Ausgabe 
(25.2.1896) 16
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Reiters bedroht. Da ließ er seine Beute los und ent-floh. Als seine Gefährten, von denen der eine sich vondem empfangenen Hieb sich schnell wieder erholt hatte,dies bemerkten, hielten auch sie nicht mehr Stand. Sieübersprangen den Graben und zogen sich eiligst in dasUnterholz des Waldes zurück. Gleich nachher hörte manPferdegetrab, das sich jedoch alsbald in der Ferne verlor.

Georg Selkow denn dieser war auf seinem Rittnach Pilsen zur rechten Zeit als Retter des Weges ge-führt worden wandte sich, vom Pferde steigend, zuder Frauengestalt und schaute in Marion's bleichesGesicht.

Während des Ringens waren dem Mädchen Tücherund Pelze entfallen. In den aufgelösten Haaren wühlteder Sturm. Sie stand da wie geistesabwesend. Ihregroßen Augen richteten sich glühend nach der Richtung,aus welcher man das Geräusch der fliehenden Räubervernahm.Der Schreckliche", murmelte sie,er wolltemich entführen; ich habe ihn trotz seiner Verkleidungerkannt."

Wie aus einem Traume fuhr sie plötzlich empor.Rasch wechselten, als sie den Hauptmann gewahrte, Nötheund Blässe auf ihrem Antlitz.Ihr seid es, Ihr",brachte sie endlich stockend hervor,Ihr wurdet mir aber-mals vom Himmel als Retter gesandt? O Gott, wo-durch habe ich diese Gnade verdient?"

Was soll das heißen?" fragte Georg heftig.Wel-cher Schurke hat sich an wehrlosen. Frauen in solcherWeise zu vergreifen gewagt?"

Marion hatte sich wieder gefaßt. Sie führte denHauptmann an den Schlitten, wo ihre Gefährtin, eineältere Frau, durch den befreiten Kutscher wieder zumBewußtsein gebracht worden war.

Meine mütterliche Freundin", erzählte sie,wurdevon ihrer Schwester, die im nächsten Dorf wohnt, ge-beten, sofort zu kommen, da sie in Folge eines Unglücks-falles schwer verletzt sei und sich ihrem Ende nahe fühle.Wir folgten dem Rufe augenblicklich und befanden unsauf dem Wege dahin. Nach dem so eben Erlebtenfürchte ich jedoch, daß wir in böswilliger Absicht ge-täuscht worden sind, um uns in die Einsamkeit des Wal-des zu locken, und die Gefahr der Schwester nur alsVorwand gebraucht wurde von einem Elenden, den Ihrwahrscheinlich nicht erkannt habt. Ich dagegen weißrecht gut, wer mich in den Wald schleppen wollte, wenndas Antlitz des Nichtswürdigen auch durch die Maskeverdeckt worden ist. Der freche Wegelagerer war keinAnderer als Fritz Donald mit zwei Helfershelfern."

(Fortsetzung folgt.)

Goldkörner.

Mzubekannt

Hat wenig Ehr' und viel Schand'.

Wer and're tadelt laut und grob,

Leicht geistreich scheinen kann,

Doch Geist zu zeigen bei echtem Lob,

Gelingt nicht Jedermann. G. Walling.

Was ist der hohe Rang? Ein stolzer Bettler,prahlt und bettelt bei der Menge betteltUm ein Almosen Huldigung, und oft versagtDie Menge ihre milde Gabe.

Eine gefallene Größe.

Augsburgische Episode aus dem 16. Jahrhundert.

- lNachdruck verboten.,

D,. Frühzeitig erkannte der Handel die Vor-theile des großen Capitals, und er machte sich bald das-selbe zu Nutzen. Allerdings gelang dieses selten einervereinzelten Thätigkeit, wetzhalb mehrere Männer zueinem gemeinsamen Unternehmen sich verbanden. Soentstanden die Handelsgesellschaften. AIs erste und be-deutendste ging aus Lübeck im 13. Jahrhundert der großenordische Städtebund hervor, welcher bis Köln und Er-furt nach dem Süden sich ausdehnte, und der nicht bloßnach politischer Macht strebte, sondern auch die Erweiterungund den Schutz des Handels und der Gewerbe zu seinerAufgabe machte. Großartige Erfolge durfte die Hansaverzeichnen, und sie verlockten zur Nachahmung. Raschbildeten sich in den größeren Reichsstädten ähnliche Ge-sellschaften, wenn auch in kleinerem Stile, und aus demengen Comptoir eines kühnen Handelsherrn wuchsen dieFangarme weit über die Grenzen des deutschen Reicheshinaus, die heimischen Speicher mit kostbaren Schätzenfüllend. Auch in Augsburg schlug das verführerischeWagniß Wurzel. Ulrich Arzt war es, der 1429 zuersteine Handelsgesellschaft auf breiter Grundlage gründete.Sein Sohn, gleichen Namens, trat in die Fußstapfen desVaters, und er spann aus dem 1462 auf dem Rinder-markte gekauften stattlichen Hans Hofmaier'schen Hause,1418 die gastfreundliche Herberge König Sigmunds,goldene Fäden über Italien und entlang den gegen Nor-den eilenden Strömen, um die Producte des glühendenOrients und der kalten Landstriche Europas für sich inReichthümer zu verwandeln. Kurz darauf segelten indem gleichen Fahrwasser die Gossenbrote, Vehlin undBaumgartner, bis die Fugger und die Weiser alle über-holten, nachdem in den Handelsbüchern der Gewinn-Contodurch die Ausbeute der Bergwerke in das Ungemessene sichvergrößert hatte. War aber in den Factoreien zu Venedigund Lissabon, zu London und Lübeck von diesen Handels-fürsten die Rede, so blieb auch der Name Ambros Höch-stetter nicht ungenannt.

Der schon 1368 bei der Einführung des Zunft-regiments zwischen den Kaufleuten und den Krämerngemachte Unterschied, wobei jene an der Spitze der 17Zünfte erscheinen, erfuhr allmälig nochmals eine Theilung,die bedeutungsvoll in das öffentliche Leben eingriff.Längst erhoben sich einzelne Namen aus der Reihe derMitbürger, und ihre Träger glänzten nicht bloß durchaußerordentlichen Reichthum, erworben durch kluge undglückliche Ausnützung der jeweiligen Verhältnisse, sondernes zierte sie auch Gelehrsamkeit und genaue Kenntniß derBegebenheiten in weiten Kreisen, so daß Könige und Fürstenmit Vorliebe sich ihrer als Räthe bedienten. Dessenungeachtetbeurtheilte sie das uralte Patriziat, im Laufe der Zeitauf 8 Familien zusammengeschmolzen, als seiner nichtebenbürtige Emporkömmlinge und verweigerte ihnen denEintritt in ihre Gesellschaft. So eifersüchtig hüteten dieGeschlechter das Privilegium ihrer bevorzugten Stellungin der Reichsstadt, daß sie sogar 1496 dem Wunschedes Kaisers Maximilian, den angesehenen KaufmannPhilipp Adler in ihrerStube" einzuschreiben, nicht ent-sprachen. Allein dem praktischen Leben widerstand aufdie Länge nicht die Schranke des Standesunterschieds.Die ehelichen Verbindungen aus den Häusern der großenHandelsherren mit den Gliedern des.Datriziats gehörten