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dichter werdenden Gedränge den Wagen verlassend,wurden wir Körper an Körper umringt. Wir mußtenjeden Augenblick Thätlichkeiten erwarten. An der Enceintehatten auch die vier Pioniere mit der Fahne, um weiterzu kommen, den Wagen verlassen. Wir erreichten dendieselben führenden Pionier-Offizier, stellten uns vor,entdeckten einen Bekannten aus Berlin — es war derMaurermeister Jacobs aus Berlin (noch heute Raths-maurermeister) — und plauderten mit ihm, nicht ohnemancherlei Unbequemlichkeiten, bis unmittelbar amTriumphbogen.
(Schluß folgt.)
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Z u unseren Bildern.
Hange Stunde.
Ein gutes Genrebild muß der Natur so getreu abgelauschtsein, daß es für sich allein spricht und der Beschauer nichtnöthig hat, mit allerlei Vermuthungen sich die Situation zuerklären. Ob dieser Anforderung unser Bild wohl entspricht?Wir glauben, es gelingt ihm in so treffender Weise, daß esselbst den Hagestolzen, herzlosen Egoisten, der keine Ahnung hatvon dem, was ein trautes, häusliches Leber: bewegt, von derliebevollen Sorge überzeugen könnte, mit der ein Familienglieddas aridere beständig hebt und trägt. Wie manches Elternherzwird beim Anblick unseres Bildes schmerzlichst erinnert werdenan die schwere Stunde, in welcher ihr Liebstes mit dem Toderang, der Würgengel ihm das wieder hinwegraffte, was infreundlicher Huld der Himmel beschicken. Wohl Jenen aber,denen die unendlich lange „bange Stunde" vorübergegangenohne Verlust, denen, die sich noch im Besitze des ehemals ge-fährdeten, jetzt doppelt theuren Kleinods wissen dürfen! Undso hoffen wir, daß auch an unserm so rührend und fromm ge-schilderten Ehepaare, das die fiebernde Sorge um das Lebenihres Lieblings zu verzehren droht, die „bange Stunde" gnädigvorübergegangen ist und frisches Wiedererblühen des Kindesbald die schwebende Pein in laute Freude und innigen Dank
verwandelt! _
Kid an.
Sidon, die älteste rrnd neben Tyrus wichtigste Stadt Phö-niziens, in einer schmalen Ebene am Mittelmeer etwas östlicherals das heutige Sa'rda, war schon zu HonrerS Zeit wegen ihrerKunstarbeiten berühmt und wurde die Mutterstadt vieler phö-nizischer Anlagen in und außer dem Lande, namentlich auchvon Thrus. Im 4. Jahrhundert vor Christus stand es an derSpitze einer Empörung gegen den Perserkönig Artaxerxes III., wurde aber durch den eigenen König an die Perser verrathenund von den Einwohnern selbst angezündet; 40,000 Menschensollen dabei umgekommen sein. Auch in der christlichen Zeitblieb Sidon, das im Laufe der Jahrhunderte noch mehrmalszerstört und wieder aufgebaut wurde, eine bedeutende Stadt.Besonders wichtig war im Alterthum Sidons Handel mitPurpurfärbereien, Bernstein und Glas, dessen Erfindung derStadt zugeschrieben wird. Schon 1855 wurde eines der be-deutendsten Monumente des Alterthums, der mit phönizischerInschrift versehene Sarkophag des Königs Esmunazar, gefunden,was 1860 die Expedition nach Syrien unter Renan veranlaßte.Im Frühjahr 1887 hat man dazu 18 sidonische Fürstensarkophageentdeckt. Die meisten gehören dem 4. Jahrhundert v. Chr. an.Das heutige Sidon verdankt seine Berühmtheit lediglich seinergeschichtlichen Vergangenheit.
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Allerlei.
Besser ist besser. Onkel: „Nimm Dich inDeinem Leben vor den Advokaten in acht! Es wirdDir das nur Vortheil bringen." — Neffe: „Aber ichgedenke doch selbst Advokat zu werden." — Onkel:„Das ist etwas anderes, das ist noch besser."
Das Kttd Im Guirlnale.
Dem hl. Vater zürn Jahrestage seiner Krönung (3. März).Zu Rom im prächt'gen Quirinale,
In jenem weltberühmten Saale,
Wo einst des Corsen Schaar im HöhneDen Papst geschleppt von seinem Throne,
Da findet man ein schönes Bild,
Das dem Triumph des Papstes gilt.
Drauf ist der Heiland voller Würde,
Wie ihn der Juden Grimm entführteAuf Bergeshöh', um ibn von dortenIn Haß durch jähen Sturz zu morden:
Doch unverletzt in MajestätDurch ihre Mitte Christus geht.
Der neunte Pius ließ so schmückenDen schönen Saal, um auszudrückenDes fieb'ntcn Pius siegreich StreitenUnd eignen Kampf und eignes Leiden,
Und wie es Gott doch immer fügt,
Daß Papst und Kirche rrie erliegt. —
Manch Jahre sind seitdem vergangen,
Der Papst in Rom, er ist gefangen,
Im Quirinale Andre thronen,
In jenem Saale Andre wohnen;
Die haben denn auch gleich verhülltDas so bedeutungsvolle Bild.
Doch, könnt ihr zwar das Bild verhüllen,
Nicht aber Gottes hcil'gen Willen,
Der seinen Arm der Kirche leihet
Und, wenn auch Sturm an Sturm sich reihet,
Doch zeigt, daß Feindes Macht und ListGen Papst und Kirche Ohnmacht ist.
Drum hoffen wir auch ohne Zagen,
Es werde bald die Stunde schlagen,
Wo auch des Papstes Fahne wiederVorn Quirinale weht hernieder,
Wo frei der Papst in MajestätZum Quirinal als Sieger geht.
Ja, heil'ger Vater! Deine Treuen,
Die werden Tag für Tag erneuenZu Gott für Dich ihr innig Flehen,
Bis sie Dich frei von Banden sehen,
Bis Deinem Sieg auch einmal giltIm Quirinal das schöne Bild.
A. Zottmann.
WätHsel.
Ich steh' und spiele gernMit Schilf und schwanken Zweigen,Ich lieb's, wenn Wölk' und SternIhr Bild hernieder neigen.
Wer mich im Mondlicht schaut,
Sah wohl der Nixen Reigen.
Wirf einen DoppellautIn mich, so werd' ich zeigenGebild von Menschenhand,
Dem Farbenwunder eigenEs ziert Altar und Wand,
Und tritt rnan's, muß es schweigen.
Auflösung des Bilder-Näthsels in Nr. 16:Liebeserklärung.
Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 17:
Weiß. Schwarz.
1. K. 01-U2 62-01 D. f
2. D. §2—61: beliebig.
3. D. 01—^1 Matt.
L..
2. D. §2-L3 ch
3. T. 05-02 Matt.
S. 05—§4K. V4-L3:
(Auf 1.IV-bB folgt: 2. D. ^2-01 usw.)
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