstrandVom Kirchlein her auf jähem FelsenrandWie Engelsgrnße an ein schuldlos Kind.

Und betend zu der Liebe HeimathlandSchau' ich auf aus Staub und Schmerz,

Und durch Thränen zieht ein SehnenZn dem fernen Strand des Lichts mich sternenwärtsAve Maria!

Jetzt zittert übcr's Meer der letzte KlangDes Vcsperglöckleins ernst wie Grabgesang,

Nun Stille rings umher! Nur leis und zag,

Wie Geisterlant ertönt dcr Wellenschlag;

Wie weißer Schaum zerfließt, was sterbensbangWie eine Schuld mir auf der Seele lag.

Und der Geist der Liebe senktIn die Trauer Frühlingsschauer,

Wie der Strahl des Lichts die kranke Blume tränktAve Maria!

Ein süßes Grau'n schleicht sich in's Herz mir ein.

Ich weiß, Gott ist mir nah'; nicht mehr alleinTrägt es sein Web, des Lebens schwere Last!

D'rum schlag' nicht mehr so laut, so voller Hast!

Sieh' doch daS Meer, wie es kann ruhig sein,

Wie nach dem Sturm es schläft in sel'ger Rast!

Wie das Meer, so wirst auch duNach dem bangen Kampf gelangenDurch die Nacht zum Licht und durch den Kampf zur Ruh'Ave Maria! (R. Ueberly im Luz. Vaterld.)

Nilder-Zlathsel.

Auflösung der Schach-Aufgabe in Nr. 11:

Weiß. Schwarz.

1. T. S6-L5 T. bU beliebig <A)

2. H21?4 oder je nachdem Zuge des schw. T.

1?3, oderW: oderL. vl-b'L-f Matt.

Bei jedem anderenZuge von Schwarz setzt D. T. od. S. Matt.--